1. wa.de
  2. NRW

Tote Männer in Hamm: Einer von ihnen wurde offenbar erstochen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Markus Hanneken

Kommentare

Kriminalexperten trafen am Freitagvormittag am Haus ein, dem zwei Leichen gefunden worden waren.
Kriminalexperten trafen am Freitagvormittag am Haus ein, dem zwei Leichen gefunden worden waren. Links ist die geöffnete Wohnungstür zu sehen. © privat

[Update 14.50 Uhr] In das Haus in Hamm, aus dem am Mittwoch zwei Leichen geborgen wurden, kam am Freitag wieder Bewegung. Ermittler in Schutzkleidung suchten vor Ort nach weiteren Spuren. Ein Verbrechen erscheint inzwischen höchst wahrscheinlich.

Hamm - Nach dem Fund zweier männlicher Leichen in einem Hinterhof-Gebäude im Hammer Osten laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Die Obduktionen hätten die Verbrechens-Theorie erhärtet, sagte die ermittelnde Staatsanwältin Milena Klement nach der Auswertung auf Nachfrage unserer Redaktion.

Demnach wurde der 52-jährige Bewohner aus Hamm Opfer eines Tötungsdelikts. Er wurde vermutlich erstochen: Klement sprach von „Gewalteinwirkung mit einem Messer“. Bei dem 40-Jährigen aus Bad Sassendorf, der daneben gefunden wurde, gehen die Ermittler dagegen weiter von einem Suizid aus. Einem Bericht der Bild-Zeitung zufolge hatte er sich „in die Badewanne gelegt und in dem verschlossenen Raum Gasgrills entzündet, um sich das Leben zu nehmen“. Tatsächlich steht neben der Eingangstür ein solcher Gasgrill.

Vor der Eingangstür steht dieser Gasgrill.
Vor der Eingangstür steht dieser Gasgrill. Möglicherweise spielt er in dem Fall eine wichtige Rolle. © Andreas Rother

Leichen in Hamm gefunden: Verbindungen in die Drogenszene

Zu Motivlage gebe es bislang nur wenige bis keine Anhaltspunkte, ergänzte die Staatsanwältin. Hinweise auf weitere involvierte Personen gebe es nicht, doch ganz auszuschließen sei das nicht. Miteinander verwandt sollen die Männer nicht sein. Auch Hinweise, dass die beiden Männer unterschiedlich lange in der Wohnung gelegen hatten, seien noch abschließend zu untersuchen - „wahrscheinlich“ treffe das aber nicht zu. Mögliche Verbindungen in die Hammer Drogenszene werden zudem offenbar mit Nachdruck geprüft.

Kriminaltechniker öffneten am Freitagmorgen die zwischenzeitlich versiegelte Tür zu der winzigen Wohnung, ein Fahrzeug der KTU (das steht für „Kriminaltechnische Untersuchungsstelle“) fuhr vor. Ein Unternehmen stellte einen Müllcontainer bereit. Allem Anschein nach wurden die engen und offenbar vermüllten Räumlichkeiten mehrere Stunden lang auf weitere Spuren und hilfreiche Hinweise untersucht, ehe das Polizeisiegel wieder angebracht wurde. Die Ermittlungen hatte am Donnerstag eine Dortmunder Mordkommission übernommen.

Bis Freitagmorgen war die Tür zum „Leichen-Haus“ versiegelt.
Bis Freitagmorgen war die Tür zum „Leichen-Haus“ versiegelt. © Andreas Rother

Leichen in Hamm gefunden: Fahrradfahrer mit einem Bein

Vielen Hammern war Volker K. - der ältere der beiden Männer - als einbeiniger Fahrradfahrer bekannt, der dabei einen Krückstock zur Hilfe nahm. Er war von seinen Bekannten vor dem schlimmen Fund am Mittwoch tagelang vermisst worden. Erst Ende Juni hatte der Nachbar Udo Georg einen zweiten Mann vor der Tür des einst als „Schneiderstube“ bekannten Gebäudes beobachtet - ob es sich um den 40-Jährigen handelte, ist unklar.

Der 63-jährige Georg wohnt schon seit vielen Jahren in Sichtweite des betroffenen Hauses. Seinen Worten zufolge wurde die Polizei häufig gerufen, weil sich im von Werkabeitern genutzten Haupthaus an der Straße - Nachbarn sprechen vom „Polenhaus“ - lautstarke „Exzesse“ abspielen. Georg: „Da ist immer was los.“ Ob es auch einen direkten Bezug zum Hinterhaus gab, ist offen.

Große Aufregung im Hinterhof am Mittwochabend.
Große Aufregung im Hinterhof am Mittwochabend. Die Polizei war zwischen 19 und 20 Uhr gerufen worden. © privat

Hinweis der Redaktion

Wir berichten in der Regel nicht über Suizide, weil leider durch die Berichterstattung die Nachahmerquote erhöht wird. Wir machen eine Ausnahme, wenn eine besondere Aufmerksamkeit geweckt ist.

Wenn Sie sich selbst in einer Krisensituation befinden, suchen Sie sich bitte Hilfe, z.B. bei der Telefonseelsorge (Tel. 0800-1110111).

Auch interessant

Kommentare