Ein Blick hinter die Kulissen

"Flöz Mausegatt“ oder "Leckerhorst": So bekommen Rastanlagen ihre fantasievollen Namen

Die oft witzig klingenden Namen der Rastanlagen in NRW werden nach bestimmten Regeln vergeben.
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Die oft witzig klingenden Namen der Rastanlagen in NRW werden nach bestimmten Regeln vergeben.

Bei einer Fahrt über die nordrhein-westfälischen Autobahnen fallen die oft ungewöhnlichen Namen der Rastanlagen ins Auge. Doch so fantasievoll die Bezeichnungen auch klingen mögen, sie folgen einem festen Regelwerk.

  • Die Namensgebung der Raststätten folgt bestimmten Regeln.
  • Raststätten erhalten landschaftsbezogene Namen.
  • Verwechslungen zu Stadtteilen oder Orten sollen vermieden werden. 

Gelsenkirchen (straßen.nrw) -  Aktuell gibt es an den nordrhein-westfälischen Autobahnen 354 Rastanlagen und Autohöfe. „Unterm Hipperich“, „Am Blauen Stein“, „Flöz Mausegatt“, „Leckerhorst“ – bisweilen scheinen deren Namen alles andere als alltäglich.  Straßen.NRW blickt in Sachen Namensvergabe hinter die Kulissen und erklärt das Regelwerk. 

„Tatsächlich erfolgt die Namensgebung gemäß den ,Empfehlungen für Rastanlagen an Straßen‘“, erklärt Steffen Scholz, Sachgebietsleiter Einzelplanung bei Straßen.NRW. „Diesen Empfehlungen zufolge erhalten Rastanlagen auf Bundesautobahnen landschaftsbezogene Namen.“ Die jeweiligen Bezeichnungen richten sich also nach geografischen Objekten in der Nähe, also nach Landschaften, Flüssen oder Bergen.

Dabei werden Unterschiede gemacht. Scholz: „Bei unbewirtschafteten Rastanlagen geben Orte in unmittelbarer Nähe den Namen vor. Bei bewirtschafteten Anlagen wird ein größerer Raum bei der Namensfindung einbezogen.“

Namensgebung aus dem Bergbau

Kein Wunder also, dass die Bezeichnungen im Ruhrgebiet unter anderem Themen des Bergbaus aufgreifen: So hat etwa der Rastplatz „Flöz Mausegatt“ an der A 45 zwischen dem Dreieck Dortmund/Witten und der Ausfahrt Dortmund-Süd seinen Namen von einem Steinkohleflöz, das unter anderem in Witten, Sprockhövel und Dortmund-Oespel abgebaut wurde. „Gatt“ bezeichnet dabei im Niederdeutschen einen sehr schmalen Gang – ein unter Kumpeln berüchtigtes, weil gefährliches Abbaugebiet.

„Unterm Hipperich“ an der A 45 bei Olpe wiederum weist auf eine Anhebung hin: Der Hipperich ist ein 352 Meter hoher Berg in der Nähe von Wiehl im Oberbergischen Kreis. Gleiches gilt für den „Leckerhorst“ an der A 46 zwischen Iserlohn und Oestrich: eine Anhöhe von 235 Metern südlich der Autobahn. 

„Blaue Steine“ wiederum sind in Deutschland häufige Flurbezeichnungen, die ihren Ursprung in der Geschichte haben: Sie beziehen sich auf ehemalige Grenzsteine oder Kultstätten. Ein blauer Gerichtsstein etwa befindet sich noch heute auf dem Rastplatz „Am Blauen Stein“ an der A 61 zwischen Swisttal-Heimerzheim und Weilerswist.

Doch wer legt die Namen der Rastanlagen eigentlich fest? „Die Bezeichnungen werden in Deutschland von den jeweils zuständigen Straßenbauverwaltungen vorgeschlagen“, so Scholz. In Nordrhein-Westfalen ist dies Straßen.NRW. „An den Bundesautobahnen entscheidet letztendlich jedoch das Bundesverkehrsministerium.“

Verwechselungen an Rastanlagen vermeiden

Und das stellt für die Vergabe durchaus noch weitere Regeln auf: Beidseitige Anlagen beispielsweise, auch wenn sie versetzt angeordnet sind, erhalten den gleichen Namen. Eine Übereinstimmung der Namen mit Knotenpunkten und anderen Rastanlagen wiederum sollte unbedingt vermieden werden, so Straßen.NRW weiter.  Bei neueren Parkplätzen gilt zudem, dass keine Namen von Orten oder Stadtteilen mehr vergeben werden. Auf diese Weise soll die Verwechslungsgefahr mit Autobahnabfahrten minimiert werden.

Und auch in anderer Hinsicht kommt man vor allem ortsfremden Verkehrsteilnehmern entgegen: Denn nicht nur die Beschilderung direkt an den Autobahnen nennt den Namen der jeweiligen Rastanlage, sondern auch Schilder innerhalb der Anlage. 

Und: Im Gegensatz zur Streckenbeschilderung muss bei beidseitigen Anlagen gleichen Namens auch die geografische Zusatzbezeichnung – Nord, Süd, Ost oder West – angegeben werden. Sicher ist sicher. -eB

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