Zeugen sagen aus

Raser-Prozess: „Vollidiot“ aus Soest überholt riskant

+

Balve/Sundern/Arnsberg - Mit einem – nicht angeklagten – Vorfall, der lediglich einen Hinweis auf die Fahrweise des 57-jährigen Angeklagten geben soll, hat das Schwurgericht des Landgerichts Arnsberg am Donnerstag das Strafverfahren gegen einen 57-jährigen Soester und einen 42-Jährigen aus Hemer fortgesetzt.

In starken Worten schilderte ein Zeuge die Fahrweise eines roten Porsche, den der 57-Jährige gesteuert haben soll: „Ich dachte: ,Vollidiot’“, erinnerte sich der Zeuge, der mitsamt einer ganzen Kolonne von Fahrzeugen auf der Hönnetalstraße von dem Porsche mit Soester Kennzeichen „waghalsig“ überholt worden war. 

„Ich habe schon fast die Fetzen fliegen sehen.“ Als völlig unakzeptabel empfand der Zeuge ein Linksabbiegen des Porsche, weil der Fahrer dabei ein anderes Fahrzeug überholt habe. Rechtsanwalt Volker Cramer, Verteidiger des 57-Jährigen, verwies auf die Rechtslage, die ein solches Manöver erlaube: „Sie sind ein freier Bürger. Es steht Ihnen frei zu überholen, wenn Sie es für richtig halten“, belehrte er den Zeugen. 

Warum sollte man nur aus Gründen der Sicherheit irgendetwas unterlassen, was nicht verboten ist, lautete die erschreckende Botschaft hinter der Belehrung. Die Beobachtungen des Zeugen endeten mit einem Anhalten des Autos in Beckum: Der Fahrer sei sitzen geblieben, eine „Dame mit blonden Haaren“ sei dazugekommen. Diese Wahrnehmung passte zu dem vorangegangenen Bericht einer Polizeibeamtin, die mit dem 57-Jährigen, der vor Gericht konsequent schweigt, in jener Zeit liiert war: Sie lieferte Einblicke in dessen Leben und rasante Fahrweise und berichtete von einem Fahr-Training des 57-Jährigen mit Rennfahrer Walter Röhrl. 

Lesen Sie auch:

Männer aus Hemer und Soest auf der Anklagebank

Raserprozess: Ortstermin an der Unfallstelle

Tödlicher Unfall im Sauerland: Raser droht lange Strafe

Die kurvige Strecke zwischen Herdringen und Hövel sei seine Lieblingsstrecke gewesen. An dem Tag des tödlichen Zusammenstoßes des Audi Q5 mit dem Golf sei der 57-Jährige auf dem Weg zu ihr gewesen, erinnerte sich die Zeugin. Nervös habe ihr damaliger Freund nach seiner Ankunft in Beckum die Rettungshubschrauber im Blick gehabt. 

Ein Polizeibeamter berichtete davon, wie es überhaupt zu Ermittlungen gegen den 57-Jährigen gekommen war: Er führte am Tag der Kollision eine Geschwindigkeitskontrolle am Ortseingang von Beckum durch. Dabei wurde der Soester mit einer Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern geblitzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare