Zahlen des RKI

Reproduktionszahl R sinkt wieder: Was die Zahl zum Coronavirus aussagt

Das RKI hat die neue Reproduktionszahl R mitgeteilt: Der R-Wert lag zu Beginn der Woche bei 0,91. Täglich fasst wa.de die offiziellen Zahlen für NRW zusammen. Was sie aussagen:

  • Die Reproduktionszahl R gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter in einem bestimmten Zeitraum im Durchschnitt ansteckt. Die Berechnung ist komplex - R ist nicht gleich R.
  • Seit dem 20. April gibt es einen bundesweiten einheitlichen Meldeweg der Länder und Kommunen zu den Fallzahlen der Corona-Infektionen.
  • Die neusten Zahlen des RKI zeigen einen Abwärtstrend bei den Infektionen. 

Update am 19. Mai, 9.51 Uhr: Nach Angaben des RKI haben in Deutschland rund 154.600 Menschen die Infektion überstanden. Wie für andere Länder rechnen Experten aber auch in Deutschland mit einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle.

Bundesweit sind bis Montag über 175.100 Infektionen mit dem Coronavirus registriert worden (Vortag Stand 20.15 Uhr: mehr als 174.700 Infektionen).

Die Reproduktionszahl ist in den vergangenen Tagen wieder gesunken. Der R-Wert lag nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Montag bei 0,91. Das bedeutet, dass jeder Infizierte im Mittel etwas weniger als eine weitere Person ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Coronavirus: 7-Tage-Reproduktionszahl niedriger

Zudem gibt das RKI ein sogenanntes 7-Tage-R an. Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert bei 0,82.

Er zeigt das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen.

Coronavirus: Reproduktionszahl "nur ein Parameter"

Update am 12. Mail, 13.44 Uhr: Der Anstieg der vieldiskutierten Reproduktionszahl in den vergangenen Tagen ist laut Robert-Koch-Institut (RKI) auch auf einzelne Ausbrüche zurückzuführen. "Die jüngsten Ausbrüche etwa in Schlachthöfen* haben die Reproduktionszahl angehoben", sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade am Dienstag in Berlin. 

Schaade betonte erneut, dass dieser Wert "nur ein Parameter" sei, um die Dynamik der Corona-Übertragung zu beurteilen. Seit Samstag lag die sogenannte Reproduktionszahl in Deutschland wieder über eins, nachdem sie zuvor bis Freitag unter diese kritische Marke gesunken war. Das RKI schätzte die jüngste Reproduktionszahl auf 1,07. Die Reproduktionszahl gibt an, wieviele Menschen ein Infizierter während seiner Erkrankung im Schnitt mit dem Erreger ansteckt.

Update am 11. Mai, 11.53 Uhr: Immer wieder ist in Berichten die Rede von der Reproduktionszahl R. Grundsätzlich ist diese Zahl einer der zentralen Werte zur Beurteilung des Verlaufs einer Infektionswelle. Sie gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter in einem bestimmten Zeitraum im Durchschnitt ansteckt. Je niedriger R ist, desto besser. Liegt R unter 1, steckt ein Infizierter im Schnitt weniger als einen anderen Menschen an - und die Epidemie läuft aus. Liegt R über 1, steckt ein Infizierter im Mittel mehr als einen anderen Menschen an - die Zahl der täglichen Neuinfektionen wird größer.

Am Sonntag gab das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem Bericht die Reproduktionszahl mit einem Wert über der kritischen Marke eins an. Der Wiederanstieg erlaubt laut dem RKI noch keine weitergehenden Schlussfolgerungen zum Infektionsgeschehen in Deutschland. Es könne "weiterhin noch nicht bewertet werden, ob sich der während der letzten Wochen sinkende Trend der Neuinfektionen weiter fortsetzt oder es zu einem Wiederanstieg der Fallzahlen kommt", schreibt das Institut in seinem aktuellen Situationsbericht (Stand Sonntag 0.00 Uhr). 

Coronavirus: Reproduktionszahl R auf 1,13

Demzufolge wird R nun auf 1,13 geschätzt. Das RKI verweist auf statistische Schwankungen, die durch die insgesamt niedrigeren Zahlen verstärkt würden. Noch vergangene Woche hatte das RKI den R-Wert auf unter 1 geschätzt, im Bericht vom Freitag auf 0,83. In der Samstagsausgabe stieg er dann auf 1,1. 

Bei dem Wert gibt das Institut immer auch eine Schwankungsbreite an. Der Anstieg des Wertes mache es erforderlich, die Entwicklung in den nächsten Tagen "sehr aufmerksam zu beobachten", hieß es. 

Wie wird die Reproduktionszahl berechnet?

Inzwischen geht vielen das Wort Reproduktionszahl leicht von den Lippen. Doch die Berechnung ist komplex - und es gibt nicht nur eine. R ist nicht gleich R.

Für die Schätzung von R gibt es Änderungen im Detail, wie gerade erst vom Robert Koch-Institut (RKI) vorgenommen. Es gibt aber auch völlig unterschiedliche Ansätze zur Berechnung, die zu sehr abweichenden Werten führen können. 

Aufgefallen war das Anfang des Monats, als CSU-Chef Markus Söder nach einer Parteivorstandssitzung R für Bayern mit 0,57 bezifferte. FDP-Landtagsfraktionschef Martin Hagen forderte unter anderem auf dieser Grundlage eine deutliche Lockerung der Ausgangsbeschränkungen. Doch die Zahl passte nicht so recht zu dem vom RKI genannten bundesweiten Wert von etwa 0,9.

Die Ursache: Söders R von 0,57 hat eine ganz andere Grundlage. Ein Sprecher des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) erläutert dazu auf Anfrage: Nach einem Ansatz des Helmholtz-Zentrums für Infektiologie (HIZ) in Braunschweig und der Ludwig-Maximilians-Universität München werde R infektionsepidemiologisch anhand typischer Krankheitsverläufe modelliert. 

Das RKI berechne R hingegen statistisch als geschätzten Trend auf Basis unter anderem eines sogenannten Nowcastings, das Diagnose-, Melde- und Übermittlungsverzug berücksichtigen soll. Grundlage dieses Verfahrens sei das in den Meldungen angegebene Erkrankungsdatum - das liegt etwa zwei Wochen früher. 

Beide Verfahren haben somit einen unterschiedlichen Schwerpunkt, wie der LGL-Sprecher deutlich macht: Im ersten Fall geht es um das Melde- und Übermittlungsgeschehen, im zweiten um das vermutliche Erkrankungsgeschehen

Die meisten, wenn nicht gar alle anderen Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Berlin veröffentlichen nach eigenen Angaben stets die nach RKI-Methode ermittelten Zahlen.

Fallzahlen Coronavirus: Meldewege vereinheitlicht

Für unsere Statistik nutzen wir die offiziellen Zahlen des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit, Soziales des Landes NRW*. Sie basieren auf den behördlichen Meldungen, die das Ministerium erreichen. Zurzeit werden die Daten an Werktagen zweimal, am Wochenende je einmal aktualisiert. 

Bis zum 20. April haben die Krisenstäbe der Kommunen in NRW ihre eigenen Zahlen direkt vom Gesundheitsamt erhalten, ausgewertet und veröffentlicht - zu unterschiedlichen Zeiten. Daher dauerte es, bis auch die Gesamtstatistik des Landes die neuesten Zahlen für eine Stadt oder einen Landkreis ausgewiesen hat. So ergab sich unter Umständen auch eine Differenz zwischen den Zahlen.

Seit dem 20. April wurden die Meldewege zur Veröffentlichung der Fallzahlen im Zuge der Corona-Pandemie vereinheitlicht, um einen zuverlässigen Vergleich der Kreise und Länder zu ermöglichen.

Die Zahlen finden Sie in unserem fortlaufenden News-Ticker* und denen, die die Newsblogs aus den NRW-Regionen hier auf wa.de* ausweisen. 

Coronavirus, Covid-19: Unterschiede in der Methodik

Eine weitere deutliche Differenz weisen die hier zugrundeliegenden Gesamtzahlen zu weiteren Seiten, etwa die derJohns Hopkins Universität*, auf. Das ist in der Methodik der Datenerhebung begründet. Während RKI und Gesundheitsministerium einzig auf die Daten zurückgreifen, die direkt von den Gesundheitsämtern der Landkreise und Städte gemeldet werden, nutzen die Wissenschaftler der Johns Hopkins auch weitere Quellen und ermitteln ihre Werte nach einem festgelegten mathematischen Verfahren. Die Methoden sind also unterschiedlich und damit auch die Ergebnisse - die Tendenz ist mithin bei beiden Verfahren vergleichbar

Viele Gesundheitsbehörden in NRW sind dazu übergegangen, auch die Zahl der genesenen Patienten zu veröffentlichen. Das NRW-Gesundheitsministerium weist diese Werte erst seit dem 7. April aus. In den Städten und Kreisen gelten in der Regel diejenigen als wieder gesund, die nach einem positiven Test auf das Sars-CoV-2-Virus auf Anordnung des Gesundheitsamtes zwei Wochen in Quarantäne verbracht oder nach einer auch längeren Behandlung die Isolation oder das Krankenhaus verlassen haben. Über die offiziellen Webseiten der jeweiligen Kommune können diese Zahlen nachvollzogen werden. 

Covid-19 und Coronavirus: Kritik an veröffentlichten Todesfallzahlen

Wachsende Kritik gibt es an den veröffentlichten Todesfallzahlen. Erfasst werden die Patienten, die nachweislich an Covid-19 erkrankt waren. Die Schwere möglicher Vorerkrankungen oder Risikofaktoren wie ein hohes Lebensalter berücksichtigen diese Daten nicht. Ob nun also die Infektion immer auch Todesursache war, sei zumindest fragwürdig, bemängeln Kritiker. Allerdings lässt diese Kritik auch einen umgekehrten Schluss zu. So glaubt der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Professor Dr. Lothar Wieler, dass die Sterberate eher unter- als überschätzt* werde. Er gehe davon aus, dass es sogar mehr Corona-Tote in Deutschland gebe als die offiziellen Zahlen widerspiegeln. Häufig werde das Virus postmortal nicht mehr festgestellt, sodass es eine hohe Dunkelziffer geben könnte. 

Eine Studie aus Italien le gt den gleichen Schluss nahe.So berichtet fr.de* von einem Vergleich der aktuellen Sterbefallzahlen aus dem Frühjahr 2020 mit dem Mittelwert der Jahre 2015 bis 2019 im selben Zeitraum. Zwischen dem 21. Februar und 21. März erfasste das Land 4.825 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 - die Gesamtzahl der Todesfälle lag um 8.740 Tote aber über dem Mittelwert der vergangenen Jahre. Die nationale Statistikbehörde Istat und das Istituto Cattaneo in Bologna gehen von einer Differenz von 4000 Toten über dem Schnitt aus, wenn man die bekannten Corona-Toten herausrechnet. 

Zahlen zu Coronavirus und Covid-19: Infektionszahlen einordnen

Das Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen führt einen Lagebericht* mit Geschlechterverteilung und Altersgruppen. Relevant für die Einordung von Infektionszahlen ist nicht allein die Zahl der positiven Tests. Sie müssen in Bezug gesetzt werden, etwa auf die Gesamtzahl der durchgeführten laborgestützten Diagnostik. Je mehr getestet wird, desto höher mag die Zahl der Infizierten sein - umso relevanter wird zum Vergleich die Zahl derer, die stationär oder sogar intensivmedizinisch behandelt werden müssen. Noch immer ist unklar, wie hoch die Dunkelziffer der Infektionen ist. Experten gehen davon aus, dass viele Infizierte keine oder nur sehr leichte Symptome zeigen, die möglicherweise anderen Erkrankungen zugeschrieben werden. 

Der Datenjournalist Jens Schröder hat auf seiner Website eine Reihe von Daten und Analysen zusammengetragen*, die helfen sollen, die Zahlen richtig einzuordnen. So greift er etwa auf das "DIVI Intensivregister" zurück, das die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, das RKI und die Deutsche Krankenhausgesellschaft pflegen. Das Intensivregister erfasst auch genau die Zahl der Patienten, die wegen Covid-19 auf Intensivstationen behandelt werden - Daten, die nach Schröders Ansicht viel besser geeignet sind, die Gesamtlage einzuschätzen, als es die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen könnte. 

*fr.de und *wa.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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