Organisator ohrfeigt Teilnehmerin

Schläge, Skandal und Schönheits-Wettkampf: Miss-Wahl wird zur riesigen Enttäuschung

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Es sollte nicht sein: Die Bönenerin Vanessa Enns hatte sich den deutschen Titel Anfang November geholt, am Wochenende kämpfte sie mit 49 anderen jungen Frauen in Neapel um das Krönchen der „Miss European Continental“. Das trägt jetzt eine Französin. Schockierend: Bei einer Parallelveranstaltung ohrfeigte einer der Organisatoren eine Teilnehmerin.

Bönen/Neapel – „Es war eine bittere, aber wertvolle Erfahrung“, sagt die Bönenerin Vanessa Enns nach ihrer Rückkehr aus Neapel, wo sie am Wochenende am Wettbewerb „Miss Europe Continental“ teilgenommen hatte. Und damit meint sie nicht, dass sie nicht auf dem Siegertreppchen gelandet ist. „Damit muss man schließlich rechnen.“ 

Fast eine Woche war sie zusammen mit ihren Eltern und ihrem Manager in der süditalienischen Metropole, um sich auf den Wettbewerb vorzubereiten. Aber was sie dort erlebten, hat mit einem seriösen Wettbewerb wenig zu tun, denn für ihre Kritik kassierte eine Teilnehmerin einen Schlag ins Gesicht. 

Organisatoren machen Parallelwettbewerb mit Instagram-Schönheiten

Vanessa Enns hatte sich schon so gefreut, ihrem Titel „Miss Europe Continental Germany“ vielleicht noch den Titel „Miss Europe“ hinzuzufügen. Dazu war das Bönener Model mit Eltern und Management am vergangenen Montag nach Italien geflogen, um sich auf den Wettbewerb am Samstagabend vorzubereiten. Genauso wie 49 andere junge Frauen aus ganz Europa.

Im Teatro Mediterraneo fand der Schönheitswettbewerb statt, an dem Vanessa Enns teilnahm.

Was Vanessa Enns, ihr Management und die Teilnehmer bis dahin nicht wussten: Die italienischen Organisatoren hatten noch einen zweiten Wettbewerb organisiert, für den sie im Vorfeld weltweit Mädchen auf Instagram gesucht hatten. Diese zweite Misswahl fand am Freitagabend in einer Turnhalle in Neapel statt unter dem Titel „Miss Europe Continental International“. Dazu waren 100 junge Frauen aus aller Welt von China über Korea bis Südafrika nach Neapel gekommen, in der Hoffnung auf das Siegerkrönchen und Verträge mit internationalen Modelagenturen. 

„An einem Schönheitswettbewerb hatten die meisten nie zuvor teilgenommen, weil sie wahrscheinlich keine Chance gehabt hätten“, sagt der Manager von Vanessa Enns. Denn die Mädchen hätten oft gar nicht die Voraussetzungen mitgebracht wie etwa eine Mindestgröße, die Agenturen von Models in der Regel fordern. „Das lief nach dem Motto, wer zahlt, ist dabei“, vermutet Sabiullah Scherzai von der Agentur Casting Connect, die Vanessa Enns betreut

Frauen zahlen Teilnahmegebühren und Langstreckenflüge

Die jungen Frauen hätten über 1000 Euro Teilnahmegebühr und den teuren Langstreckenflug bezahlt, um an dem Schönheitswettbewerb teilnehmen zu können. „Mir taten die Mädchen leid, die für ihren großen Traum gejobbt haben, um das Geld für ihre Teilnahme zu verdienen, und um die halbe Welt geflogen sind, um dann enttäuscht zu werden. Da kann man nur jeden warnen, genau hinzusehen, an welchem Wettbewerb er teilnimmt“, sagt der Manager. 

Spätestens, als sie sich irgendwo in Neapel in einer Turnhalle wiederfanden, da dämmerte es wohl vielen jungen Frauen, dass sie hier nicht am glamourösen Anfang einer großen Karriere standen, sondern einfach von den Organisatoren abgezockt worden waren. „Schließlich eskalierte die Situation und einige Mädchen forderten ihr Geld zurück. 

Junge Frau wird für Kritik geohrfeigt

Als eine junge Frau die Veranstaltung kritisierte, soll der Bruder des Veranstalters ausgerastet sein und ihr ins Gesicht geschlagen haben“, berichtet der Manager schockiert. Die junge Frau ging zu Boden und es gab eine Handgemenge. Viele Mädchen brachen daraufhin den Wettbewerb „Miss Europe Continental International“ am Freitag vorzeitig ab. 

Der Tumult bei der Veranstaltung:

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On Wednesday, November 20th, the women competing in the 2019 Miss Europe Continental World pageant gathered together in Naples, Italy to rehearse their show. Leading up to this violence and abuse was a tense environment: the Patron (Alberto Cerqua) breached his contract with most of the women and lied to them perpetually. Suddenly, less than 30 minutes after Alberto dedicated the fashion show to being against violence against women, his own brother STRIKES ONE OF THE CONTESTANTS across the face, causing her to fall to the floor. In the video, Alberto clearly sees what his brother did and tries to go into the crowd to help him. There has been no apology from neither Alberto NOR HIS BROTHER for this abuse. This is NOT ACCEPTABLE and shall NOT be tolerated in ANY COUNTRY. PLEASE SHARE. @albertocerqua @misseuropecontinentalofficial #boycottmisseuropecontinental #violenceagainstwomen #metoo #prowomen #abuse #abuseawareness

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On Wednesday, November 20th, the women competing in the 2019 Miss Europe Continental World pageant gathered together in Naples, Italy to rehearse their show. Leading up to this violence and abuse was a tense environment: the Patron (Alberto Cerqua) breached his contract with most of the women and lied to them perpetually. Suddenly, less than 30 minutes after Alberto dedicated the fashion show to being against violence against women, his own brother STRIKES ONE OF THE CONTESTANTS across the face, causing her to fall to the floor. In the video, Alberto clearly sees what his brother did and tries to go into the crowd to help him. There has been no apology from neither Alberto NOR HIS BROTHER for this abuse. This is NOT ACCEPTABLE and shall NOT be tolerated in ANY COUNTRY. PLEASE SHARE. @albertocerqua @misseuropecontinentalofficial #boycottmisseuropecontinental #violenceagainstwomen #metoo #prowomen #abuse #abuseawareness

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Von all dem bekam Vanessa Enns zunächst gar nichts mit. Sie hatte sich als Siegerin des deutschen Wettbewerbs für Neapel qualifiziert und probte mit ihren Konkurrentinnen aus ganz Europa auf der Bühne für den großen Auftritt beim Wettbewerb „Miss Europe Continental“. Dieser Wettbewerb ging am Samstag im Teatro Mediterraneo in Neapel über die Bühne. „Tagelang übten die Mädchen an ihrem Auftritt und ihrer Choreographie und hatten Fototermine“, berichtet ihre Mutter Nadja Enns. 

Ihren Auftritt hat sie professionell absolviert, aber über den Ausraster bei dem Parallelwettbewerb war sie schockiert. Als das durchsickerte, sei die Stimmung gedrückt gewesen. „Bei einigen Mädchen flossen Tränen“, erzählt sie. Gut, dass sie während der ganzen Zeit die Unterstützung ihrer Familie vor Ort hatte. 

Sie gewann den Wettbewerb:

„Obwohl sie ihre Sache sehr gut machte und bei Fotografen, Kameraleuten und Publikum zu den Favoriten gehörte“, betont ihr Manager, „hatte sie bei der Jury keine Chance. Die schaute während des Wettbewerbs lieber ein Fußballspiel auf dem Handy.“ So erklärt Sabiullah Scherzai ihr frühes Ausscheiden.

Vanessa Enns will weitermachen

Vanessa schaffte es diesmal nicht ins Finale. Aber sie nimmt es gelassen. „Es war eine wichtige Erfahrung. Ich werde meinen Weg auch so machen“, ist sie sich sicher. Schließlich hat die schöne Bönenerin zwei berufliche Standbeine. Nach der Ausbildung zur Erzieherin hat sie in Dortmund ein Studium begonnen. „Ich lasse mich überraschen, wie es mit meiner Modelkarriere weiter geht“, sagt sie. 

Weitermachen will sie auf alle Fälle. Und bei Fotoshootings bringt sie ihre Mutter Nadja Enns auch weiterhin mit. „Die seriösen Auftraggeber verstehen das und finden es gut“, sagt sie. Sicher ist sicher. Denn in der Branche gebe es eben auch schwarze Schafe, die Models als Freiwild betrachten.

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