Rettungsschwimmer schlagen Alarm

Wegen Corona-Regeln im Freibad: DLRG befürchtet mehr Badetote in NRW in diesem Jahr

Wegen der Corona-Regeln im Freibad könnte es in diesem Jahr mehr Badetote geben. Weil die Menschen auf Freigewässer wie Seen ausweichen. Die DLRG warnt.

  • Wegen der Corona-Regeln in Freibädern könnten in diesem Jahr mehr Menschen auf Freigewässer ausweichen.
  • Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft befürchtet deswegen mehr Badetote als in den Vorjahren.
  • Grund dafür sind unterschätzte Gefahren wie Strömungen in Flüssen, Seen oder Baggerlöchern.

Nordrhein-Westfalen - Wer in diesem Sommer einen spontanen Ausflug ins Freibad machen will, hat wegen der Corona-Regeln* schlechte Karten. Umso einfacher ist hingegen das Schwimmen in öffentlichen, frei zugänglichen Gewässern. Doch genau dort lauern tödliche Gefahren, vor denen die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) nun warnt, berichtet RUHR24.de*.

Organisation

Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG)

Gründung

19. Oktober 1913 (Leipzig)

Mitglieder

565.826 (2018)

Hauptstandort

Bad Nenndorf

NRW: Schwimmen im Freibad wird wegen Corona-Regeln zur Herausforderung

Wenn es im Sommer immer heißer wird und man dringend eine Abkühlung braucht, gibt es eigentlich nichts Schöneres als einen Besuch im Freibad. Doch genau der wird in diesem Jahr zur Herausforderung. Schuld ist die Corona-Pandemie.

An den Kassen sowie in geschlossenen Räumen gilt strikte Mundschutz-Pflicht. Im Freien kann man die Maske zwar abnehmen, doch beim Schwimmen und Liegen sollte stets ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden. Security-Mitarbeiter und Bademeister kontrollieren die Badegäste fortlaufend, ob sie die Regeln einhalten. Entspannung sieht anders aus. Dabei kann es sogar gefährlich werden, wenn die Personen zur Abkühlung vom Hitze-Sommer in NRW in Seen und Kanälen schwimmen gehen, warnt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). So ein Lichtsinn kann daher schlimme Folgen haben.

NRW: Eintrittskarten fürs Freibad vorher reservieren - Besuch wird schwieriger

Dazu kommt, dass man Eintrittskarten neuerdings online reservieren oder kaufen muss. Je nachdem wie voll es am gewünschten Datum ist, kann es dann sein, dass man kein Ticket mehr bekommt. Immerhin lassen die Bäder nur noch eine begrenzte Anzahl an Badegästen rein.

In manchen Freibädern, so zum Beispiel in Kamen-Mitte, kann man eine Eintrittskarte sogar nur für einen begrenzten Zeitpunkt kaufen. Entweder man geht von 7 bis 10 Uhr, 11 bis 14 Uhr oder von 15 bis 19 Uhr schwimmen. Der Preis von vier Euro pro Erwachsener lohnt sich da nur bedingt. 

NRW: Badegäste könnten vom Freibad auf freie Gewässer umsteigen und dort schwimmen gehen

Eine Alternative für Freibäder sind öffentlich zugängliche Seen, Baggerlöcher, Kanäle und Flüsse. Dort gibt es keine Corona-Regeln wie eine Mundschutz-Pflicht. Doch Vorsicht: Freie Gewässer bergen ungeahnte Gefahren.* Vor allem für ungeübte Schwimmer wie kleine Kinder.

Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft in Nordrhein-Westfalen befürchtet deshalb eine Zunahme an Badetoten in diesem Jahr. Hauptgrund dafür sei, dass die Gefahren in unbewachten Gewässern unterschätzt würden, so sagte Michael Grohe, Sprecher der DLRG Nordrhein, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur

NRW: Strömungen in Flüssen und Seen werden zur Lebensgefahr

Wegen der Corona-Regeln in Freibädern hält Grohe es für möglich, dass Menschen auf Seen oder Flüsse zum Schwimmen ausweichen könnten. Was viele aber nicht wissen: Solche Freigewässer haben meist reißende Strömungen, gegen die man kaum eine Chance hat.

Nicht jeder See ist automatisch ein Badesee wie dieser hier. Schwimmer sollten daher besonders aufpassen, sonst drohen ernsthafte Gefahren.

"Es ist unsere Sorge, dass sich mehr Menschen in Gefahr begeben, als das sonst schon der Fall ist", sagte der DLRG-Sprecher über die besondere Situation in diesem Sommer. 

Bereits 2019 ertranken in Nordrhein-Westfalen insgesamt 65 Menschen - die meisten von ihnen beim Schwimmen in Seen oder Flüssen. Ein Anstieg dieser Zahl gilt es trotz der diesjährigen Bedingungen zu vermeiden. Eine Alternative für Freibäder könnten bewachte Badeseen* sein. Doch auch dort gelten Corona-Regeln.

NRW: Besonders häufig Einsätze am Rhein - Schwimmen ist dort extrem gefährlich

Besonders häufig wurde die Düsseldorfer DLRG in diesem Jahr schon an den Rhein gerufen. 42 Einsätze hätten die ehrenamtlichen Retter bis Ende Juni bereits gehabt. Das sind mehr als im gesamten Jahr zuvor - 2019 gab es insgesamt 38 Einsätze auf dem Rhein.

Ein Grund für die Zunahme könnten die Umstände der Corona-Pandemie sein, so ein Sprecher. Wegen der Reise-Restriktionen bleiben viele Menschen in diesem Jahr zu Hause. Klassische Sommerferien mit mehrtägigem Urlaub gibt es kaum. Und ein Freibadbesuch ist wegen der oben genannten Gründe nicht gerade attraktiv.

NRW: DLRG hat viele Einsätze am Paradiesstrand in Düsseldorf 

Übermäßig viele Einsätze hätte es in diesem Jahr am Paradiesstrand in Düsseldorf gegeben, wo mehrere Schwimmer von der Strömung in den Fluss gezogen wurden. Tote gab es dort allerdings noch keine.

Die DLRG betont, dass man dem Rhein nicht auf Anhieb ansehe, wie stark seine Strömung ist. Das mache ihn so extrem gefährlich für Schwimmer. In Bonn hätten die Retter bereits Menschen persönlich vor den Gefahren gewarnt. Ob sie das aber wirklich vom Schwimmen dort abhält, bleibt abzuwarten.

Anfang August hat sich gezeigt, wie gefährlich Freigewässer sind. In NRW hat es an zwei Tagen tote, vermisste, aber auch zum Glück gerettete Schwimmer gegeben. 

Am Paradiesstrand in Düsseldorf hatte die DLRG in diesem Jahr schon besonders viele Einsätze. Grund sind Schwimmer, die von der Strömung mitgerissen wurden. Wer jedoch nicht tief ins Wasser geht, sollte keine Probleme bekommen. 

NRW/Hannover: Mädchen sterben bei Badeunfällen im See

In Hannover ist am Freitagabend (3. Juli) ein erst fünf Jahre altes Mädchen bei einem Badeunfall im Märchensee gestorben. Sie sei beim Spielen mit anderen Kindern plötzlich unter Wasser verschwunden. Nach zehn Minuten konnte das Mädchen schließlich aus dem Wasser gezogen werden. Trotz Wiederbelebungsversuche starb die Fünfjährige wenig später im Krankenhaus.

Auch in Nordrhein-Westfalen kam es am Freitag zu einem Badeunfall mit einem Mädchen. Eine Elfjährige geriet in einem See in Hückelhoven (Kreis Heinsberg)* unter Wasser. Ihre Freundin, den Polizeiberichten zufolge Nichtschwimmerin, versuchte mit dem Fahrrad Hilfe zu holen. Währenddessen sahen Spaziergänger den leblosen Körper im Wasser und riefen den Rettungsdienst. Das Mädchen verstarb noch am selben Tag im Krankenhaus. *RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © dpa/Marcel Kusch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare