Kritik von der Landesregierung

„No-Covid“-Strategie in NRW? Oberbürgermeisterin will Inzidenz von unter 10

Während eisern über Lockerungen der Corona-Maßnahmen nach dem Lockdown debattiert wird, strebt ein Stadtoberhaupt in NRW einen noch härteren Kurs an.

Köln - Dass der Lockdown über den 14. Februar hinaus verlängert wurde, war zu erwarten. Die Corona-Zahlen in Deutschland sinken, aber nicht schnell genug. Trotz Verlängerung bis zum 7. März stehen in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern die Zeichen aber schon auf Öffnung. Friseure, Schulen, Kitas - das öffentliche Leben soll allmählich wieder hochfahren. Henriette Reker, Oberbürgermeisterin von Köln, will sich mit dem aktuell angestrebten Inzidenz-Ziel von 35 aber nicht zufrieden geben. (News zum Coronavirus)

StadtKöln
BundeslandNordrhein-Westfalen
Einwohner1,061 Millionen (2016)

„No-Covid“-Strategie in NRW? Stadtoberhaupt fordert härteren Kurs gegen Corona

Die Forderung von Kölns Stadtoberhaupt polarisiert: Henriette Reker möchte für ihre Stadt einen Inzidenzwert von 10. Das teilte die parteilose Politikerin am Mittwoch mit. Man solle „daran arbeiten, die Inzidenz Richtung 10 zu drücken und sie dann - das ist das Wichtigste - dort zu halten“. Am Mittwoch (17. Februar) lag die 7-Tage-Inzidenz von Köln laut Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen bei 64,9.

Wie 24rhein.de* berichtet, teile die Oberbürgermeisterin die Auffassung der Expertengruppe, die die sogenannte „No-Covid“-Strategie entwickelt hat. Der Krisenstab der Stadt Köln befasse sich in den kommenden Tagen mit den Überlegungen zur „No-Covid“-Strategie, heißt es weiter. Konkrete Vorstellungen sollen demnach am Montag im Hauptausschuss besprochen werden.

„No-Covid“-Strategie in NRW? Henriette Reker strebt für Köln einen Inzidenzwert von 10 an

Womöglich wünscht derzeit jeder einen solch niedrigen Wert, wie ihn Reker anstrebt. Aber eine Inzidenz von 10 scheint sowohl bundesweit als auch in NRW noch in weiter Ferne zu liegen. Laut Robert-Koch-Institut verlangsamt sich der Rückgang der Corona-Zahlen in Deutschland aktuell. Im bevölkerungsreichsten Bundesland stagniert der Inzidenzwert, während sich die britische Virus-Mutation weiter ausbreitet.

Welche Auswirkungen diese Entwicklung auf die geplanten Lockerungen in NRW haben wird, bleibt abzuwarten. Am 22. Februar sollen die Schulen mit einem Wechselmodell zumindest teilweise wieder zur Normalität zurückkehren, ab einer Inzidenz von 50 ist der Präsenzunterricht für Grundschüler geplant. Und auch Kitas werden bald wieder alle Kinder in ihren Einrichtungen empfangen, wenn auch zunächst mit Einschränkungen.

Damit handeln NRW und der Rest von Deutschland komplett gegensätzlich zur „No-Covid“-Strategie. Das Konzept sieht nämlich vor, durch strikte Kontakt- und Mobilitätsbeschränkungen sowie strenge Quarantäne-Regeln den Inzidenzwert Richtung 0 zu drücken.

„No-Covid“-Strategie in NRW? Kölns Oberhaupt fordert strengeren Kurs - Kritik von der Landesregierung

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet fand jüngst in der Lockerungs-Debatte ungewohnt deutliche Worte. Er warnte vor einem einseitigen Fokus auf den Inzidenzwert und sagte: „Man kann nicht immer neue Grenzwerte erfinden, um zu verhindern, dass Leben wieder stattfindet.“ Aussagen, für die der CDU-Vorsitzende heftige Kritik erntete. Wenig später bekräftigte er seinen Standpunkt aber noch einmal: „Ab einem Wert von 35 muss es für weite Teile des gesellschaftlichen Lebens Lockerungen geben. Ansonsten verspielen wir Glaubwürdigkeit.“

Es ist also nicht verwunderlich, dass Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker für ihre Pläne zunächst keine Unterstützung in der NRW-Landesregierung fand. Ein Sprecher sagte dem Kölner Stadt-Anzeiger, um die Infektionszahlen dauerhaft zu senken, müssten möglichst alle Beteiligten an einem Strang ziehen.

Henriette Reker, Oberbürgermeisterin von Köln, fordert im Kampf gegen Corona einen härteren Kurs.

Umso wichtiger sei es, bei klaren Orientierungsgrößen zu bleiben. Daher seien im November 2020 im Infektionsschutzgesetz des Landes NRW bei der Sieben-Tage-Inzidenz die Marken von 50 und von 35 festgelegt worden. „Diskussionen über ständig neue, noch tiefere Inzidenzwerte schwächen die Akzeptanz und gerade jetzt ist Verlässlichkeit wichtig“, unterstrich der Sprecher.

„No-Covid“-Strategie in NRW? Henriette Reker fordert „kurze, aber harte Maßnahmen“ in Köln

Reker gab wiederum zu bedenken, dass es zu Frust und Ermüdung führe, von einem Lockdown in den Nächsten zu gehen. „Wir müssen die Zahl der Neuinfektionen auf ein Niveau senken, das so niedrig ist, dass unsere Gesellschaft damit gut umgehen kann. Aus Sicht von Experten wäre das Virus bei einer Inzidenz um die 10 gut beherrschbar – bezogen auf unser Gesundheitssystem und die Wirtschaft.“

Dem Kölner Stadt-Anzeiger sagte die parteilose Oberbürgermeisterin, dass es dem Land geschadet habe, „dass wir - damit meine ich Bund, Länder und Kommunen gleichermaßen - oftmals zu zögerlich waren“, berichtet merkur.de*.

Sollte es zu einem erneuten Ansteigen der Inzidenz kommen, halte Reker „kurze, aber harte Maßnahmen“ für zielführend, um einen Anstieg im Keim zu ersticken. - *24rhein.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Marius Becker/dpa

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