Vom Düsseldorfer Marcel Mellor

Leben ohne Auto: Tipps zum Alltag mit weniger PS

Marcel Mellor saust auf seinem coolen Scooter.
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Marcel Mellor ist Science-Fiction-Autor und Digitalstratege. In seinem Alltag nutzt der Düsseldorfer ganz unterschiedliche Fortbewegungsmittel – wie hier einen Roller.

Marcel Mellor aus Düsseldorf kommt bestens ohne Auto zurecht. Wie ihm das gelingt - und was jeder Autofahrer tun kann, um seine Fahrten zu reduzieren, hat er uns erzählt.

Düsseldorf – Dicht an dicht stehen die Autos in der Düsseldorfer City. Wer hier auf Parkplatzsuche ist, dreht häufig vergeblich Runde um Runde. Science-Fiction-Autor und Digitalstratege Marcel Mellor geht es nicht so. 2009 schaffte er sein Auto ab. Mittlerweile ist er verheiratet und hat zwei Kinder – ein eigenes Auto braucht seine Familie dennoch nicht.

Tipps zum Alltag mit weniger PS - Mellert: Auto als Fortbewegungsmittel „veraltet“

„Das Auto an sich ist als Fortbewegungsmittel veraltet“, erklärt der Düsseldorfer. „Seit seiner Erfindung hat sich das Grundprinzip nicht wirklich verändert, nur dass wir inzwischen Milliarden Menschen mehr sind. Das kann nicht funktionieren, wenn jeder ein Auto hat.“ Ohne eigenes Gefährt auf vier Rädern hat er nicht nur mehr Zeit, weil die Parkplatzsuche und Staus während der Rushhour entfallen, sondern bewegt sich auch automatisch mehr.

„Das Autofahren ist nicht nur wegen der Unfälle gefährlich, sondern auch, weil dass ständige Sitzen auf lange Sicht schädlich ist“, gibt der 33-Jährige zu bedenken. Die meisten Alltagsziele ließen sich schließlich ohne Probleme zu Fuß, per Fahrrad, Roller oder öffentliche Verkehrsmittel erreichen.

Natürlich spielt auch der Umweltschutz eine Rolle – wenn auch eine geringere, als man denken könnte. „Für den jährlichen Flug nach Mallorca kann man für die gleiche Menge an CO2-Ausstoß schon sehr viel Auto fahren. Aber dennoch: Das Auto ist der einzige Klimasünder, den wir aktiv kontrollieren können. Das Flugzeug fliegt auch ohne uns“, sagt Mellor. Nicht zu guter Letzt hat er noch einen Grund parat: „Ich fahre selbst einfach ungern. Ich finde das langweilig“, schmunzelt er. Für diejenigen, die das Autofahren ebenfalls reduzieren wollen, gibt der Düsseldorfer einige Tipps.

Tipps zu weniger PS: Weniger im Alltag fahren

Auf das Auto verzichten ist in der Großstadt kein Problem – auf dem Land dagegen schon eher. Wenn es nicht möglich sei, ohne Auto unterwegs zu sein, dann könne man dennoch sein Fahrverhalten kritisch betrachten, denkt der Nicht-Autobesitzer. „Viele wollen mehr Bewegung im Alltag, greifen aber beim Arbeitsweg dann doch wieder zum Auto und nicht zum Fahrrad, machen dann aber nach Feierabend Sport. Warum nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und den Weg zum Sport machen?“, schlägt Mellor vor. Auch auf dem Land werden außerdem mittlerweile alternative Mobilitätsangebote wie Carsharing oder Lieferdienste von Super- und Getränkemärkten angeboten. So können Großeinkäufe auch ohne eigenes Auto durchgeführt werden.

Tipps zu weniger PS: Auf einen Mobilitätsmix setzen

„Kein Auto haben heißt nicht kein Auto fahren“, betont der Düsseldorfer, der Verfechter eines Mobilitätsmixes ist. Für besondere Strecken nutzt der 33-Jährige im Alltag Carsharing-Angebote. „Vor allem wenn ich alleine unterwegs bin, und meine Eltern oder Freunde im ländlichen Raum besuchen will, ist ein gemietetes Auto schon praktisch.“ Pro Monat gibt er dafür circa 130 Euro aus. „Das entspricht ungefähr dem monatlichen Wertverlust eines Neuwagens“, sagt er. Für kleine Strecken innerhalb Düsseldorfs nutze die Familie aber stets die öffentlichen Verkehrsmittel. „Das geht einfach schneller, und man spart Nerven bei der Parkplatzsuche. Bei einem Mobilitätsmix kommt es darauf an, sich aus allen Welten das Beste zu nehmen.“

Tipps zu weniger PS: Über Angebote informiert sein

Damit die Alternativen zur Fortbewegung optimal genutzt werden können, bedarf es ein wenig Recherche. So empfiehlt Marcel Mellor verschiedene Carsharing-Anbieter zu vergleichen. Damit ihm dies leichter fällt, entwickelte er dafür sogar extra einen eigenen Carsharing-Rechner.

Auch bei den öffentlichen Verkehrsmitteln lohnt es sich, die Augen offen zu halten und rechtzeitig zu planen. „Wenn man Reisen frühzeitig angeht, dann erwischt man auch gute Angebote. Bei der Deutschen Bahn gibt es zum Beispiel Familienabteile, die es erleichtern, mit Kindern zu reisen. Bucht man rechtzeitig, kann man ein Solches für sich alleine reservieren. Viele wissen nicht einmal, dass es so etwas überhaupt gibt“, sagt der Düsseldorfer. In solchen Abteilen gibt es unter anderem Sitzplätze zum Malen und Spielen und Platz für den Kinderwagen.

Tipps zu weniger PS: Autofasten ausprobieren

Marcel Mellor ermuntert dazu, einfach einmal ein unverbindliches Experiment zu machen: das Auto für einen gewissen Zeitraum komplett stehen zu lassen. Dies macht vor einem Autowechsel Sinn, ist aber auch im normalen Alltag möglich. Von einer Woche bis hin zu mehreren Monaten ist alles denkbar. Innerhalb des Zeitraums kann dann festgestellt werden, in welchen Bereichen das Auto für einen zwingend nötig ist, aber auch, wo darauf verzichtet werden kann.

Carsharing

Beim Carsharing werden ein oder mehrere Autos gemeinschaftlich genutzt. Die Geschäftsmodelle dafür sind unterschiedlich. Entweder stehen die Fahrzeuge auf festen für den Zweck angemieteten Parkplätzen wie beispielsweise am Bahnhof oder sind im öffentlichen Raum verteilt. Die Buchung per Internet oder Telefon ist mittlerweile üblich. Das Auto kann dann für den individuell gewünschten Zeitraum reserviert werden. Je nach der Länge und Dauer der Fahrt fallen auch die Kosten aus.

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