Elf Millionen Pflanzen

Hanf-Labyrinth am Lippesee: In wenigen Schritten zur Orientierungslosigkeit

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Andreas Wecker hat das Labyrinth entworfen.

Paderborn - Im Paderborner Stadtteil Sande wird am Samstag das einzige Hanf-Labyrinth in Nordrhein-Westfalen eröffnet. Wir haben uns den Irrgarten im Vorfeld genauer angeschaut und nachgefragt, warum die riesige Hanf-Plantage kein Fall für die Staatsanwaltschaft ist.

Bereits nach wenigen Schritten über den sandigen, etwa 1,80 Meter breiten Gehweg steigt ein süßlich-würziger Geruch in die Nase. Er entspringt den rund 2,50 Meter hohen Hanf-Pflanzen, die unweit des Lippesees auf einer Fläche von 25.000 Quadratmetern die Höhe ragen. Eine Weg-Gablung und zwei Kurven später ist der Orientierungsverlust perfekt. 

Für Andreas Wecker ist das ein Lob. Er hat den Hanf zum Blühen gebracht und die Irrwege in seinem Kopf entworfen. Diese schnitt er dann mit seinem Traktor und einer Gartenfräse in das Feld, das damals, Ende Mai, erst 50 Zentimeter hoch war. „Dabei hat mir eine Handy-App geholfen, die Sportler zum aufzeichnen ihrer Laufstrecke nutzen. Als ich das Labyrinth erstmals aus der Luft gesehen habe, war ich selbst überrascht, wie gut das geklappt hat“, berichtet er stolz.

Eindrucksvoll: 3,6 Kilometer lange Gehwege ziehen sich durch rund elf Millionen Hanf-Pflanzen.

Die insgesamt 3,6 Kilometer langen Gehwege ziehen sich durch rund elf Millionen Hanf-Pflanzen – und die wachsen an dieser Stelle völlig legal. „Für uns als landwirtschaftlicher Betrieb ist der Anbau bestimmter Nutzhanf-Sorten mit zertifiziertem Saatgut erlaubt“, erklärt Wecker, der eigentlich Maschinenbaumeister ist und den elterlichen Hof als Nebenerwerb weiterführt. Er hat seinen Nutzhanf unter anderem für die Fasergewinnung angebaut. 

Bilder aus dem Hanflabyrinth am Lippesee

Im Gegensatz zu jenem Hanf, der als Rauschmittel und medizinisch genutzt wird, enthält Nutzhanf nur einen sehr geringen Anteil von weniger als 0,2 Prozent des berauschenden Tetrahydrocannabinol (THC) und ist daher nicht zur Erzeugung von Haschisch und Marihuana geeignet. Dass der Irrgarten-Hanf den Anforderungen zum legalen Anbau entspricht, wurde vom Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung geprüft: „Der Kontrolleur bekam einen Plan des Labyrinths an die Hand und schnitt mehrere Proben aus verschiedenen Bereichen heraus“, erinnert sich Andreas Wecker. „Wäre der THC-Gehalt zu hoch gewesen, hätte ich die Fläche sofort abernten müssen.“

Warum der Irrgarten eine "magische Wirkung" habe

Doch obwohl der Hanf am Lippesee für Drogenkonsumenten wertlos ist, besitze er laut Andreas Weckers Frau Nicole eine „magische Wirkung“ auf die Besucher. Die kämen nämlich aus großer Ferne, um sich selbst einmal zwischen den Pflanzen zu verlaufen. „Das ist die Neugier auf das Unbekannte. Hanf zieht da natürlich mehr als ein Mais-Labyrinth“, räumt Andreas Wecker ein. Nach längerer Pause hatten die Weckers im vergangenen Jahr erstmals wieder ein Labyrinth in ihre Hanfplantage gefräst. 

Verloren gegangen sei noch nie jemand: „Aber vor allem Kinder haben ihren Spaß im Irrgarten, gehen morgens hinein und kommen manchmal erst am Mittag wieder heraus“, sagt Andreas Wecker. Für kleine Kinder gibt es neben einem Spielplatz auch ein separates Kinderlabyrinth. Denn: Kinder, die jünger als acht Jahre sind, sollten nach Ansicht der Weckers nicht allein durch das große Labyrinth irren. Wenn man bedenkt, wie leicht sich schon ein Erwachsener nach kurzer Zeit in den dschungelartigen Gängen verläuft, ein durchaus vernünftiger Gedanke.

Das Hanflabyrinth ist vom 7. Juli bis zum 26. August, jeweils Donnerstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt für Erwachsene (ab 16 Jahre) kostet drei Euro, Kinder ab drei Jahren zahlen zwei Euro. Weitere Informationen auf hanf-labyrinth.de

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