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NRW: Omikron-Variante Gefahr für Kinder? Das kann beim Schulstart drohen

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Von: Tobias Hinne-Schneider

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Überall, wo Omikron-Infektionen ansteigen, müssen viele Kinder ins Krankenhaus. Doch ist die Corona-Variante eine Gefahr für die Kinder - und den Schulstart?

Hamm - Die Omikron-Variante des Coronavirus breitet sich rasend schnell aus. Sie gilt als ansteckender als frühere Virusmutationen und macht auch vor Kindern nicht halt. Aus Ländern mit einer Omikron-Welle kommen besorgniserregende Meldungen: Immer mehr Covid-positive Kinder kommen ins Krankenhaus. Kinderintensivmediziner Jörg Dötsch - er sitzt im Corona-Expertenrat der Bundesregierung - macht Hoffnung. Auch der Schulstart nach den Ferien in NRW ist demnach nicht gefährdet und kein Pandemie-Treiber, wenn die Regeln eingehalten werden.

BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)
MinisterpräsidentHendrik Wüst (CDU)
Einwohner17,9 Millionen (2020)

Omikron-Variante ansteckender: Was Kindern beim Schulstart in NRW droht

Der Schulstart im bevölkerungsreichsten Bundesland rückt immer näher. Am Montag (10. Januar) soll es für die rund zwei Millionen Schüler in NRW zurück in die Klassen gehen. Eine Schließung der Schulen zieht die NRW-Landesregierung derzeit wohl nicht in Betracht. „Oberstes Ziel der Landesregierung und des Ministeriums für Schule und Bildung ist, die Schulen offenzuhalten und den Präsenzunterricht weiterhin zu sichern“, hieß es auf Anfrage von wa.de aus dem Schulministerium. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) betonte am Montag in der ARD: „Wir wollen, dass Kinder - so lange es vertretbar ist Unterricht haben – in Präsenz und in der Klasse“. Am Mittwoch, 5. Januar, beraten die Kultusministerinnen und -minister der Länder gemeinsam über die Lage in Deutschlands Klassenzimmern.

Nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen scheint die Omikron-Variante für Kinder nicht gefährlicher, wie Corona-Experte Jörg Dötsch in einem Interview mit der Welt schilderte. Dennoch gebe es vermehrt Fälle bei Kindern und Jugendlichen.

„Wir haben Berichte aus England, aus Südafrika und indirekt aus den USA. Sie zeigen, dass tatsächlich mehr Kinder in den Kliniken aufgenommen werden. Aber im Verhältnis zur Infektionszahl sind es nicht mehr als bei Delta“, sagte Dötsch. Zuletzt gab es Berichte, wonach in den USA vermehrt Kinder in den Krankenhäusern liegen. Die Krankheitsverläufe sind aber in der Regel mild, was man auch in Südafrika gesehen habe, so Dötsch. „Die meisten infizieren Kinder in Südafrika wurden nicht schwer krank, häufig waren Erkältungssymptome. Nur wenige Kinder mussten beatmet werden“, fasst der Kinderintensivmediziner zusammen.

Ansteckende Omikron-Variante: Veränderter Infektions-Mechanismus

Eine Studie von Forschenden aus USA und Japan deutet ebenfalls darauf hin, dass die Omikron-Variante zu deutlich milderen Krankheitsverläufen führt. Die Forscher um den Virologen Michael Diamond von der Washington University in St. Louis (USA) hatten Hamster und Mäuse mit der Omikron- und anderen Corona-Varianten infiziert. 

Virologe Björn Meyer von der Uniklinik Magdeburg untersucht die Funktionsweise von Coronaviren. Erste Forschungsergebnisse hätten gezeigt, dass Omikron die Art, wie das Virus in die Zelle gelange, ein wenig verändert habe, berichtete Meyer ZDFheute. Durch den Wechsel des Infektions-Mechanismus könnten auch vermehrt Kinder betroffen sein.

Überall, wo Omikron-Infektionen ansteigen, müssen viele Kinder im Krankenhaus behandelt werden. Wie gefährlich ist die Variante für Kinder - und den Schulstart?
Die Kultusministerinnen und -minister der Länder beraten über den Unterricht in den Schulen. © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archiv

Das führt Meyer darauf zurück, dass Omikron „wahrscheinlich in mehr Zellen, besonders in den oberen Atemwegen, eindringen“ kann, sodass sich das Virus insgesamt mehr vermehren kann. „Dies könnte ein Teil der erhöhten Infektiosität erklären“, sagte Meyer. Allerdings könne Omikron in Lungenzellen wohl weniger gut wachsen, was den Rückgang von schweren Krankheitsverläufen erkläre. Sollte diese verringerte Krankheitslast auch bei Kindern zutreffen, bleibe das Problem der hohen Fallzahlen, befürchtet der Virologe. Unter anderem, weil viele Kinder noch immer keinen ausreichenden Impfschutz haben.

Kein Bundesland setze derzeit die S3-Leitlinie zum Schutz von Kindern und Jugendlichen konsequent um. „Somit sind Kinder in Schulen weiter nicht adäquat geschützt“, sagte Virologe Meyer ZDFheute.

Ansteckende Omikron-Variante: Hygiene und Maskentragen weiter wichtig

Kinderintensivmediziner Dötsch sieht den Schulbesuch aber nach wie vor als sicher an. „Auch mit Omikron dürfen Schulen nicht wieder geschlossen werden. Nicht nur wegen des verpassten Lernstoffs und der Begleiterkrankungen, die durch die soziale Isolation auftreten. Wir dürfen Schulen auch nicht schließen, weil es keinen Anhaltspunkt dafür gibt, dass Schüler schwere Verläufe befürchten müssten.“ Durch die engmaschige Testung werden Infektionsketten in Schulen ohnehin unterbrochen, sagte Dötsch, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin ist.

Wichtig sei die Einhaltung von Hygienemaßnahmen sowie das Maskentragen, da sind sich Dötsch und Meyer einig. *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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