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A445: Baustart dürfte noch Jahre dauern - Das sind die Gründe

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Von: Jörg Beuning

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Die Autobahn 445 bei Werl soll bis nach Hamm weitergebaut werden.
Die Autobahn A445 bei Werl soll bis nach Hamm weitergebaut werden. © Maaß

Bis zum Baustart des neuen Teils der Autobahn A445 zwischen Werl und Hamm dürfte es noch Jahre dauern. Aktuell erfolgen die notwendigen Ausgleich- und Ersatzmaßnahmen.

Rhynern/Werl – Es war der Meilenstein auf dem Weg zum Weiterbau der Autobahn 445. Vor einem Jahr wurde das Planfeststellungsverfahren für die Straße zwischen Werl und Hamm als Verbindung von A445 und A2 abgeschlossen. Damit gilt quasi Baurecht. Doch bis das erste Fahrzeug über den neuen Asphalt fahren wird, könnten noch gut und gerne zehn Jahre ins Land ziehen. Und da sind die Klagen vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig noch gar nicht einbezogen.

Was ist eigentlich seit der Verkündung der Planfeststellung passiert? In erster Linie geht es derzeit um Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme. Die nennen sich CEF-Maßnahmen. Dabei handelt es sich um Maßnahmen zur dauerhaften Sicherung der ökologischen Funktion (continuous ecological functionality).

Sie erfolgen aktuell zwischen Werl und Hilbeck. Christopher Köster, Sprecher der Autobahn GmbH beschreibt die Maßnahmen so: „Hier werden Bruthabitate für die Greifvogelarten Mäusebussard und Baumfalke gesichert und optimiert. Weiterhin wird eine Ackerfläche aus der Nutzung genommen und zukünftig ohne den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln gepflegt. Durch die Anlage einer Obstwiese wird ein weiterer artenreicher Lebensraum entwickelt.“

Tierische Gründe für lange Wartezeit

Damit nicht genug: „In den kommenden Jahren ist eine Vielzahl von Flächen östlich und westlich der neuen Trasse als Lebensraum für Vogel-, Fledermaus- und Amphibienarten herzurichten“, so Köster zu den umfangreichen und offenbar langwierigen Aufgaben. „Im Vordergrund stehen dabei typische Arten der offenen Feldflur wie der Feldsperling, die Feldlerche und das Rebhuhn. Aber auch neue Wald- und Gehölzflächen sowie Kleingewässer werden unter anderem für Zwerg- und Bartfledermaus, Laubfrosch und Kammmolch angelegt.

Dadurch wird der eigentliche Baustart noch Jahre auf sich warten lassen. Denn: „Erst nach Anerkennung der durchgeführten CEF-Maßnahmen durch die zuständigen Fachbehörden kann der örtliche Baubeginn erfolgen“, erklärt Köster. Einen Termin für den Baustart könne er ohnehin nicht nennen. „Vor dem Hintergrund des laufenden Gerichtsverfahrens und der finanziellen Mittelzuweisung im Bundeshaushalt kann hierzu kein konkreter Termin genannt werden“, beantwortet Köster die Frage nach dem zeitlichen Ablauf.

Zumindest eine Zeitangabe konnte er dann doch treffen: „Für das Gesamtprojekt ist eine Bauzeit von sechs Jahren veranschlagt worden.“ Da die CEF-Maßnahmen wie erwähnt in den „kommenden Jahren“ durchgeführt werden, ist wohl damit zu rechnen, dass noch mindestens zehn Jahre vergehen werden, bis die Straße freigegeben wird.

Klagen

Beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig liegen zwei Klagen vor. Sie richten sich gegen die Bezirksregierung Arnsberg als Planfeststellungsbehörde mit dem Ziel, den Weiterbau der Autobahn 445 zu verhindern. Es handelt sich um die Klage eines Naturschutzverbandes und die Klage einer Privatperson. Wann die mündlichen Verhandlungen der beiden Verfahren in Leipzig stattfinden werden, steht noch nicht fest. Zuletzt war von einer Gerichtssprecherin kommuniziert worden, dass sie im ersten Halbjahr 2022 terminiert werden. Das kann nun Steffi Schneider von der Pressestelle des Bundesverwaltungsgerichts ausschließen. Auf Anfrage teilte sich mit, dass die Verhandlungen nicht mehr im ersten Halbjahr stattfinden werden.

Zehn Jahre allein für Planfeststellung

Zehn Jahre waren auch ins Land gezogen, bis die Planfeststellung für das nur acht Kilometer lange Teilstück der Autobahn 445 endlich abgeschlossen war. Noch kurz vor Beendigung dieses Verfahrens war der Verlauf der Straße aus Naturschutzgründen verändert worden. Sie soll nun deutlich näher am Ort Hilbeck vorbeiführen. Eine Beschwerde der Stadt Werl mit einem anderen Vorschlag wurde abgelehnt.

Der Neubau schließt an das heutige Autobahnende der A445 bei Sönnern an. Die heutige Ausfahrt zur Bundesstraße 63 fällt weg. Die Abfahrt Werl wird weiter nördlich neu gebaut und mit dem ebenfalls noch zu verlängernden Hansering im Werler Norden verknüpft. Östlich der B 63 wird die Autobahn auf einem Damm in sechs meter Höhe in Richtung Hamm gebaut. Bei Kump wird die Autobahn die Werler Straße überqueren, in Höhe der Straße „Im Sutenkamp“ entsteht eine Anschlussstelle, zu der die ebenfalls noch zu bauende Landesstraße 667n (Verlegung der Unnaer Straße) führen wird. Zwischen dem Möbelhaus Höffner und der Autobahnbrücke Unnaer Straße wird die A445 in einem Autobahndreieck an die A2 angebunden.

Während in Hilbeck eine etwa zehn Meter hohe Lärmschutzwand errichtet wird, haben von Lärm betroffene Anwohner auf Hammer Stadtgebiet lediglich Anspruch auf passiven Lärmschutz an ihren Wohnungen.

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