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Lockere Quarantäne-Regel wegen Omikron: Experte aus NRW regt Änderung an

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Von: Erik Hlacer

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Freitesten in der Corona-Quarantäne: Ein Virologe aus NRW empfiehlt vor allem wegen der Omikron-Variante eine drastische Änderung bei der Regel. 

Hamm - Zunächst klingt es wie ein Widerspruch. Die Omikron-Variante entwickelt sich rasant. Experten zufolge soll sie auch in Deutschland bald das Corona-Infektionsgeschehen dominieren. Und zugleich werden die Stimmen in der deutschen Politik lauter, dass sich die Menschen früher aus der Quarantäne freitesten sollten. Wie passt das zusammen? Und was spricht für eine Regel-Änderung, für die inzwischen auch schon ein Virologe aus Nordrhein-Westfalen plädiert?

LandDeutschland
HauptstadtBerlin
Einwohner83.129.285

Neue Quarantäne-Regel wegen Omikron: Experte aus NRW regt drastische Änderung an

Der Virologe Sebastian Voigt von der Uniklinik Essen hält es für sinnvoll, die Quarantäne bei der Omikron-Variante mit Hilfe von Freitestungen zu verkürzen - nach britischem und amerikanischem Vorbild. In Deutschland und NRW müsse zeitnah eine Regel-Änderung erwogen werden, „um die Aufrechterhaltung der kritischen Infrastruktur sicherzustellen“, so Voigt. Er spielt damit darauf an, dass Omikron das öffentliche Leben außer Gefecht setzen könnte, wenn sich zu viele Menschen in Quarantäne begeben müssten.

Denn in Deutschland gilt bei einer Infektion mit der Omikron-Variante aktuell eine 14-tägige Quarantäne, ein Freitesten ist nicht möglich. Auch Kontaktpersonen von Corona-Infizierten müssen sich in häusliche Isolation begeben. Deutsche Politiker der Opposition hatten daher auf Bundesebene derartige Regel-Änderungen gefordert. „Wir können nicht das ganze Land in Quarantäne schicken“, sagte zuletzt etwa Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU).

Früheres Freitesten aus Quarantäne wegen Omikron: Deutsche Politiker wollen Corona-Kurswechsel

Christine Aschenberg-Dugnus (FDP) sprach sich ebenfalls dafür aus, zumindest dreifach Geimpften zu ermöglichen, sich schon früher aus der Corona-Quarantäne freizutesten, um die deutsche Infrastruktur nicht zu gefährden. Alle diese Forderungen und Vorschläge stützen sich auf die Prognosen von Experten wie Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), der eine zeitnahe Ausbreitung von Omikron in Deutschland und NRW vorausgesagt hat.

Für Sebastian Voigt von der Uniklinik Essen gehen derartige Überlegungen in die richtige Richtung. Aktuell sei es für den NRW-Gesundheitsexperten und Virologen aber noch zu früh, um alle Eigenschaften der Omikron-Variante umfassend beurteilen zu können. „In zwei bis drei Wochen werden wir mehr sagen können. Bis dahin ist es aber sinnvoll, Vorsicht walten zu lassen und Kontakte zu vermeiden“, wird Voigt von der WAZ zitiert. Ohnehin gelten in NRW seit Kurzem striktere Kontaktbeschränkungen sowie mehr 2G-Plus.

Jahreswechsel.
Neue Quarantäne-Regel wegen Omikron bahnt sich an - NRW-Experte sieht USA als Vorbild. © David Inderlied/dpa

Quarantäne-Regel wegen Omikron: USA und Großbritannien machen es vor

Deutschland wäre nicht das erste Land, das seine Quarantäne-Regeln entscheidend lockert. Tatsächlich sind die USA und Großbritannien genau den Weg bereits gegangen. In beiden Ländern ist die Omikron-Variante des Coronavirus weit verbreitet. Und in beiden Ländern können sich Infizierte bereits früher aus der Quarantäne freitesten. In den USA kann sich das Klinikpersonal, in Großbritannien gar jeder Corona-Infizierte jetzt nach sieben Tagen aus der Quarantäne freitesten. Bis dato war dies nur nach zehn Tagen möglich. Geimpfte Kontaktpersonen von Omikron-Infizierten müssen sich in Großbritannien sogar gar nicht mehr isolieren.

Der Grund, dass beide Länder ihre Quarantäne-Regeln trotz oder besser gesagt wegen der hochansteckenden Corona-Mutante Omikron gelockert haben, wird bei einem Blick ins öffentliche Leben deutlich. Dort hatte Omikron schon vor Weihnachten merkliche Spuren hinterlassen. Zahlreiche Firmen krochen auf dem Zahnfleisch, weil zu viele ihrer Mitarbeiter sich in Quarantäne begeben mussten. Gaststätten waren aufgrund von Personalmangel dazu gezwungen, zu schließen. Anderswo mussten Kunden ihre Flüge stornieren, weil die Besatzungen und Mitarbeiter von Airlines ausfielen. Diese Szenarien will man in Deutschland verhindern. Doch noch ist eine Regel-Änderung nicht beschlossen. *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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