Tierrechtler liefern Beweisvideo

Schlachten ohne Betäubung: Schächtungs-Verdacht im Kreis Unna - „Erschreckende Filmaufnahmen“

Behörden haben einen Schlachtbetrieb im Kreis Unna geschlossen. Der Grund: illegales Schächten von Tieren. Der Tipp kam von einer Tierrechtsorganisation.

[Update] Kreis Unna - Behörden im Kreis Unna haben Schlachtungen in einem kleineren Schlachtbetrieb in Selm untersagt und Ermittlungen wegen des Verdachts des illegalen Schächtens Hunderter Rinder und Schafe eingeleitet. Eine Tierrechtsorganisation hatte zuvor Hinweise auf das illegale Schächten (betäubungsloses Schlachten) gegeben.

StadtSelm
LandkreisKreis Unna
Einwohnerca. 26.000

Schlachten ohne Betäubung: Behörden schließen Schlachthof im Kreis Unna

Der Schritt des Veterinäramtes des Kreises Unna erfolgte am Donnerstagabend (18. März) in Abstimmung mit dem Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerium von NRW sowie dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV).

Parallel hatte die Tierschutzorganisation Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Dortmund erstattet und dort umfangreiches Beweismaterial in Form von Videoaufzeichnungen übermittelt. Auf Nachfrage wurden auch den Behörden Links zum Videomaterial zur Verfügung gestellt. 

Illegales Schächten: Tierrechtsorganisation stellt Strafanzeige und liefert Beweisvideo

Laut Mitteilung des Kreises Unna entschieden die Behörden nach erster Sichtung des Materials, weitere Schlachtungen im Betrieb vorsorglich zu untersagen, um weiteres Leiden und Schmerzen von Tieren zu unterbinden. In Abstimmung mit dem LANUV und der zuständigen Kreisordnungsbehörde wird derzeit das vorgelegte Beweismaterial im Detail ausgewertet. Zudem prüft das NRW-Landesamt, ob die Voraussetzungen für einen Entzug der hygienerechtlichen Zulassung des Schlachtbetriebes vorliegen. 

Der Schlachtbetrieb sei weiterhin untersagt, hieß es am Mittwoch (24. März). Zurzeit werde unter anderem geprüft, woin das Fleisch geliefert wurde.

Bei dem betroffenen Betrieb handelt es sich laut NRW-Ministerium um ein kleineres Schlachtunternehmen. Es werden monatlich ca. 100 Schafe und Rinder regulär mit Betäubung unter amtlicher Überwachung geschlachtet. Das Unternehmen beliefere den Einzelhandel im Dortmunder Umfeld. Die Tierrechtsorganisation „Soko Tierschutz“ verwies in einer Mitteilung von Mittwoch auf Bildmaterial aus dem Schlachthof, das dokumentiere, wie Rinder und Schafe „systematisch“ und bei vollem Bewusstsein geschlachtet wurden. Das Videomaterial lege nahe, das sdie schon sterbenden Tiere mit einem Bolzenschussgerät getötet wurden, sagte ein Kreissprecher. So habe die illegale Praxis offenbar vertuscht werden sollen.

Illegales Schächten? Umweltministerium unterrichtet Landtag

In einem schriftlichen Bericht für den Landtag befasst sich auch das Umweltministerium mit dem Vorgang: „Eine erste Sichtung des Videomaterials lässt erschreckende Filmaufnahmen über Aufhängen von Tieren bei vollem Bewusstsein und Töten durch Kehlschnitt ohne Betäubung erkennen.“ Demnach ist nach Informationen der Tierrechtsorganisation die Rede davon, dass allein in diesem Jahr mindestens 117 Schafe und 31 Rinder nachts außerhalb der regulären Schlachtzeiten ohne amtliche Schlachttier und Fleisch-Untersuchungen geschächtet wurden.

Nach Ministeriumsangaben werden bei dieser Schlachtform nach „rituellen Regeln einer Glaubensgemeinschaft“ die Tiere ohne vorherige Betäubung mittels Halsschnitt getötet. Sie sterben, in dem sie noch bei Bewusstsein ausbluten. „An der Erheblichkeit des Leidens von Tieren beim Schächten kann kein Zweifel bestehen“, stellt der Bericht grundsätzlich klar.

Schächten: In Deutschland grundsätzlich verboten

Nach Angaben des Kreises Unna hatte es bereits im Jahr 2002 Hinweise auf betäubungsloses Töten von Rindern und Schafen auf dem Hof gegeben. Damals sei das Verfahren aber mit einem Vergleich zu Ende gegangen. Ein erneuter Versuch, den Verdacht zu beweisen, sei dann gescheitert.

Unter Schächten versteht man die Schlachtung eines Tieres ohne Betäubung: Einem unbetäubtem Tier - in diesem Fall waren es offenbar Rinder und Schafe - wird der Hals mit einem Messer von der Kehle aus durchschnitten. Schächten in diesem Sinne ist in Deutschland grundsätzlich verboten, da das Tierschutzgesetz das Schlachten von warmblütigen Tieren untersagt, sofern ihr Schmerzempfinden nicht vor Beginn wirksam ausgeschaltet ist.

Wer ohne Ausnahmegenehmigung gegen diese Vorschrift verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit oder bei quälerischer oder roher Ausführung eine Straftat, was bis zu einem Berufsverbot oder einem Verbot des Umgangs mit Tieren führen kann.

Rubriklistenbild: © Emily Wabitsch/dpa

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