Hohe Infektionszahlen

Corona-Hotspot Schule: Kommen in NRW neue Regeln zu Quarantäne und Maskenpflicht?

Im Corona-Hotspot NRW tobt das Virus vor allem unter Kindern. Kommen für Schulen neue Quarantäne-Regeln? Auch eine Entscheidung zur Maskenpflicht steht an.

Hamm - Immer mehr Kinder infizieren sich mit dem Coronavirus. In den kommenden Wochen droht Chaos an Schulen und Kitas. Die Forderung nach neuen Regeln werden lauter. Ändern sich die Regeln zu Maskenpflicht und Quarantäne? Im deutschen Corona-Hotspot Nordrhein-Westfalen gibt es eine Sondersitzung des Parlaments - mit Kanzlerkandidat Armin Laschet*. (News zum Coronavirus)

BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)
Fläche34.098 km²
Bevölkerung: 17,93 Millionen

Corona-Krise an Schulen in NRW: Ruf nach neuen Quarantäne-Regeln

Die Zahlen, die das Land NRW am Wochenanfang veröffentlichte, sind alarmierend. Nach Angaben des Schulministeriums befanden sich im bevölkerungsreichsten Bundesland mit Stichtag 26. August mehr als 30.000 Schüler und Schülerinnen in Quarantäne.

Fragen nach dem richtigen Umgang mit Kindern an Schulen wird nicht nur wegen dieser großen Zahl immer lauter. Soll die ungeschützte, weil ungeimpfte Altersgruppe unter 12 Jahre weiter im Präsenzunterricht lernen und so eine „Durchseuchung der Kinder“ riskiert werden, wie ein Immunologe kritisiert? Oder sollen Schulkinder zurück ins Homeschooling wie in den für Familien stressigen Monaten des Lockdowns bis weit ins Frühjahr hinein? Oder gibt es einen dritten Weg?

Die SPD in NRW will Antworten auf diese und andere Fragen und hat eine Sondersitzung des Landtags am Donnerstag (2. September) beantragt. Sie befürchtet angesichts steigender Corona-Infektionszahlen bei Kindern einen „Kontrollverlust“. Man wolle mit Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) „darüber diskutieren, was er gedenkt zu tun, um Kinder in unserem Land zu schützen“, sagte SPD-Landeschef Thomas Kutschaty. „Es herrscht Chaos“, sagt Fraktionsvize Jochen Ott (SPD).

Corona-Krise an Schulen in NRW: Sondersitzung des Landtags mit Armin Laschet

Hinter der Sondersitzung steckt Einiges an politischem Kalkül, um den nicht erst seit dem ersten TV-Triell schwer angeschlagenen Kanzlerkandidaten der Union zu attackieren. Doch die Zahlen sind nicht wegzudiskutieren: In NRW liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei Fünf- bis 14-Jährigen zwischen 200 und 500. In kaum einer anderen Altersgruppe tobt das Coronavirus aktuell so sehr wie unter Kindern.

Kutschaty stellte einen Sieben-Punkte-Plan vor, der unter anderem den stärkeren Einsatz von Luftfiltern und eine Neuregelung der Quarantäne an Schulen enthält. Bei einem Corona-Fall soll demnach die gesamte Klasse fünf Tage in Quarantäne und dann die Möglichkeit haben, mit einem negativen Test zurückzukehren. Für die Zeit der Quarantäne wünscht sich die SPD zudem bessere digitale Angebote für Schüler und Schülerinnen.

Auch eine deutliche Ausweitung der Testpflicht an Schulen fordert die SPD: montags, mittwochs und freitags - mit Aufklebern zum systematischen Nachweis.

Corona an Schulen: Entscheidung über Maskenpflicht?

Auch der NRW-Lehrerverband forderte ein Umdenken bei den Regeln zur Quarantäne. „Es ist doch ein Widerspruch, wenn der Mallorca-Urlauber sich nach fünf Tagen freitesten lassen kann, die Schüler aber volle 14 Tage zu Hause sitzen“, sagte Verbandspräsident Andreas Bartsch der Rheinischen Post. Auch Schüler sollten nach vier bis fünf Tagen die Quarantäne mit einem negativen PCR-Test beenden können. Die Stadt Köln will einen Corona-Modellversuch starten. Diese Quarantäne-Regeln sollen gelten.

Eltern von Kita-Kindern forderten fast gleichzeitig und gleichlautend eine Änderung der Quarantäne-Regeln in Kindergärten. „14 Tage Quarantäne für alle Kontaktpersonen sind nicht verhältnismäßig“, kritisierte der Landeselternbeirat (LEB) der Kindertageseinrichtungen in NRW.

Das Thema Corona wird an Schulen drängender. Immer mehr Kinder infizieren sich.

Auch die Diskussion um die Maskenpflicht an Schulen ebbt nicht ab. Seit dem Start ins neue Schuljahr gilt die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske im Schulgebäude und auch während des Unterrichts. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte angekündigt, die Notwendigkeit dieser Maßnahme im Lichte des Infektionsgeschehens in den ersten Tagen des Schulbetriebs ständig zu überprüfen. Nach zwei Wochen solle eine Entscheidung über die weitere Maskenpflicht fallen. Diese zwei Wochen sind am 1. September um.

Geht es nach der Bildungsgewerkschaft GEW, so soll diese auch weiterhin gelten. „Die Beibehaltung der Maskenpflicht ist das Gebot der Stunde“, sagte die GEW-Landesvorsitzende Ayla Çelik. Der Blick auf die Zahl der infizierten Kinder in Nordrhein-Westfalen lässt kaum eine andere Interpretation zu. (mit Material von dpa) *wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare