Victor Ocansey aus Hamm mit Söhnen gedemütigt

Polizist Opfer von Rassismus - So stark reagieren die Betroffenen

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Victor Ocansey mit seinen Söhnen Vincent (links) und Leroy in Münster, nachdem sie von einem Türsteher abgewiesen waren. Die drei waren eigentlich aus Hamm gekommen, um in einem Club zu chillen.

Ein trauriger Fall von Alltagsrassismus mit Bezug zu Hamm hat vor wenigen Tagen bundesweit Schlagzeilen gemacht. Auch und vor allem weil das Opfer, ein Polizist aus Hamm, diesen öffentlich machte. Jetzt glätten sich die Wogen, und die Aufregung lässt nach. Was ist geschehen?

Hamm/Münster - Es geht um Victor Ocansey und seine volljährigen Söhne Vincent und Leroy aus Hamm. Ocansey, Erster Polizeihauptkommissar und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit einer Landesoberbehörde der Polizei Nordrhein-Westfalen, wollte am Sonntag, 19. Juli, mit einem gültigen Ticket eine Strandparty in Münster besuchen, wurde aber - sehr wahrscheinlich wegen der dunklen Hautfarbe - vom Türsteher brüsk abgewiesen und weggeschickt. Diesen Vorfall, von Ocansey emotional und ausführlich am selben Abend noch über Facebook öffentlich gemacht, löste erst eine Welle der Empörung und inzwischen auch starke Reaktionen der Verantwortlichen aus. Wir haben die Chronologie der Ereignisse zusammengefasst:

Montag, 20. Juli, 0.13 Uhr:

Thomas Pieper, Geschäftsführer der Dockland GmbH, zu der das "Coconut Beach" gehört, hat die Welle in Berlin hart erwischt. Er macht zwar deutlich, dass die "RnBeach Party" eine "Fremdveranstaltung" ist, entschuldigt sich dennoch ausführlich bei Ocansey und seinen Söhnen und will sich mit dem eigentlichen Veranstalter "Vibetown" auseinandersetzen.

In einem Update wird Pieper dann konkret: "Die agierende Sicherheitskraft wurde identifiziert und wir haben uns von ihr getrennt. Die Person wird nie wieder bei uns an der Tür stehen. Zudem werden wir in Zukunft vor jedem Event noch intensiver briefen, dass niemand aufgrund seiner Hautfarbe abgelehnt werden darf. Für ein weiteres Gespräch kehrt der Chef der beauftragten Sicherheitsfirma nun frühzeitig aus seinem Familienurlaub in der Türkei zurück."

Montag, 20. Juli, 13.23 Uhr:

Vibetown Münster, Veranstalter der Party im Hafenviertel, entschuldigt sich öffentlich "für alle Unannehmlichkeiten". Aufgrund des "kurzen Dialoges" habe man die Situation nicht richtig eingeschätzt. Und weiter: "Gleichzeitig distanziert sich Vibetown aber ganz klar von allen Rassismus-Vorwürfen." Man habe die Zusammenarbeit mit dem verantwortlichen Sicherheitsdienst-Mitarbeiter sofort gekündigt.

Montag, 20. Juli, 22.01 Uhr:

Victor Ocansey zollt Dockland-Chef Thomas Pieper Respekt für seine Entschuldigung und generell für die schnelle und klare Reaktion. Ihm sei "klar, dass der Job eines/einer Türstehers/Türsteherin kein leichter ist". Gleichwohl müssten die kommenden Veranstaltungen nun zeigen, ob sich "am Umgang mit den Gästen erkennbar etwas ändert, und das sollte insbesondere in einer so schönen und bunten Stadt wie Münster problemlos möglich sein".

Dienstag, 21. Juli, 16.58 Uhr: 

Thomas Pieper, Geschäftsführer der Dockland GmbH, spricht explizit "Freunde, Kritiker und Hater" an. Er freut sich über das jüngste Statement von Victor Ocansey und ein "sehr konstruktives Gespräch, welches ich im Nachgang mit ihm führen konnte". Die große Herausforderung stünde für die Dockland GmbH jetzt darin, Konzepte mit dem zuständigen Sicherheitsunternehmen zu entwickeln, die solche Vorkommnisse wie am Sonntag zukünftig ausschließen.

Mittwoch, 22. Juli, 14.44 Uhr:

Philipp Mühlen, Inhaber von Vibetown, hat sich bei einem Besuch in Hamm bei den Ocanseys persönlich entschuldigt und berichtet auf Facebook darüber - unter anderem mit diesen Worten:

"Es ist an diesem Nachmittag bedauerlicherweise alles schiefgegangen, was schiefgehen konnte. Die Situation am Einlass hätte ganz anders bewertet und vor allem kommuniziert werden müssen und ich bereue natürlich, dass ich beim Hinzukommen nicht wirklich aufmerksam zugehört und eingegriffen habe. Herr Ocansey und seine Söhne haben kein Kriterium erfüllt, was einen Nicht-Einlass gerechtfertigt hätte. ...

Im Übrigen ist das durch den Türsteher willkürlich verhängte Hausverbot selbstverständlich aufgehoben. Auch dieses und dessen ungerechtfertigter Platzverweis waren nicht zu entschuldigende Fehler. ...

Abschließend möchte ich sagen, dass die Familie Ocansey selbstverständlich immer ein gern gesehener Gast auf unseren Veranstaltungen ist. ..."

Mittwoch, 22. Juli, 15.58 Uhr:

Victor Ocansey postet eine versöhnliche und ausgleichende Reaktion auf die Ereignisse. So fasst er den Inhalt selbst zusammen:

- Uhren stehen auf Verständigung und Zukunft

- Nachbereitung und Dialog mit Veranstalter sowie Betreiber

- Ungerechtfertigte/r Abweisung sowie Platzverweis, willkürliches Hausverbot und die Kommunikation waren Fehler

- Persönliche Entschuldigungen angenommen

- Vollständige Kostenerstattung für Tickets und Fahrtkosten

- Chancen für ein Besserwerden in der Zukunft

- Das Wichtigste: Dankeschön für die breite Anteilnahme und Unterstützung

Konkret schließt Ocansey mit diesen Worten: "Ich danke -auch im Namen meiner Söhne- den vielen wunderbaren Menschen für die breite Anteilnahme und überaus konstruktive Unterstützung – dieses besondere Engagement war (nicht nur für uns) ein deutliches Signal, SEHR kraftspendend und Balsam für die Seele."

Mittwoch, 22. Juli, 17.51 Uhr:

Die Dockland GmbH veröffentlicht einen Maßnahmenkatalog zur Rassismusbekämpfung - ergänzend zu den bereits gezogenen Konsequenzen. Zwei der vier Punkte:

1. Damit in Zukunft kein Betroffener mehr ungehört bleibt, richten wir ab sofort die Meldestelle no2racism@dockland.de ein. Hier kann sich jeder melden, der trotz klarer Türregeln ungerecht behandelt wurde. Zu diesem Zweck wird auch alsbald ein großes Schild mit der Mailadresse der Meldestelle und unseren Einlasskriterien gut sichtbar am Eingang platziert.

2. Jede Securitykraft wird eine große, gut lesbare dreistellige Kennziffer tragen, die bei Beschwerden direkt angegeben werden kann und die Kontrolle über regelwidriges Handeln erhöht und die Nachverfolgung gewährleistet.

"Falls euch also noch eine zündende Idee für eine wirkungsvolle Antirassismusmaßnahme einfällt, teilt sie uns gerne mit!", heißt es abschließend.

Mittwoch, 22. Juli, 21.11 Uhr:

Victor Ocansey postet den oben genannten Maßnahmenkatalog auf seiner eigenen Facebookseite und erkennt damit nochmals die Bemühungen und Reaktionen an, die sein persönlicher Protestbeitrag innerhalb von nur drei Tagen ausgelöst hat.

In Großbuchstaben prangt darüber - durchaus stellvertretend für die Gesamtproblematik: DOCKLAND AGAINST RACISM!

Über den Vorfall in Münster berichtete auch Ruhr24.

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