Schrecklicher Unfall

Pferd stirbt auf Reitturnier: Positive Nachrichten über die schwer verunglückte Reiterin

Das Turnier in Rhynern hatte ein jähes Ende mit Schrecken und Notarzt-Einsatz.
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Jähes Ende für das Turnier beim RV Rhynern mit Schrecken und Notarzt-Einsatz. Ein Pferd stürzte nach eine Aorta-Abriss. Die Reiterin wurde verletzt.

Beim internationalen Vielseitigkeitsturnier des RV Rhynern starb ein Pferd nach einem schweren Sturz. Die Reiterin ist ins künstliche Koma versetzt worden.

Update vom 11. August, 15.42 Uhr: Der Zustand der jungen Reiterin aus Schleswig-Holstein, die am 25. Juli bei der internationalen Vielseitigkeit des RV Rhynern im Gelände schwer verunglückt ist, scheint sich positiv zu entwickeln. „Sie befindet sich zum Glück auf dem Weg der Besserung“, zitieren die Kieler Nachrichten den Richter eines Vielseitigkeitsturniers, das am vergangenen Wochenende in Eutin und Süsel ausgetragen worden ist. Dort hatte der Freundeskreis der jungen Reiterin seine Anteilnahme mit einer besonderen Aktion ausgedrückt. Er verteilte kleine Einhorn-Stofftiere, die von den Teilnehmenden während des Geländerittes an den Schutzwesten befestigt worden sind.

ReitvereinRV Rhynern
OrtHamm

Auch die verunglückte Reiterin selbst soll ein solches Einhorn bekommen. Sie verletzte sich in Rhynern als eine der letzten Starterinnen im Geländeritt der Dreisterne-Prüfung, weil ihr Pferd auf der Galoppstrecke zwischen zwei Hindernissen als Folge eines Aorten-Abrisses plötzlich zusammengebrochen ist. Das Pferd starb den Sekundentod, die Reiterin wurde nach längerer Behandlung mit dem Hubschrauber in eine Hammer Klinik geflogen und in ein künstliches Koma versetzt.

Pferd stirbt bei Turnier - Reiterin liegt im Koma

Update vom 30. Juli, 15.35 Uhr: Die Tierschutzorganisation PETA hat jetzt mit einem öffentlichen Schreiben den Reiterverein Rhynern aufgefordert, nach dem tragischen Unfall in Zukunft auf die Austragung von Vielseitigkeitsturnieren zu verzichten. „Das tragische Ereignis in Hamm war weder ein Unfall noch ist es ein Einzelfall. Immer wieder werden Pferde bei Vielseitigkeitsturnieren zu Tode geritten, auch Reiterinnen und Reiter kommen oft zu Schaden. Doch anders als die Menschen können es sich die Pferde nicht aussuchen. Die Tiere werden über die halsbrecherischen Parcours gezwungen und erheblichen Risiken ausgesetzt“, schrieb Peter Höffken, Fachreferent der PETA, und ergänzte: „Wir fordern den Reiterverein Rhynern auf, Verantwortung für Mensch und Tier zu übernehmen und künftig davon abzusehen, Vielseitigkeitsturniere auszurichten. Der Reiterin wünschen wir eine schnelle Genesung.“

Elmar Siepmann, Reitlehrer des Vereins und Turnierorganisator, wollte sich zu dieser Forderung nicht öffentlich äußern. Auch über den aktuellen gesundheitlichen Zustand der gestürzten Reiterin, die am vergangenen Wochenende in ein künstliches Koma versetzt worden war, konnte Siepmann am Freitagnachmittag keine Auskunft geben. „Es liegen uns keine Informationen vor. Wir haben nichts gehört“, erklärte Siepmann.

Update vom 26. Juli, 17.09 Uhr: Auch am Tag nach dem abrupten Ende des Dreisterne-Wettbewerbs im Rahmen der internationalen Vielseitigkeit herrschte beim Reiterverein Rhynern gedämpfte Stimmung. Die Nachrichten aus der Hammer Klinik, in der die Reiterin nach ihrem Sturz am Sonntag behandelt wird, beinhalten bisher keine Entwarnung: „Sie ist stabil und befindet sich in einem künstlichen Koma“, berichtet Elmar Siepmann.

Mehr sei im Augenblick nicht zu sagen. Am Morgen sei die Mutter der jungen Reiterin, eine Ärztin, in Rhynern gewesen. „Sie wirkte gefasst“, berichtet Siepmann. Der Sportwart des RV Rhynern hingegen wirkte am Finaltag der dreitägigen Veranstaltung auch schon vor dem nicht verhinderbaren Sturz zwischen zwei Hindernissen, wohl verursacht durch einen Aorta-Abriss beim elfjährigen Holsteiner Wallach, sichtlich angespannter als sonst, mochte keine Zwischenbilanz ziehen.

„Auch der Letzte kann noch auf die Nase fallen“, meinte er – auch wenn die 3333 Meter lange Geländestrecke mit 22 Hindernissen reell aufgebaut war und noch sehr gute Pferd-/Reiterkombinationen auf den Start warteten.

Turnier beim RV Rhynern in Hamm: Pferd stirbt - Reiterin im künstlichen Koma

[Erstmeldung] Hamm - 160 Pferde hatten die Organisatoren der Internationalen Vielseitigkeit des RV Rhynern am Sonntag unbeschadet durch die Geländestrecke gebracht – 54 davon über die anspruchsvolle Distanz auf Dreisterne-Niveau. Als nur noch sieben Reiterinnen und Reiter auf den Start warteten geschah das, was alle fürchten. Es kam zu einem schweren Sturz, bei dem das Pferd ums Leben kam – und die Reiterin anschließend mit einem Hubschrauber in die Klinik.

Es war ein Sturz, den niemand hätte verhindern können – wirklich niemand. Eine Reiterin aus Norddeutschland war mit einem 11-jährigen Holsteiner Wallach noch am Anfang der Strecke zwischen den Hindernissen vier und fünf unterwegs, als ihr Schimmel vermutlich wegen eines Aorta-Abrisses unvermittelt zusammenbrach. Bei hohem Tempo und einem Pferdegewicht von etwa 650 Kilo hatte die Reiterin keine Chance, der Situation zu entkommen. Der Vierbeiner starb innerhalb von Sekunden auf dem Turnier in Hamm.

Turnier beim RV Rhynern jäh beendet: Pferd war unter tierärztlicher Aufsicht

Als „One of a million“ bewertete Mathias Otto-Erley, als Technischer Delegierter und Onkel der neuen Westfalenmeisterin Elena Otto-Erley dabei, schulterzuckend die Häufigkeit eines solchen Ereignisses. „Das Pferd war auf dem Turniergelände seit der Ankunft unter tierärztlicher Aufsicht und klinisch gesund“, teilte der RV Rhynern am Abend mit. Der Vierbeiner sei zur Obduktion von Hamm aus in die tierärztliche Hochschule Hannover gebracht worden.

Die Parcoursrichter und Turnierleitung reagierten sehr schnell. Binnen kürzester Zeit wurde die Reiterin ärztlich versorgt, auch der Rettungshubschrauber wurde unverzüglich angefordert. Zunächst sollte das Programm um mindestens eine Stunde unterbrochen werden, doch stimmte nach kurzem Dialog mit der Turnierleitung der Rest des Starterfeldes zu, die Prüfung nicht mehr fortzusetzen. Die Reiterin wurde nach längerer Behandlung in eine Klinik in Hamm geflogen, In welchem Gesundheitszustand sie sich am späten Abend befand, war nicht bekannt.

Vor dem tragischen Ereignis hatte dieses Turnier in Hamm-Rhynern dank der Qualität des Teilnehmerfeldes fast ausnahmslos schöne Bilder geboten – und einen packenden Zweikampf um die Goldmedaille im Rahmen der Westfalenmeisterschaft. Zwischen Elena Otto-Erley (Warendorf) und Vanessa Bölting (Münster) entwickelte sich über die drei Disziplinen ein Kopf-an-Kopf-Rennen; letztlich mit dem besseren Ende für Otto-Erley.

Turnier beim RV Rhynern: Der Geländeritt entscheidet

Beide hatten in ihrer Dressur um die 72 Prozent erreicht und waren nur um Nuancen voneinander getrennt. Nachdem beide im Springen fehlerfrei blieben und die Ausgangslage unverändert, musste der Geländeritt entscheiden.

Bölting legte mit ihrer 9-jährigen Westfalenstute Ready to go W vor. Sie brauchte für die 3333 Meter lange Strecke, gespickt mit 22 Hindernissen, 6:10 Minuten und blieb damit sechs Sekunden über der Bestzeit von 6:04 (550 Meter pro Minute) – machte 2,4 Strafpunkte obendrauf. Otto-Erley brauchte mit dem 12-jährigen Rheinländer Finest Fellow nur vier Sekunden mehr – bei nur 1,6 Strafpunkten der Sieg. „Ich ärgere mich nicht über die sechs Sekunden. Ich kann auch gar nicht sagen, wo sie liegen geblieben sind. Letztendlich ist es ein Wimpernschlag“, meinte Bölting kurz nach der Entscheidung.

Für Otto-Erley war es die erste Teilnahme an einer Westfalenmeisterschaft überhaupt. Im vergangenen Jahr war die Veranstaltung wegen Corona abgesagt worden, zuvor stand das Studium in Marburg im Vordergrund. „Jetzt bin ich wieder in der Heimat, und dieses Jahr war die erste Gelegenheit“, meinte die 26-Jährige, die in dieser Saison mit einem Viersterne-Turnier in Belgien noch einen weiteren sportlichen Höhepunkt anstrebt. „Das Pferd hat einen sehr guten Job gemacht. Es war schwer, in der Zeit zu bleiben, aber für mich ist der Plan aufgegangen. Wir haben viel Zeit an den Sprüngen gespart. Ich wusste, dass ich ein paar Sekunden Luft habe, aber das kann man nicht einkalkulieren bei so einer Strecke“, meinte die neue Meisterin.

„Ich war Vize-Westfalenmeisterin und bin es jetzt wieder“, war Vanessa Bölting keineswegs enttäuscht, denn: „Mein Pferd hat eine tolle Prüfung abgeliefert. Das war jetzt der nächste Schritt in Richtung vier Sterne in Sopot. Ich hatte keine Uhr und bin einfach geritten, was ging. Wir hatten einen tollen Lauf an den Sprüngen, da hat es echt Spaß gemacht“, meinte die frühere Junioren-Europameisterin.

Turnier beim RV Rhynern: Christina Winterscheid hat Grund zur Freude

Letztlich teilten sich die Kontrahentinnen den Sieg in der Dreisterne-Prüfung, die in zwei Abteilungen ausgetragen wurde, bei starken Mitbewerbern – darunter Anna Siemer aus dem deutschen Olympiakader. Für Vanessa Bölting steht nun erst einmal ein anderes Ereignis im Vordergrund: „Die Einschulung meiner Tochter.“

Im CCI2* gab es für Christina Winterscheid Grund zur Freude. Die 45-jährige Arnsbergerin, die seit 2014 für den RV Rhynern in der Vielseitigkeit unterwegs ist, sicherte sich beim Sieg von Anna Siemer den hervorragenden fünften Platz mit Funny Face. Das ist für die Reiterin umso schöner, weil der 11-jährige Westfalenwallach (For Contest x Anmarsch) von ihr selbst gezogen und ausgebildet worden ist. Nach einem dritten Platz in einem Dreisterne-Event vor zwei Jahren ist es der größte Erfolg bisher. Nun soll noch ein weiterer folgen – bei den Deutschen Amateurmeisterschaften, die in Langenhagen ausgetragen werden.

Weitere teils tragische Geschichten aus der Welt der Pferde und Reiter

Viele Reiter waren Ende 2020 von dieser Nachricht bestürzt: Totilas, der Superstar auf vier Beinen, das einst teuerste Dressur-Pferd der Welt, ist tot:


Unfälle, an denen Pferde beteiligt sind, passieren immer wieder. Ungewöhnlich war dieser Fall: Ein Pferd stürzte aus einem Transporter - die Feuerwehr rückte mit Schläuchen und einem Kran an. Bei einem tragischen Reitunfall in Bad Laasphe kam eine 31-jährige Frau ums Leben.

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