Familie in Münster von Türsteher gedemütigt

Polizist erlebt Rassismus hautnah - sein Bericht schlägt hohe Wellen

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Victor Ocansey mit seinen Söhnen Vincent (links) und Leroy in Münster. Die drei waren aus Hamm gekommen, um in einem Club zu chillen. Es blieb eine herbe Enttäuschung.

Mit einem persönlichen und emotionalen Beitrag zum Thema Alltagsrassismus sorgt ein Polizist aus Hamm im Netz für Empörung. Es geht darin um einen Vorfall, den er gemeinsam mit seinen Söhnen in Münster erleben musste.

  • Ein Polizeibeamter aus Hamm ist mit seinen Söhnen Opfer von Rassismus geworden.
  • Sein Bericht über die Vorkommnisse vor eine Disco in Münster schlägt hohe Wellen.
  • Der Türsteher stoppte die drei Männer offenbar nur, weil sie dunkelhäutig sind.

Hamm/Münster - Vorweg: Victor Ocansey ist Erster Polizeihauptkommissar und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit einer Landesoberbehörde der Polizei Nordrhein-Westfalen. Er ist in Hamm aufgewachsen, lebt und ist mit seiner Familie dort verwurzelt und ist - das ist wichtig fürs Verständnis - dunkelhäutig. In seinem Post geht es um einen Vorfall in Münster.

Ocansey beschreibt in dem auf seiner Facebookseite frei zugänglichen Beitrag ausführlich, wie er mit seinen 19- und 21-jährigen Söhnen am frühen Sonntagnachmittag von Hamm nach Münster fuhr, natürlich privat. Die drei hatten online Tickets für ein Beachclub-Event im Münsteraner Hafenviertel gekauft.

"Quality time" zu afrikanischen und karibischen Klängen versprach sich das Männer-Trio von seinem Aufenthalt im Coconut Beach. Was vor Ort tatsächlich geschah, leitet Ocansey so ein: "Die Uhren standen heute zunächst auf Sonne, Musik und Strandgefühl in Münster, aber am Nachmittag auf Demütigung und Ablehnung. Mir fällt es schwer, diese Geschichte zu teilen, zumal sie sehr persönlich ist, aber ich erachte dies im Lichte der Situation, meiner Person und Integrität als durchaus notwendig."

In den Club hinein kamen die drei nämlich nicht. Ausführlich berichtet der Polizist, wie seine Söhne und er vom Türsteher abgefangen und wieder weggeschickt wurden. „Nein, Ihr heute nicht", habe er ihnen zu verstehen gegeben. Und weiter: "Habt Ihr Tickets? Wenn ja, hole ich den Veranstaltungsleiter dazu und Ihr erhaltet Euer Geld zurück! Am besten geht Ihr woanders hin!“ 

Das Gespräch, das er zunächst als schlechten Scherz gedeutet habe, sei von einer Kassiererin mitgehört worden, die aber geschwiegen habe. Ocansey: "Ich war fast sprachlos und sagte mir fortwährend in Gedanken: 'Bleibe ruhig und atme!', was ich natürlich auch tat."

Polizist erlebt Alltagsrassismus: "Ihr habt Hausverbot"

Der schließlich hinzugezogene Veranstaltungsleiter habe jede Diskussion verweigert und stattdessen gesagt: “Da kann ich nichts machen! Wenn der Türsteher das so sieht und sagt, ist es so!“ Worauf hin dieser wiederum gesagt habe: „Es passt mit Euch einfach nicht und fertig! Ihr habt Hausverbot und ich bitte Euch, das Gelände jetzt zu verlassen.“ Was Ocansey mitsamt seiner Söhne dann - nachdem ihnen das Eintrittsgeld per PayPal zurückerstattet worden war - auch tat.

Mit vielen nachdenklich-verzweifelten Gedanken versucht der angesehene Polizist das Erlebte in seinem Post zu reflektieren. Nachzulesen ist das für alle Facebook-User mit einem Klick auf diesen Link frei. Für alle anderen in Kurzform noch die Erklärung, warum er den Vorfall so bewusst in die Öffentlichkeit trägt:

"Ich möchte meinen desaströsen Nachmittag mit denen, die es interessiert, in aller Offenheit teilen. Polarisierung, Hetze und Ähnliches lagen und liegen mir selbstverständlich fern - immer! Ich möchte mit diesem Post auch keine etwaigen Kampagnen weiter anfachen und es wäre mir unstrittiger Weise lieber gewesen, auf einen wunderbaren Nachmittag mit meinen Lieben zurückblicken zu können."

Polizist erlebt Alltagsrassismus: Chef entschuldigt sich

Der Post von Victor Ocansey wurde schnell hunderte Male geteilt und kommentiert, in der Regel mit fassungslosen Worten und viel Zuspruch für den Geschädigten und seine Söhne. 

Die Uhren standen heute zunächst auf Sonne, Musik und Strandgefühl in Münster, aber am Nachmittag auf Demütigung und...

Gepostet von Victor Ocansey am Sonntag, 19. Juli 2020

Das blieb auch Thomas Pieper (Geschäftsführer der Dockland GmbH, zu der besagter Club gehört) nicht verborgen, der sich seinerseits über Facebook schockiert zeigt und entschuldigend den direkten Draht zu Ocansey sucht - unter anderem mit diesem Worten:

"(…) Nichts liegt mir persönlich ferner als Rassismus und kaum etwas widert mich mehr an als selbiger. Auch wenn die Veranstaltung heute keine Veranstaltung der Dockland GmbH war, sondern eine Fremdveranstaltung wie jede RnBeach, übernehme ich als einer der Geschäftsführer der Dockland GmbH trotzdem Verantwortung und werde direkt morgen daraus Konsequenzen ziehen. Der oder die Türsteher, die euch offensichtlich nur abgewiesen haben, weil ihr eine andere Hautfarbe als die Weiße habt, wird/werden nie wieder an unserer Tür stehen. Ebenso werde ich mich mit dem Veranstalter Vibetown über diesen Vorfall auseinander setzen, da ich prüfen muss, ob der Türsteher direkt von Vibetown gebrieft wurde oder selbstständig so gehandelt hat. Sollte der Veranstalter ebenso verantwortlich für den Vorfall sein, werden wir auch mit diesem die Zusammenarbeit unverzüglich beenden." (Hier klicken für den kompletten Post.)

Polizist erlebt Alltagsrassismus: Vorfälle schon früher

Der Club - oder vielmehr der Veranstalter Vibetown - steht mit derlei Vorwürfen nicht zum ersten Mal im medialen Blickpunkt. Im Sommer 2019 berichteten vier Dortmunder Studenten von einem ganz ähnlichen Vorfall. Ihnen sei der Zutritt zur "RnBeach"-Party verwehrt worden, weil sie keinen deutschen Pass vorzeigen konnten, berichteten die Westfälischen Nachrichten damals

Auch im Juni 2016 waren bereits entsprechende Berichte veröffentlicht worden. Auch damals ging es um dunkelhäutige Besucher, die aus zweifelhaften Gründen entweder nicht eingelassen wurden oder nicht auf die Tanzfläche durften.

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