Drei Fragen an den Satiriker, Kolumnisten, Buchautoren und Schauspieler

Oliver Kalkofe zum WDR und zur Umweltsau-Oma: "Erschreckend ist..."

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Oliver Kalkofe zieht seit 25 Jahren in seiner preisgekrönten Satire-Show "Kalkofes Mattscheibe" alles und jeden durch den Kakao.

Oliver Kalkofe gilt als Deutschlands schärfster Medienkritiker. Zur Satire zur Umweltsau-Oma des WDR hat er eine klare Meinung.

Seit 25 Jahren zieht der 54-Jährige in seiner preisgekrönten Satire-Show "Kalkofes Mattscheibe" alles und jeden durch den Kakao. Ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten. Alexander Schäfer sprach mit ihm über die WDR-Umweltsau-Oma-Debatte.

Der WDR-Kinderchor singt „Meine Oma ist ne alte Unmweltsau“. Ist das gute, schlechte oder gar keine Satire?

Oliver Kalkofe: Doch, es ist eindeutig Satire – aber ob man diese nun als gut oder schlecht empfindet, muss jeder für sich entscheiden, denn dafür gibt es keine objektive Messlatte zum Anlegen. Satire überhöht, ironisiert und provoziert – zumindest letzteres ist ja auch mehr als gelungen. Man kann über den Text ebenso wie über die Kinderchor-Inszenierung streiten, man kann darüber lachen oder eben nicht, man darf sich auch ärgern oder alles bewusst missverstehen – das alles erlaubt uns die Demokratie. Und genau das müssen wir zu ihrem Wohl auch aushalten. Erschreckend ist allerdings, mit welch' einfachen Mitteln ein simples Lied instrumentalisiert werden kann, um die Massen zu manipulieren und gegeneinander aufzuhetzen. Das Zeitalter der Vernunft scheint leider definitiv vorbei zu sein.

WDR-Chef Tom Buhrow ließ das Video löschen. Wie hätten Sie auf die Kritik reagiert? 
(Anmerkung der Redaktion: Der WDR betont, dass die Behauptung, Intendant Tom Buhrow habe das Video löschen lassen, nicht den Tatsachen entspreche. Richtig sei: "Der Programmchef von WDR 2 hat in Abstimmung mit Redaktion und Redaktionsleitung entschieden, das Video aus dem Netz zu nehmen. Grund war auch, den Kinderchor und dessen Leiter zu schützen.")

Kalkofe: Als Sender oder Senderchef einen Satire-Beitrag zu löschen, sich vorschnell zu entschuldigen und öffentlich zu distanzieren, ist niemals der richtige Weg. Man kann es bedauern, dass sich Zuschauer unbeabsichtigt angegriffen gefühlt haben, und man kann auch interne Konsequenzen ziehen, wenn man diese für nötig hält – aber man sollte sich als Sender immer hinter seine Künstler, Autoren und eigenen Entscheidungen stellen. 

Oliver Kalkofe meint: "Man muss auch Kritik aushalten, wenn einmal etwas nicht so gut ankommt oder missverstanden wird."

Und man muss auch Kritik aushalten, wenn einmal etwas nicht so gut ankommt oder missverstanden wird. Wenn man sich für die eigenen Programme entschuldigt und diese selber löscht, sollte man das Senden von Beiträgen besser gleich ganz sein lassen, vor allem von humoristischen, denn irgendwer wird sich immer angegriffen fühlen.

Satire darf alles. Gilt der Tucholsky-Satz im Twitter-Zeitalter nicht mehr?

Kalkofe: Satire soll und muss immer noch alles dürfen. Wir müssen nur langsam wieder lernen, erst zu denken bevor wir uns äußern. Und vielleicht auch mal nach dem Gesamtkontext zu fragen. Jeder hat ein Recht auf seine Meinung, jeder kann ein- oder ausschalten – aber niemand darf andere für ihre beleidigen, beschimpfen, bedrohen oder seine Meinung für die einzig gültige halten. Wut, Hass und Empörung bringen Klicks und Quoten und lassen sich herrlich einfach instrumentalisieren, eine Masse aufzuhetzen war immer schon leichter als sie zu beruhigen. Aber gerade deswegen ist Satire heute nötiger denn je und darf sich erst recht nicht zum Schweigen bringen lassen.

Zur Person

Oliver Kalkofe, 1965 in Hannover geboren, wurde ab 1994 mit der preisgekrönten TV-Satire „Kalkofes Mattscheibe“ zu einem der beliebtesten Comedians und zu Deutschlands schärfstem Medienkritiker. Aktuell ist das Format bei TELE 5 zu sehen.

Im Kino landete er mit den Edgar Wallace-Parodien „Der Wixxer“ und „Neues vom Wixxer“ 2004 und 2007 Überraschungs-Hits.

Kalkofe lebt mit seiner Familie in Berlin.

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