Ungewöhnliche Auktion

Gemeinde versteigert Porsche - der Sportwagen hat eine düstere Geschichte

Ein Beamter der Spurensicherung untersucht den Porsche eines mutmaßlichen Kindesentführers.
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Vor der Zwangsversteigerung seines Hauses in Bettinghausen hatte der Verurteilte seine Habe der Gemeinde Bad Sassendorf überlassen - inklusive des Porsche 911 Carrera.

Eine Kommune als Anbieter eines Porsche 911 Carrera, das kommt nicht alle Tage vor. Die Hintergründe einer Auktion der Gemeinde Bad Sassendorf sind allerdings auch mehr als ungewöhnlich.

Bad Sassendorf - Der Porsche, den die Gemeinde Bad Sassendorf in NRW auf einem Online-Auktionsportal anbietet, gehörte dem „Kinderfänger“, einem Mann aus Hamm, der im Oktober 2016 im hessischen Niederweimar versucht hatte, ein damals neun Jahre altes Mädchen zu entführen.

Kindesentführer aus Hamm parkte Porsche in der Garage am Zweitwohnsitz Bettinghausen

Durch einen Fingerabdruck auf einem Klebestreifen, mit dem er das Mädchen gefesselt hatte, wurde der heute 34-Jährige nach einem anderen Vorfall, der sich am Hammer Freizeitbad „Maximare“ ereignet hatte, ermittelt. 2018 wurde der Täter dann angeklagt vom Landgericht Marburg zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Seinen zweiten Wohnsitz hatte der Täter mit Hauptwohnsitz Hamm in Bettinghausen, und dort hatte er den Porsche in der Garage stehen. 

Damit buchstäblich Gras über die Sache wachsen kann, hatte die Gemeinde das heruntergekommene Fachwerkhaus des Mannes nach dem Prozess im Rahmen einer Zwangsversteigerung erworben und abreißen lassen. Vor der Zwangsversteigerung hatte der Verurteilte der Gemeinde seine sonstige Habe aus dem Haus mitsamt dem Porsche überlassen. Jetzt kommt der Sportwagen – Baujahr 2000, 300 PS und 219 867 Kilometer Laufleistung – also unter den Hammer. 

Gemeinde lässt Porsche des „Kinderfängers“ versteigern - Sportwagen außer Betrieb gesetzt

Zudem wird auf der Auktionsplattform mitgeteilt, dass der Wagen wohl seit 2016 nicht betrieben und außer Betrieb gesetzt wurde. Der Motor des Porsche lasse sich problemlos starten. Inspektion und Wartung seien nicht erfolgt, über die Funktionsfähigkeit könnten daher keine weitergehenden Aussagen getroffen werden. Das Fahrzeug sei grundsätzlich fahrbereit, für den öffentlichen Straßenverkehr derzeit jedoch nicht zugelassen

Der Porsche wird im Internet zur Versteigerung angeboten. (Screenshot)

Größere Beschädigungen seien augenscheinlich nicht festgestellt werden, wohl aber leichte Kratzer. Vor Beginn der Versteigerung konnte der Porsche besichtigt werden, das Startgebot lag bei 15.000 Euro, das inzwischen 26 Mal überboten wurde. Am Dienstag lag das Höchstgebot bei 18.800 Euro. Wer mitbieten will, hat noch ein bisschen Zeit, am Dienstag, 13. Oktober, Punkt 9 Uhr, wird die Auktion geschlossen. Wer zu diesem Zeitpunkt das höchste Gebot gemacht hat, darf den dunklen Porsche übernehmen.

Interesse scheint das Angebot jedenfalls zu finden, die Porsche-Auktion wurde laut Internetseite etwa 12.500 Mal angesehen. Im allgemeinen Gemeindehaushalt soll der Erlös der Aktion übrigens nicht verschwinden. Alles was über den Einstandspreis von 15.000 Euro hinaus geht, will die Gemeinde zugunsten von Kindern und Jugendlichen einsetzen, erläutert Bürgermeister Malte Dahlhoff. 

Profitieren sollen demnach Einrichtungen, die sich für die Prävention oder die Opfer von Kindesmissbrauch einsetzen, so Dahlhoff weiter. Für die Gemeinde findet die Aufarbeitung des Falls einer versuchten Kindesentführung mit der Versteigerung ein Ende, das immerhin mit einigen positiven Auswirkungen verbunden ist.

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