Feuerwehr sieht „deutliche Vorteile“

Armin Laschet kündigt nach Flut-Katastrophe neues Warnsystem für NRW an

Nach der verheerenden Hochwasser-Katastrophe in NRW gibt es viel Kritik am Katastrophenschutz. Jetzt kündigte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ein neues Warnsystem an.

Düsseldorf – Lange hat sich das Land NRW* bei Krisen auf Sirenen, Warn-Apps und Radiodurchsagen verlassen, berichtet RUHR24*. Nach der Hochwasserkatastrophe, die auch das Ruhrgebiet traf, soll nun ein neues System eingeführt werden: „Cell Broadcast“.

BundeslandNordrhein-Westfalen
SystemCell Broadcast
MinisterpräsidentArmin Laschet (CDU)

NRW: Armin Laschet kündigt „Cell Broadcast“ zur Warnung vor Katastrophen an

Wobei an dem System des „Cell Broadcasting“ an sich eigentlich nichts neu ist. Vorstellen muss man es sich so: Alle Personen, die in der Krisenregion ins Mobilfunknetz eingeloggt sind, bekommen automatisch eine Nachricht auf ihr Handy oder Smartphone gespielt. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine klassische SMS, sondern vielmehr um eine Push-Nachricht, die bis zu 1395 Zeichen haben kann.

In der Nachricht werden die Menschen in der entsprechenden Region persönlich vor einer Gefahr gewarnt. Das können Hochwasser, Brände oder andere Gefahrenlagen sein. Ein „Cell Broadcast“ ist deutlich persönlicher und kleinteiliger, als eine Sirene oder vage Angaben im Radio es sind. Der Vorteil: Die Nachricht geht auch dann durch, wenn das Mobilfunknetz bereits überlastet ist.

Armin Laschet (CDU): „Cell Broadcast sollte ermöglicht werden – am besten bundesweit“

Diese direkten Handy-Warnungen sollen bald auch bei Katastrophen wie dem Hochwasser in NRW* möglich sein. Das kündigte Ministerpräsident Armin Laschet am Donnerstag (22. Juli) in Düsseldorf an. „Das sogenannte Cell Broadcasting sollte jetzt ermöglicht werden – am liebsten bundesweit“, sagte Laschet.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kündigte „Cell Broadcast“ für NRW an.

Wo Gefahr drohe, müsse „zielgenau informiert werden“, sagte Armin Laschet. Wenn der Bund „Cell Broadcasting“ nicht zeitnah in ganz Deutschland einführe, würde NRW die Vorreiterrolle einnehmen, sagte der Ministerpräsident. Wann es so weit sein soll, ist aber noch unklar.

„Cell Broadcast“ in NRW: Funktioniert mit jedem Handy und auch bei überlastetem Netz

Zuletzt hatte es Bedenken beim Datenschutz gegeben. Die sind jedoch unangebracht: Auch andere Länder in der EU, in denen ebenfalls die Datenschutzgrundverordnung gilt, nutzen diese Technik bereits. Da die Nachricht nur in Richtung der Bürger gesendet wird, werden keine Informationen über Aufenthaltsort oder Nutzerdaten gesammelt.

Ein Smartphone ist dazu nicht nötig, ein normales Handy reicht. „Cell Broadcasting“ funktioniert selbst dann, wenn das Mobiltelefon in den Flugmodus geschaltet wurde. So wird jede Person mit angeschaltetem Telefon automatisch gewarnt, ohne dass sie zuvor eine App wie „Nina“ oder „Katwarn“ installieren müssen.

Nach Hochwasser in NRW: Verband er Feuerwehren fordert Broadcast-Warnsystem

Auch der Verband der Feuerwehren in NRW hat sich am Donnerstag (22. Juli) für ein solches Warnsystem ausgesprochen: „Die Vorteile sind dermaßen deutlich, dass man dieses System nicht guten Gewissens ablehnen kann“, wird Bernd Schneider, stellvertretender Vorsitzender des Verbandes, in einer Pressemitteilung zitiert. Die Einführung dürfe nicht an der Finanzierung oder rechtlichen Fragen scheitern. „Der Schutz von Menschenleben muss es wert sein“, sagt Schneider.

Kosten soll das System bundesweit laut Schätzungen rund 20 bis 40 Millionen Euro, berichtet der Spiegel. Das ist angesichts der angerichteten Zerstörung sowie der Menschenleben, die dadurch gerettet werden könnten, eher zu vernachlässigen. Ein Test aus den Niederlanden zeigte 2020: Rund 90 Prozent der Bürger haben die Warnung bekommen. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch, Bernd von Jutrczenka/dpa; Collage: RUHR24

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare