DHL liefert keine Pakete mehr an Problem-Hochhaus – Politiker fordert: „Abreißen“

Aus Sicherheitsgründen liefert DHL keine Pakete mehr an ein Duisburger Hochhaus. Die Zustände vor Ort sind nicht hinnehmbar, sagt ein SPD-Politiker.
Duisburg – Der „Weiße Riese“ macht Schlagzeilen: Seit über einem Monat weigert sich DHL, Pakete an das Duisburger Problem-Hochhaus zu liefern. Unternehmenssprecherin Britta Töllner berichtete gegenüber wa.de von „bedrohlichen Zustellsituationen“, in die Kollegen dort immer wieder geraten seien. Doch wie schlimm sind die Zustände dort wirklich? Und wie sollte die Stadt damit umgehen? Für Mahmut Özdemir (SPD), parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium, ist die Antwort klar.
Nach DHL-Lieferstopp: Politiker forder Abriss von Duisburger Problem-Hochhaus
Die Probleme mit dem „Weißen Riesen“ kenne man schon seit zehn Jahren, sagt Özdemir dem Nachrichtensender Welt. Wenn es nach ihm gehe, müssen man endlich rigoros durchgreifen. Der SPD-Politiker erlangte sein Mandat als direkter Abgeordneter in Duisburg, ist selber in der Gegend rund um das Problem-Hochhaus an der Ottostraße in NRW groß geworden. Aus seiner Sicht bleibt angesichts der Situation vor Ort nur eine richtige Option: Die Stadt muss das Gebäude abreißen.
Als Hauptschuldige für die Zustände im „Weißen Riesen“ hat der SPD-Politiker demnach die Eigentümer und Vermieter ausgemacht. Einige Besitzer der insgesamt 320 Wohnungen in dem Hochhaus gehen mit ihren Pflichten nicht verantwortungsvoll um, ist Özdemir überzeugt: Ihnen, die „Schindluder mit diesen Häusern treiben“, müsse man die Häuser „eben aus der Hand nehmen“ und stattdessen „gesunde Wohnstrukturen“ schaffen. Auch in Gelsenkirchen stehen Schrotthäuser einem solchen Ziel häufig im Weg.
Zwei Problem-Hochhäuser an der Ottostraße wurden bereits abgerissen
Die SPD habe in Bund und Kommune extra dafür gesorgt, dass das Gebiet rund um das Problem-Hochhaus als Sanierungsgebiet ausgewiesen sei und ein Vorkaufsrecht für die Häuser bestehe. „Und wir haben auch schon zwei Häuser abgerissen und niedergerungen“, so Özdemir. Bereits 2019 und 2021 sei es der Stadtverwaltung mithilfe von Fördermitteln aus dem Bund gelungen, Problem-Hochhäuser an der Ottostraße zu entfernen. Gleiches müsse nun auch mit den Hausnummern 58 bis 64 passieren.
Für die drastische Entscheidung, keine Pakete mehr an den „Weißen Riesen“ zu liefern, zeigt der SPD-Politiker Verständnis: „Es geht hier um Wohl und Wehe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Da darf man nicht einfach darüber hinwegsehen.“ Gleichzeitig nimmt er die Behörden in die Pflicht: „Das, was wir hier in Duisburg brauchen - und insbesondere im Hochhausgebiet - ist, dass lückenlos die Polizei allen Kriminellen das Handwerk legt und dass sie den Kriminellen auf den Füßen steht.“
Kein Angstraum: Polizei sieht „Zustand der Unordnung“ im „Weißen Riesen“
Die Polizei spricht indes nicht von einem Sicherheitsproblem mit dem „Weißen Riesen“, wie Behördensprecherin Julia Tekock kürzlich zu wa.de sagte. Es handele sich eher um einen „Zustand der Unordnung“ als um einen Angstraum. Drei Strafanzeigen mit entsprechenden Bezügen seien im vergangenen halben Jahr erstattet worden. Zweimal seien Sendungen entwendet worden, der dritte Vorwurf stellte sich als unwahr heraus. Aktenkundige Bedrohungen und Körperverletzungen: Fehlanzeige.
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Auch die Schilderungen der Stadt spiegeln einen Zustand der Unordnung wider. Wegen wilder Müllkippen rückte das Ordnungsamt in diesem Jahr bisher allein 19 Mal zu den Mietshäusern an der Ottostraße 58 bis 64 aus, wie Stadtsprecher Christoph Witte vor wenigen Tagen zu wa.de sagte. Viermal wurde eine Ruhestörung gemeldet. 83 Mal waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit Jahresbeginn für eigenständige Kontrollen ohne konkreten Anlass vor Ort.