NRW plant bis Ende 2012 neuen Krankenhausplan

DÜSSELDORF ▪ Die rot-grüne Landesregierung arbeitet mit Nachdruck an einem neuen Krankenhausrahmenplan für Nordrhein-Westfalen. Bis Ende 2012 soll feststehen, an welchen Stellschrauben gedreht wird.

Nicht jedes Krankenhaus dürfte die Anpassungen überleben. Der alte Krankenhausplan stammt aus dem Jahr 2001 und ist lange überholt. Die hohe Krankenhausdichte in NRW garantiert eine gute Versorgung, hat vielerorts aber zu teuren Parallelstrukturen geführt. Das alles kommt nun auf den Prüfstand.

Krankenhausschließungen in größerem Stil erwarten die Fachleute im Düsseldorfer Gesundheitsministerium aber nicht. Sicher werde es aber stärker als bisher zu Kooperationen kommen müssen. Nicht jedes Krankenhaus müsse und könne mehr jede Fachabteilung selbst vorhalten. „Die Beibehaltung einer flächendeckenden Grundversorgung muss mit einer Spezialisierung einhergehen“, heißt es in einem Zwischenbericht, den jetzt die Gesundheitspolitiker erhielten.

Der Rahmenplan soll demnach festlegen, welche Bereiche künftig als spezialisierte Leistungen erbracht werden sollen. Auch sektorübergreifende Versorgungsformen will die Landesregierung erreichen – eine Verschränkung ambulanter und stationärer Angebote, die bislang organisatorisch strikt voneinander getrennt sind. Konkret hieße das: Verfügt ein Krankenhaus nicht über ärztlichen Sachverstand, hat zum Beispiel keinen eigenen Haut- oder Augenarzt, holt sich das Haus im Bedarfsfall einen Facharzt ins Krankenhaus. So soll das kostspielige Nebeneinander gleichartiger Therapien und Fachgebiete beendet werden.

„Plankrankenhäuser sind zwar Wirtschaftsbetriebe, haben aber im Auftrag der Länder die stationäre medizinische Versorgung sicher zu stellen“, sagte NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens auf Anfrage unserer Zeitung. Im Einzelfall müssten Krankenhäuser eben auch weniger wirtschaftliche Angebote vorhalten. „Nur Gewinnmaximierung ist hier fehl am Platz“, so die Ministerin.

Bessere Versorgung

für alte Menschen

Größeren Raum soll künftig die geriatrische Versorgung einnehmen. Nicht jede Klinik solle künftig eine eigene Fachabteilung für Altersmedizin vorhalten. Wohl aber müssten alte Menschen in jeder Klinik gemäß ihren altersspezifischen Anforderungen behandelt werden können. Die demographische Entwicklung verlange ebenfalls ein sektorübergreifendes Vorgehen: „Ambulante und stationäre Angebote müssen besser vernetzt und damit besser erreichbar sein“, sagte Steffens. Die Angebote müssten sich auch stärker an den Bedürfnissen der Patienten orientieren. „Menschliche Zuwendung muss einen höheren Stellenwert erhalten“, sagte Steffens. Das könne die Heilung beschleunigen und Brüche in der Biographie gerade älterer Menschen vermeiden helfen.

Steffens verweist auf das positive Beispiel des Franziskus-Hospitals in Münster. Dort sei es erreicht worden, die Delierrate (Altersverwirrung) von über 50 Prozent auf unter zehn Prozent zu senken. Das sei möglich geworden zum Beispiel über den zurückhaltenden Einsatz von Narkose- und Beruhigungsmitteln. Steffens möchte erreichen, dass auch andere Kliniken das Konzept übernehmen.

DETLEF BURRICHTER

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