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Orkan Zeynep und Sturm Ylenia: So bekommt das Wetter seinen Namen

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Von: Tobias Hinne-Schneider

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Zeynep folgt auf Ylenia - das sind sie Namen der Sturmtiefs, die in Nordrhein-Westfalen gewütet haben. Doch wie bekommt das Wetter seinen Namen?

Hamm - Sturm Lothar fegte 1999 über Europa - er gilt bis heute als Jahrhundertsturm. Acht Jahre später verwüstete Kyrill weite Teile von Deutschland. Es folgten Niklas (2015) und Friederike (2018). Und jetzt sorgten die Stürme Ylenia und Zeynep nicht nur in Nordrhein-Westfalen für Verwüstungen. Lothar, Kyrill, Niklas, Friederike, Ylenia und Zeynep - die Namen sind keinesfalls zufällig gewählt.

BundeslandNordrhein-Westfalen
MinisterpräsidentHendrik Wüst (CDU)
Einwohner17,9 Millionen (2021)

Orkan Zeynep und Sturm Ylenia: Wie das Wetter seinen Namen erhält

Luftdruckgebiete - also Hochs und Tiefs - erhalten seit 1954 gebräuchliche Vornamen in Mitteleuropa. Die Idee stammt von Studentin Karla Wege, der späteren „ZDF-Wetterfee“. Wege machte den Vorschlag dem Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin. Und bis heute ist das Institut für die Namensgebung beim deutschen Wetter verantwortlich.

International können durchaus andere Namen verwendet werden. „Die Briten vergeben nur Namen bei besonders schadensträchtigen Tiefdruckgebieten wie diesem Sturm und die haben diesen Sturm jetzt Dudley genannt“, erklärt Dominik Jung, Meteorologe bei wetter.net. In Deutschland heißt Dudley natürlich Zeynep.

Feministische Debatte über die Namensgebung des Wetters

Bis 1998 wurden Tiefs mit Frauen-Namen versehen, Hochs bekamen männliche Namen. Vor knapp 25 Jahren gab es schließlich eine feministische Debatte. Tiefdruckgebiete mit meist schlechtem Wetter weiblich und oft sonnige Hochs männlich zu benennen – das sei eine „unsachliche Zweckentfremdung menschlicher Vornamen“. Seitdem gibt es einen jährlichen Wechsel. In geraden Jahren - wie 2022 - bekommen Tiefs weibliche Namen und Hochs männliche, im nächsten Jahr ist es dann andersherum.

Etwa 130 Tiefdruckgebiete und 50 Hochdruckgebiete im Jahr sind so relevant für das Wetter in Europa, dass sie in alphabetischer Reihenfolge einen Namen zur besseren Verfolgung ihrer Verlagerung erhalten. „So ergeben sich pro Buchstabe des Alphabets mindestens 5 Tiefs und 2 Hochs im Jahr“, heißt es vom Institut für Meteorologie. Nach Ylenia und Zeynep geht es weiter mit Antonia und Bibi.

Wetterpatenschaften sind nicht ganz billig

Seit 2002 kann sich die Öffentlichkeit um eine Namenspatenschaft für Hoch- und Tiefdruckgebiete bewerben und eigene Vorschläge mit Vornamen machen. Mit dieser Wetterpatenschaft soll die Ausbildung von Studenten und die Fortführung der Wetter- und Klimastation Berlin-Dahlem der Freien Universität Berlin finanziert werden.

Zeynep folgt auf Ylenia - das sind sie Namen der Orkane, die in diesen Tagen über Nordrhein-Westfalen hinwegziehen. Aber wer gibt dem Wetter seinen Namen?
Wer einem Hoch- oder Tiefdruckgebiet einen Namen geben möchte, muss bis zu 360 Euro bezahlen. © Frank Rumpenhorst/dpa

Übrigens: Für das Jahr 2022 sind bereits alle Patenschaften vergeben, teilt die Universität Berlin mit. Ab dem 7. September 2022 können Patenschaften für 2023 beantragt werden. Das ist aber gar nicht mal so günstig. Ein Hoch - mit einer deutlich längeren „Lebensdauer“ - kostet 360 Euro, ein Tief 240 Euro.

Die Stürme haben bereits einige Schäden in NRW hinterlassen. Hauseigentümer sollten ihre Immobilien genau auf mögliche Schäden untersuchen, damit die entsprechende Versicherung zahlt. Die Wohngebäudeversicherung für Hauseigentümer greift bei Sturmschäden bereits ab Windstärke 8.

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