„Es ist erbärmlich, dass die EU so lange zugeschaut hat“

Nach Großbrand in Moria: NRW will bis zu 1000 Flüchtlinge aus Griechenland aufnehmen

Das Flüchtlingscamp Moria ist nahezu vollständig abgebrannt. NRW-Ministerpräsident Laschet kündigt Soforthilfe an: NRW soll doppelt so viele Flüchtlinge aus dem griechischen Camp aufnehmen wie bislang geplant.

Düsseldorf/Lesbos - Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will in NRW bis zu 1000 Flüchtlinge aus dem fast vollständig abgebrannten griechischen Flüchtlingscamp Moria aufnehmen. Das kündigte der CDU-Politiker am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf an.

„Die Bilder aus Moria sind bestürzend. Die Menschen auf der Flucht haben nach dem Feuer alles verloren, selbst das einfache Dach über dem Kopf“, erklärte er seinen Vorstoß. „Hier ist schnelle humanitäre Hilfe erforderlich.“ Er habe dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis bereits direkte Hilfe angeboten. „Wir brauchen jetzt beides: Eine schnelle Soforthilfe für Moria und eine nachhaltige, europäische Hilfe bei der Aufnahme von Kindern und Familien.“

NRW will bis zu 1000 Flüchtlinge aus Griechenland aufnehmen

Der Bundesregierung habe er Unterstützung bei der Ausstattung angeboten - "mit Zelten, Medikamenten und allem, was es jetzt besonders dringend braucht", berichtete Laschet. "Jetzt kommt es darauf an, dass Griechenland genau sagt, was es braucht. Der Hilferuf aus Moria wird in Nordrhein-Westfalen gehört."

Nach Angaben von Landesflüchtlingsminister Joachim Stamp (FDP) vom Dienstag hatte NRW bislang 105 geflüchtete kranke Kinder und deren engsten Familienangehörigen von den griechischen Inseln aufgenommen und zunächst Bereitschaft für die Aufnahme von insgesamt 500 signalisiert.

Es ist erbärmlich, dass die EU so lange zugeschaut hat, bis es in Moria zu dieser Eskalation gekommen ist“, kritisierte Stamp am Mittwoch. „Deutschland hat die Ratspräsidentschaft inne und trägt Verantwortung.“ Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Außenminister Heiko Maas (SPD) seien untätig geblieben. „Wenn die EU nicht in der Lage ist, wenige Tausend Migranten menschenwürdig unterzubringen, ist das eine Bankrotterklärung der europäischen Werteordnung.“

Großbrand in Flüchtlingscamp Moria - Regierung geht von Brandstiftung aus

Anfang August hatten Laschet und Stamp das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos besucht, um sich ein Bild von den Zuständen im völlig überfüllten Camp zu machen. In der Nacht zum Mittwoch wurde das größte Flüchtlingslager Griechenlands und Europas durch einen Großbrand nahezu vollständig zerstört worden. Verletzt wurde nach vorläufigen Angaben niemand.

Die griechische Regierung geht von Brandstiftung aus. Moria gilt mit derzeit etwa 12.600 Bewohnern als das größte Flüchtlingslager Europas - diese Menschen sind nun obdachlos. An den dortigen Zuständen gibt es seit Jahren massive Kritik. Zuletzt war das Lager wegen mehrere Corona-Fälle unter Quarantäne gestellt worden. Das sorgte für Unruhen unter den Migranten. - dpa

Rubriklistenbild: © Manolis LAGOUTARIS / AFP

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