"Romance Scamming" - das Geschäft mit Gefühlen:

Banker rettet Frau aus teurer Liebes-Falle - Jetzt spricht das Opfer

[Update] Ein aufmerksamer Bank-Mitarbeiter hat eine offenbar liebestrunkene Frau aus Hamm davor bewahrt, eine irre hohe Geldsumme in den Sand zu setzen. Das Muster des Betrügers ist den Behörden durchaus bekannt - es klingt auch hier unglaublich. Wir haben mit dem Opfer gesprochen.

  • Ein Mann lernt eine Frau aus Hamm (NRW) auf einer Partnerbörse im Internet kennen.
  • Er wohnt angeblich in Florida und bittet die Frau um mehrere tausend Euro. 
  • Ein Bankmitarbeiter wittert den Betrug. 

Hamm - Seinen Traumpartner findet man heute über entsprechende Foren im Internet. „Zweisam“ ist ein solches Bezahlportal für Menschen über 50, und eine 58-jährige Hammerin hätte hier um ein Haar ihren finanziellen Albtraum erfahren. Ein Mitarbeiter der Targobank am Hammer Marktplatz roch am Donnerstag den faulen Braten und verhinderte, dass die Hammerin für einen mutmaßlichen Betrüger ein Darlehen über 10.200 Euro aufnahm. Die Frau erstattete anschließend Strafanzeige bei der Polizei und sprach auch mit unserer Redaktion über ihren Fall.

Im Mai hatte sich die Hammerin für drei Monate bei der Partnerbörse angemeldet. Nur wenige Tage nach der Freischaltung meldete sich ein sympathischer Herr bei ihr. „William“ nannte er sich, gab sich als 61-jährig aus und schickte bald schon Fotos von sich, seinen Kindern und den Enkeln. Aus Ostwestfalen komme er – alles schien zu passen, berichtet wa.de*.

„Ich war wirklich vorsichtig, aber alle Zweifel schienen unbegründet“, erinnert sich die Hammerin. Bald schon habe man sich per Mail und nicht mehr über das Portal ausgetauscht, später kam auch Skype (ohne Video) hinzu. „Prima, ich bin in ein paar Tagen ohnehin zu Besuch in Ihrem Städtchen. Sollen wir uns nicht persönlich kennenlernen?“, fragte sie sinngemäß vor ein paar Wochen. „William“ antwortete prompt und bekannte nun, dass er – „noch“ – gar nicht in Ostwestfalen sei, sondern in Florida festsitzen würde. Angehörige von ihm wohnten aber dort, und er wolle nach Deutschland auswandern.

Romance Scamming: nonchalant und heiratswillig

Alles schien der Hammerin plausibel. „William“ hatte sich als Geschäftsmann, der mit Edelmetallen Handel trieb und auch als Designer tätig war, ausgegeben. Mehrfach am Tag meldete er sich, war überaus nonchalant und niemals fordernd. Und „William“ machte ernst. Er wolle sie heiraten, er kaufte ein Flugticket und schickte ihr auch davon Fotos. Dann der große Haken: Die Steuerbehörden hatten in den USA sein Konto gesperrt. Sie solle mit 10.200 Euro aushelfen, dann wäre die Kontosperrung aufgehoben. Sie könne anschließend direkt auf sein Geschäftskonto zugreifen. 48 Millionen Dollar lägen darauf. Alles kein Problem...

Die Hammerin bekam zum Beweis von „William“ Zugangsdaten von der US-Bank zugesandt. „Das viele Geld interessierte mich überhaupt nicht“, sagte sie WA.de. „Aber dennoch: Es gab diese Bank, und ich kam mit den zugesandten Zugangsdaten tatsächlich weiter. Ich habe das geglaubt.“

Die Targobank am Marktplatz in Hamm: Hier wurde der Betrug erkannt.

Romance Scamming: Filialleiter riecht den Braten

Am Donnerstag ging sie zur Targobank, um die Überweisung in die Staaten festzumachen. 10.200 Euro: So viel Geld hatte sie nicht und war nun bereit, ein Darlehen aufzunehmen. Den entsprechenden Vertrag hatte sie schon in der Bank beim Sachbearbeiter unterschrieben. Es fehlte nur noch die Unterschrift des Filialleiters. Dennis Hüttche heißt dieser, und der erkannte die Betrugsmasche. „William“ würde es gewiss nicht geben, sagte er der Kundin und berichtete ihr von ganz ähnlich verlaufenen Betrugsfällen aus der Vergangenheit.

Die Hammerin stoppte darauf die Transaktion und ging zur Polizei. „Ich bin immer noch hin- und hergerissen, ob es ihn nicht doch gibt“, gestand sie. Am Donnerstagabend habe „er“ noch einmal bei ihr angerufen, aber sie sei nicht ans Telefon gegangen.

Die Hammer Polizei lobte das wachsame Verhalten des Targobank-Filialleiters und die Courage der Hammerin. Der wahre „William“ operiere vermutlich von Nigeria aus...

Romance Scamming: Liebes-Masche oft mit Erfolg

Immer wieder werden vor allem Frauen Opfer dieser Liebes-Masche. Nicht nur Datingportale sind dabei Helfershelfer, auch auf Facebook ist niemand vor solchen Fallen gefeit, wie das Beispiel einer 49-jährigen Hammerin zeigt. Erst kürzlich tappte ein Mann aus Hagen in die teure Falle: Die irre Geschichte brachte ihn um 250.000 Euro!

Romance Scamming: Die Polizei informiert und mahnt

Romance- oder Love-Scammer suchen ihre Opfer meist auf sozialen Netzwerken oder Dating-Seiten. Scammer überhäufen ihre Opfer schon nach dem ersten Kontakt mit ellenlagen Briefen voller Liebesschwüre.

Love-Scamming ist ein gefährlicher Trend im Netz. Betroffene verlieben sich und werden dann hemmungslos ausgenutzt. 

Wenn Sie gescammt wurden, ignorieren Sie die Forderung des Scammers und überweisen Sie auf keinen Fall Geld. Lösen Sie auch keine Schecks ein oder leiten Briefe oder Päckchen weiter. Speichern Sie alle Mails und Chat-Texte als Beweis. Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei. Blockieren Sie jeglichen Kontakt und antworten Sie nicht auf Mails oder Anrufe des Scammers. Am besten ist es, sich eine neue Mailadresse und Telefonnummer zuzulegen.

Grundsätzlich sollte man Menschen, die man nie persönlich kennengelernt oder gesehen hat, kein Geld überweisen oder auf sonstige Forderungen eingehen. Gerade im Internet tummeln sich viele Betrüger, die an der Gutgläubigkeit ihrer Mitmenschen viel Geld verdienen wollen.

*wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks. 

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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