Festnahme im Fernreisebus / Senioren misshandelt und ihrem Schicksal überlassen

Schockierendes Verbrechen von Menden aus dem Jahr 2016 vor der Aufklärung

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Der Tatort vom 26.11.2016 an der Thüringenstraße in Menden.

[Update 15.05 Uhr] Menden - Ein Verbrechen, das am 26. November 2016 die Menschen im sauerländischen Menden erschüttert hatte, scheint final aufgeklärt zu sein: Ein dringend tatverdächtiger Serbe (35) ist am Montagabend in Aachen eher zufällig bei der Routinekontrolle eines Fernreisebusses festgenommen worden.

Der Mann soll ein 84-jähriges Rentner-Ehepaar nach einem Einbruch im Ortsteil Platte Heide zunächst misshandelt, dann gefesselt und geknebelt seinem Schicksal überlassen haben. Beide waren stark dehydriert und wären wohl gestorben, hätten nicht Nachbarn die Senioren befreit, weil sie diverse Anzeichen richtig gedeutet hatten.

Laut einer gemeinsamen Presseerklärung der Bundespolizei Aachen und der Staastanwaltschaft Arnsberg von Dienstagmittag fasste eine gemeinsame Streife der Bundespolizei und der Königlichen Marechaussee (niederländische Gendarmerie) den per Haftbefehl gesuchten Intensivtäter am Montagabend gegen 20.15 Uhr.

Der Zugriff erfolgte während einer Kontrolle in einem Fernreisebus auf der Strecke Antwerpen - Brandenburg am Bendplatz in Aachen. 

Mit gefälschten Papieren aufgeflogen

Groß war die Freude einen Tag später auch bei der Ermittlern der Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis, wie Pressesprecher Dietmar Boronowski bestätigte. "Ja, bei einer solchen Nachricht ist auch bei uns Freude da!"

Über die damals eingerichtete Mordkommission Hagen war die Nachricht von der Festnahme des letzten Verdächtigen nach Iserlohn gedrungen.

Bei seiner Festnahme hatte der Serbe sich eines gefälschten serbischen Reisepasses und Führerscheins bedient. Die Dokumente wurden beschlagnahmt und werden einer kriminaltechnischen Untersuchung unterzogen. Gegen den Tatverdächtigen wurde wegen der unerlaubten Einreise und der Urkundenfälschung eine Anzeige gefertigt.

Spurenlage am Tatort sprach für drei Täter

"Im Anschluss wurde er in den Polizeigewahrsam des Polizeipräsidiums Aachen eingeliefert. Er wird heute dem Haftrichter vorgeführt", teilten die Ermittler mit.

Der festgenommene 35-Jährige sei dringend tatverdächtig, am 26. November 2016 gemeinsam mit mutmaßlich mindestens zwei Mittätern in das Wohnhaus des  Rentner-Ehepaares an der Thüringenstraße in Menden-Platte Heide eingebrochen zu sein und die jeweils 84-jährigen Opfer misshandelt zu haben, um an Wertgegenstände zu gelangen.

Suche auch über Aktenzeichen XY...ungelöst"

Der Tatverdacht hatte sich nicht zuletzt wegen der Spurenlage am Tatort schnell mindestens gegen drei serbische bzw. bosnische Staatsangehörige gerichtet. Keine 24 Stunden nach der Tat vom 26. November 2016 hatte es nach einem Einbruchsversuch in Menden-Lendringsen drei Festnahmen gegeben. 

Im Ergebnis wurden eine Frau und ein Mann 2017 vor Gericht gestellt, verurteilt und sitzen noch immer im Gefängnis - allerdings ausschließlich wegen diverser Eigentumsdelikte. Eine Tatbeteiligung am Verbrechen an den beiden Mendener Senioren hatte ihnen jedoch nicht nachgewiesen werden können. 

Waffen, Bargeld und Schmuck geklaut

Der tatverdächtige Serbe wurde von der Staatsanwaltschaft in Arnsberg wegen zweifachen Mordversuches in Tateinheit mit schwerer räuberischer Erpressung, erpresserischen Menschenraubes und gefährlicher Körperverletzung gesucht.

Am 5. April 2017 war von der Polizei in Hagen über die ZDF Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst" nach dem Tatverdächtigen gesucht worden. Bereits am 24. Januar 2017 hatte die Polizei ein Fahndungsfoto des jetzt in Aachen Festgenommenen veröffentlicht, der mit zwei verschiedenen Identitäten bei deutschen Behörden in Erscheinung getreten war - mal als Dragan S., dann als Martin S.

Bei dem brutalen Überfall in Menden waren aus dem Einfamilienhaus zwei scharfe Kurzwaffen samt etwa 50 Schuss Munition und zwei Schreckschusswaffen, ein fünfstelliger Bargeldbetrag, eine Münzsammlung, Schmuck und einige Uhren entwendet worden.

Lesen Sie zu diesem Fall auch:

- 6.4.2017: Versuchter Doppelmord in Menden: Neue Erkenntnisse

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