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Vater ist Corona-Leugner: Tochter gründet eine Selbsthilfegruppe

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Von: Florian Forth

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Die Corona-Pandemie stellt viele Beziehungen auf die Probe. Schwierig wird es, wenn eine Seite die Realität verlässt und plötzlich an „alternative Fakten“ glaubt. Eine Studentin aus Bochum will nun gegensteuern.

Bochum – Sachliche Kritik an den Maßnahmen der Regierung ist das eine, mancher wittert hinter der Corona-Pandemie* jedoch eine große Verschwörung. So auch der Vater einer Studentin aus Bochum*. Sie hat diese Situation schwer belastet, berichtet die WAZ. Jetzt will sie anderen Betroffenen helfen, weiß RUHR24*.

StadtBochum, NRW
ThemaSelbsthilfegruppe
BetroffeneAngehörige von Corona-Leugnern

Bochum: Vater ist Corona-Leugner – Studentin startet Selbsthilfegruppe

Unter dem Titel „Papa glaubt an Verschwörungen“ erzählt die WAZ die Geschichte einer Studentin (30) aus Bochum. Nach anfänglicher Skepsis habe ihr Vater nach und nach an Verschwörungstheorien rund um die Corona-Krise geglaubt. Der Ingenieur leugnet anschließend erst die Existenz des Virus, dann die ganze Pandemie.

Als der Ingenieur die Situation der Ungeimpften in einem Telefonat mit jener der Juden im Holocaust vergleicht, reicht es der jungen Frau. Sie bricht das Gespräch ab, versucht irgendwo Hilfe zu finden. Doch vergebens. Die nächste Anlaufstelle für Angehörige von Corona-Leugnern findet sie erst in Berlin.

Selbsthilfegruppe für Angehörige von Corona-Leugnern in Bochum startet online

Kurzerhand beschließt die junge Frau zusammen mit ihrem Freund, eine eigene Selbsthilfegruppe ins Leben zu rufen. Beide wollen laut dem Bericht aus Angst vor Anfeindungen anonym bleiben, aber trotzdem anderen Betroffenen helfen. Sie wollen sich mit anderen über ihre Erfahrungen austauschen und darüber, welche Strategien im Umgang mit Corona-Leugnern* helfen.

Laufen soll das ganze unter dem Dach der Paritätischen in Bochum. Der Wohlfahrtsverband bietet bereits viele Selbsthilfegruppen an, etwa bei körperlichen oder psychischen Erkrankungen. Ein erstes Online-Treffen für Angehörige von Corona-Leugnern ist demnach für den 26. Januar (Mittwoch), 18 Uhr, geplant.

Was raten Experten im Umgang mit Corona-Leugnern?

Auf Verschwörungstheorien kann prinzipiell jeder hereinfallen, insbesondere wenn er Angst und Unsicherheit verspürt, warnt Sekten-Info NRW. Wer einer Verschwörungserzählung anhängt, glaubt häufig an eine Elite, die für echte oder gefühlte Missstände verantwortlich ist. Verschwörungstheorien wirken zunächst in sich schlüssig, werden oft mit Fake-News belegt, teilen die Welt in Gut und Böse ein – und sorgen so für einfache Orientierung.

Scheint ein Verwandter oder Bekannter einer solchen Geschichte Glauben zu schenken, könne es sich anfangs noch lohnen, über die Mechanismen und Schein-Argumente der Verschwörungstheoretiker aufzuklären und Faktenchecks zu üben, rät die Sektenhilfe.

Eine Frau trägt nach einer „Querdenker-Demo“ das Schild: „Kinder brauchen Freiheit und Sicherheit“
Eine Frau trägt nach einer „Querdenker-Demo“ das Schild: „Kinder brauchen Freiheit und Sicherheit“ © Frank Rumpenhorst/dpa

Davon lassen sich echte Verschwörungsgläubige aber nicht mehr beeindrucken. Sucht man dennoch das Gespräch, rät die Bundesregierung, sich vorab gut zu informieren und lieber wenige, aber gute Argumente gegen die jeweilige Theorie zu liefern. Zudem sollte man besser gefühlvoll mit Betroffenen sprechen und keinen Druck ausüben, so schwer es auch fallen mag. Auch offene Fragen zu stellen oder Tipps zu Artikeln, Podcasts oder Filmen zu Thema zu geben, könne Betroffenen helfen, selbst aus ihrem Verschwörungsdenken herauszufinden.

Corona-Verschwörungstheorien: Kontakt abbrechen?

Gelingt es trotzdem nicht, Verwandte oder Freunde aus dem Strudel kruder Ideen herauszuholen, raten selbst Experten dazu, sich zumindest vorübergehend zurückzuziehen. Sonst drohe einem auf Dauer selbst die Erschöpfung.

Den Kontakt zu ihrem Vater hat die Studentin aus Bochum übrigens nicht abgebrochen. Stattdessen sehe sie „kleine Erfolge“, zitiert sie die WAZ. Dabei denkt sie bereits jetzt daran, wie die Menschen nach der Pandemie miteinander umgehen werden. Auch dazu kann die neue Selbsthilfegruppe in Bochum vielleicht beitragen. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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