Aktuelle Entwicklung im Missbrauchsfall auf einem Campingplatz im Kreis Lippe

Skandal von Lügde: Polizeianwärter sollte Beweismaterial auswerten

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Blick auf die Eingangstür vom Gebäude der Kreispolizeibehörde Lippe.

[Update 13.12 Uhr] Düsseldorf/Detmold - Der Skandal um verschwundene Beweisstücke zum Kindesmissbrauch in Lügde soll nächste Woche im Düsseldorfer Landtag aufgearbeitet werden. Diesbezüglich bestätigte jetzt ein Sprecher des NRW-Innenministeriums der Rheinischen Post, dass ein Polizei-Anwärter mit der Auswertung des sichergestellten Beweismaterials beauftragt worden sei. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hat unterdessen Vorwürfe gegen die Landesregierung erhoben.

SPD und Grüne wollten zum Skandal bei der Kreispolizeibehörde Lippe um die verschwundenen Beweismittel eine Sondersitzung des Innenausschusses beantragen, kündigten Abgeordnete beider Oppositionsfraktionen am Freitag an. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte am Donnerstag eingeräumt, dass in dem Fall 155 Datenträger seit Dezember verschwunden seien. 

SPD und Grüne äußerten Unverständnis und forderten Aufklärung, wieso dieser Polizeiskandal so lange unentdeckt geblieben sei. Reul sagte am Freitag erneut "lückenlose Aufklärung" zu. 

Derweil bestätigte das NRW-Innenministerium der Rheinischen Post eine weitere gravierende Unzulänglichkeit: So sei mit der Auswertung der Beweismittel bei der Kreispolizeibehörde Lippe nicht etwa ein erfahrener Beamter, sondern stattdessen ein Polizei-Anwärter beauftragt worden.

Drei Männer in Untersuchungshaft

Im Fall von Lügde sitzen ein 56-Jähriger aus der Kleinstadt in Kreis Lippe sowie ein 33-Jähriger aus Steinheim und ein 48-Jähriger aus dem niedersächsischen Stade wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und der Verbreitung von Kinderpornografie als Hauptverdächtige in Untersuchungshaft. 

Bislang sind 31 minderjährige Opfer im Alter zwischen 4 und 13 Jahren identifiziert.

Missbrauch auf Campingplatz: Wichtige Beweismittel weg - „Polizeiversagen“

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) erhebt derweil Vorwürfe gegen die Landesregierung. "Wir reden hier nicht von einer Polizeibehörde, bei der alles in Ordnung wäre, sondern im Gegenteil", sagte Sebastian Fiedler, Bundes- und NRW-Landesvorsitzender des BDK dem WDR. 

Logische Folgen eines bekannten Personalmangels?

Das NRW-Innenministerium wisse seit Jahren, wie es dort aussehe. "Seit mehreren Jahren weisen meine Kollegen in Lippe darauf hin, dass sie am Limit arbeiten." Die Kripo sei ausgeblutet und liege am Boden, im vergangenen Jahr hätten 60 Leute gefehlt. Nun zeige sich, was Personalmangel bedeute.

"Wenn der Innenminister davon redet, dass seine Großmutter das besser gekonnt hätte, kommt das bei den Kollegen, die sich da jeden Tag den Hintern aufreißen, nicht so gut an." 

Mehrere Sonderermittler des LKA sind im Einsatz, um das Verschwinden der Beweise aufzuklären. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter hatte das Verschwinden von Beweisstücken als eine "Katastrophe" für das Ansehen der Polizei eingestuft. - dpa

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