31-Jährige kam mit Blutungen in Klinik

Polizei findet Baby in zugeknotetem Müllsack - Mutter spricht von "Ängsten"

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Hinter dem Wohnhaus der Frau in Kierspe fand die Polizei das neugeborene Mädchen. 

[Update] Die Polizei hat am Freitag in Kierspe ein Neugeborenes im Müll gefunden. Der Säugling lag hinter einem Haus im Garten, fest in Handtücher gewickelt und in einem zugeknoteten blauen Müllsack abgelegt. Das Mädchen lebt. Die Mutter hatte offenbar unbemerkt zuhause entbunden. Als sie Blutungen bekam, rief ihr Verlobter einen Rettungswagen. Im Krankenhaus fiel dann auf, dass die 31-Jährige gerade ein Kind zur Welt gebracht haben musste. 

Kierspe - Die Frau war am Freitagmittag im Klinikum Hellersen in Lüdenscheid behandelt worden, nachdem sie mit starken Blutungen per Rettungswagen eingeliefert worden war. Ihr Verlobter soll geglaubt haben, sie leide unter "Magen-Darm-Beschwerden". 

Die Blutungen waren so stark, dass die 31-Jährige einer Notoperation unterzogen werden musste - dabei entdeckten die Ärzte, dass die Frau ein Kind zur Welt gebracht haben musste. 

Die schnelle Reaktion der leitenden Ärztin habe dazu beigetragen, "dass das Kind noch lebt", kurze Zeit später wäre es wohl in dem Müllsack erstickt, erklärte der zuständige Staatsanwalt Michael Burggräf am Montag. Nach dem Alarm und einer hektischen Suche fanden zwei Beamte das wimmernde Bündel hinter dem Wohnhaus der Frau in Kierspe - im Müll.

In Handtücher gewickelt wurde das Neugeborene in einem zugeknoteten Müllsack zwischen weiterem Unrat abgelegt.

Laut Angaben der Beamten war das Baby vollständig - auch mit Kopf und Gesicht - in zwei Handtücher gewickelt und in einem zugeknoteten Müllsack zwischen Hausmüll und weiterem Unrat abgelegt worden. Mutmaßlich war das Baby etwa drei Stunden lang dieser Situation ausgeliefert.

Als Polizisten das Mädchen entdeckten, war dessen Körpertemperatur bereits drastisch auf nur noch 31 Grad Celsius gesunken. Auch der Sauerstoff hätte wohl nicht mehr lange gereicht. Es wurde noch vor Ort versorgt. Derzeit bestehe keine Lebensgefahr für das Neugeborene, das weiter im Klinikum Lüdenscheid betreut wird. 

Baby in der Obhut des Jugendamts 

Bereits am Vormittag hatte die Behörde mitgeteilt, dass das Baby vom Jugendamt in Obhut genommen wurde; gegen die Mutter wurde Untersuchungshaft angeordnet. Auch die einjährige Schwester des Babys wird seit dem Wochenende vom Jugendamt betreut.

Die Mordkommission und die Staatsanwaltschaft Hagen haben Ermittlungen wegen des Verdachts des versuchten Totschlags aufgenommen. Der Frau wurde am Montag eine Verteidigerin beigeordnet.

Staatsanwalt Michael Burggräf, Andreas Möller von der Hagener Mordkommission und MK-Polizeichef Michael Kuchenbecker (v.l.) bei der Pressekonferenz am Montag.

Während einer Pressekonferenz am Montagnachmittag waren auch Informationen zu den Familienumständen der 31-Jährigen bekannt geworden. Demnach handele es sich um eine "intakte" Familie. 

Die Frau sei bereits Mutter einer einjährigen Tochter und lebte mit ihrem Verlobten zusammen, dem Kindsvater, der auch ein weiteres Kind aus einer vorherigen Beziehung gelegentlich bei sich zuhause zu Gast hatte. 

Die Frau sei bisher nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten, erklärte die Polizei. Es lägen auch keine Informationen vor, dass sie beim Jugendamt auffällig geworden wäre.

Der Polizeichef des Märkischen Kreises, Michael Kuchenbecker, nannte den Fall "tragisch, fast unglaublich." 

Familie wusste offenbar nichts von Schwangerschaft 

Ersten Erkenntnissen zufolge habe niemand aus der Familie von der Schwangerschaft der 31-Jährigen gewusst, heißt es. Der Verlobte sei am Freitag von Magen-Darm-Beschwerden bei seiner Partnerin ausgegangen. Er rief um 9.10 Uhr einen Krankenwagen, obwohl sie das nicht gewollt habe. 

Gegenüber den Ärzten schwieg die Frau. Später sprach sie bei der Polizei von Ängsten. "Sie habe das Kind wegbringen wollen, sagte sie, wie auch immer", erklärte der Chef der Mordkommission, Andreas Möller, am Montag. 

Die Frau hatte in den frühen Morgenstunden allein, ohne medizinische Hilfe entbunden. Als Polizisten das Mädchen fanden, hatte es seit etwa drei Stunden in der Abfalltüte gelegen. 

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