Neue Entwicklungen in Iserlohn

Staatsanwalt sichtet Daten in "Abfindungsaffäre": Wer wusste was und wann?

+

[Update] Iserlohn - Der mit 250.000 Euro Abfindung aus dem Dienst bei der Stadt Iserlohn ausgeschiedene Verwaltungsmitarbeiter muss sich nach seinem Wechsel zur Stadtverwaltung Witten einen neuen Arbeitgeber suchen. Derweil sichtet die Staatsanwaltschaft das bei Durchsuchungen sichergestellte Material.

Nach Durchsuchungen in der Stadtverwaltung Iserlohn und der Wohnung des Bürgermeisters ermittelt die Staatsanwaltschaft weiter wegen einer 250.000-Euro-Abfindung. Gegen den Bürgermeister Peter Paul Ahrens (SPD), den Kämmerer und weitere Mitarbeiter der Verwaltung werde wegen des Verdachts der Untreue in einem besonders schweren Fall ermittelt. Es sei umfangreiches Datenmaterial sichergestellt worden, die Auswertung werde "noch eine ganze Weile dauern", sagte ein Behördensprecher.

Es müsse nun genau geklärt werden, "wer wann wie damit befasst war und wer wann welche Entscheidung getroffen hat." Hintergrund ist die Zahlung einer Abfindung in Höhe von einer Viertel Million Euro zu Jahresbeginn an einen früheren Mitarbeiter der sauerländischen Stadt.

Dort waren Räume der Verwaltung und auch mehrere Wohnungen vor zehn Tagen durchsucht worden, darunter die des Bürgermeisters. Der SPD-Politiker hatte gesagt, bei 250.000 Euro handele es sich zwar um eine sehr hohe Summe. Das Ganze habe aber nichts mit Veruntreuung zu tun. Er sehe kein schuldhaftes Verhalten. Man habe seinen Rechner und ein Handy mitgenommen.

+++ Update 24. Mai

Auf seiner privaten Facebookseite, die allerdings öffentlich für jedermann aufrufbar ist, schrieb der Mann am Mittwoch wörtlich: "Die vielen negativen Schlagzeilen in der Presse haben dafür gesorgt, dass ich heute Morgen von meinem neuen Arbeitgeber (Stadtverwaltung Witten) entlassen wurde."

Die Stadt Witten reagierte inzwischen auf eine offizielle Presseanfrage unserer Redaktion. In der kurzen Stellungnahme aus dem Referat Kommunikation heißt es, dass der Mitarbeiter aktuell noch im Ordnungsamt beschäftigt sei.

"Aber ihm wurde schon mitgeteilt, dass sein Arbeitsverhältnis in der Probezeit beendet werden soll", so die Stadt Witten. Weitere Informationen seien aus Datenschutzgründen nicht möglich.

Der betroffene Mitarbeiter selbst schrieb am Mittwoch auf Facebook weiter: "Der Schaden ist groß. Mein öffentliches Ansehen ist katastrophal und meine berufliche Zukunftsperspektive grauenvoll. 

Wahrscheinlich darf ich aufgrund der medialen Vorkommnisse mein Beruf an den Nagel hängen. Ich glaube nicht, das mich überhaupt noch eine Verwaltung beschäftigen wird. Um die Ermittlung der Staatsanwaltschaft Hagen nicht zu überschatten, werde ich weiterhin mein Schweigen fortsetzen."

+++ Unsere Berichterstattung von Dienstag, 21. Mai

Iserlohn - Spektakuläre Entwicklung in der Iserlohner "Abfindungsaffäre": Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bürgermeister Peter Paul Ahrens und weitere Beamte wegen des Verdachts der Untreue. Rathaus und Privatwohnungen wurden durchsucht.

Räume der Stadtverwaltung Iserlohn und mehrere Privatwohnungen sind am Dienstag wegen Untreue-Verdachts durchsucht worden.

Gegen den Iserlohner Bürgermeister, den Kämmerer und weitere Mitarbeiter der Verwaltung werde wegen des Verdachts der Untreue in einem besonders schweren Fall ermittelt, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft Hagen mit. Hintergrund sei die Zahlung einer Abfindung in Höhe von 250.000 Euro an einen früheren Mitarbeiter der Stadt.

Ziel der Durchsuchungsmaßnahmen sei die Auffindung von Beweismitteln zum Hintergrund der erfolgten Zahlung, heißt es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft Hagen. Zeitgleich wurde demnach auch bei dem früheren Verwaltungsmitarbeiter nach Beweisen gesucht. Er ist bislang nicht Beschuldigter des Verfahrens. Zugleich diente diese Maßnahme der "Auffindung und Sicherstellung von Vermögenswerten zur Sicherung des möglichen Anspruchs der Stadt Iserlohn auf Rückzahlung des erlangten Geldes", so die Staatsanwaltschaft.

Dem früheren Mitarbeiter wurde ein Arrestbeschluss des Amtsgerichts Hagen in Höhe von 250.000 Euro zugestellt. Heißt: Das Geld ist so lange blockiert, bis der Fall juristisch aufgearbeitet ist.

Bürgermeister in der Kritik

Erst vor gut zwei Wochen hatte Bürgermeister Peter Paul Ahrens (69) wegen der sogenannten Abfindungsaffäre seinen Rücktritt angekündigt.

Lesen Sie hier: Darum geht es in der Abfindungsaffäre

Bürgermeister Peter Paul Ahrens (69/SPD) sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass er den Vorwurf einer Veruntreuung zurückweise. Er bestätigte, dass der Mitarbeiter im Januar 250.000 Euro als Abfindung erhalten habe. Das sei zwar eine sehr hohe Summe, habe aber nichts mit Veruntreuung zu tun.

Auch in seiner Wohnung seien die Ermittler gewesen und hätten seinen Rechner und ein Handy mitgenommen. Er beabsichtige nicht sofort zurückzutreten, wie bereits öffentlich spekuliert werde - trotz eines aktuellen "Shitstorms", wie er es sagte. Ahrens betonte, er sehe kein schuldhaftes Verhalten. Die Strafanzeige einer Wählergemeinschaft habe das Verfahren ins Rollen gebracht. Der SPD-Politiker war 2015 wiedergewählt worden. - eB/dpa

Iserlohns Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens

Lesen Sie aus NRW auch:

Warnlampen leuchten plötzlich auf: Auto gerät auf der A2 in Brand

Fahrschul-Lkw bremst ab - BMW-Fahrer rastet aus

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare