(Noch) Keine Bestätigung von Staatsanwälten

Nach Mord im Sauerland von 1989: Tatverdächtiger soll gestorben sein

Entwicklung im Mordfall Plettenberg von 1989: Der Tatverdächtige Spiridon K. soll laut griechischen Medienberichten gestorben sein.
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Entwicklung im Mordfall Plettenberg von 1989: Der Tatverdächtige Spiridon K. soll laut griechischen Medienberichten gestorben sein.

Durch einen Zufall wurde ein Mord in Plettenberg im Sauerland (NRW) nach 31 Jahren mutmaßlich aufgeklärt. Der griechische Tatverdächtige sollte nach Deutschland ausgeliefert werden. Doch dazu kommt es nicht.

  • Spiridon K. soll 1989 in Plettenberg im Sauerland (NRW) eine Frau ermordet haben.
  • Zu einer Auslieferung nach Deutschland wird es aber wohl doch nicht kommen.
  • Laut Medienberichten ist der Tatverdächtige in seiner Heimat Griechenland gestorben.

Plettenberg - Übereinstimmenden griechischen Medienberichten zufolge ist Spiridon K. vor wenigen Tagen in Griechenland gestorben, schreibt Come-On.de*. Sowohl die deutsche als auch die griechische Staatsanwaltschaft konnten die Meldung nicht bestätigen.

Dabei wäre eine Auslieferung des ehemaligen Gastarbeiters durchaus möglich gewesen: Der Einspruch, der gegen seinen Auslieferungsantrag* gestellt worden war, war nämlich von den griechischen Behörden abgelehnt worden.

Mord in Plettenberg: Tatverdächtiger laut griechischen Medien gestorben

Letztendlich musste die Hagener Staatsanwaltschaft nur noch warten, bis der Gesundheitszustand des mutmaßlichen Mörders von Plettenberg eine Überführung aus Griechenland zugelassen hätte.

Denn Spiridon K. soll bis zuletzt im Koma gelegen haben, griechische Medien – unter anderem die Zeitung Proto Thema – berichten, dass er außer einer Kopfverletzung auch schwere Lungen-Problemen gehabt habe und an einer Beatmungsmaschine angeschlossen gewesen sein soll. Die Kopfverletzung habe sich der 69-Jährige bei einem Sturz zugezogen.

Laut griechischer Medien wie Proto Thema, Athensmagazine und sinidisi.gr soll Spiridon K. in den vergangenen Tagen in einem Athener Krankenhaus verstorben sein. Die Beerdigung in seinem Heimatdorf nahe der Küstenstadt Preveza soll auch bereits erfolgt sein.

Mord im Sauerland: Spiridon K. zwischen Gefängnis und Krankenhaus

Der Haftbefehl aus Deutschland wegen Mordes war über Jahrzehnte bestehen geblieben. Der griechischen Polizei war es nicht gelungen, Spiridon K. ausfindig zu machen. Erst der Zufall half: Nach einem epileptischen Anfall stellte die hinzugerufene Polizei am 29. April 2020 die Personalien von Spiridon K. fest und sah dabei auch, dass ein Haftbefehl vorlag.

Mitte Mai soll sich sein Gesundheitszustand etwas verbessert haben, sodass der 69-Jährige in das Gefängnis Korydallos gebracht werden konnte. In dem hier befindlichen Krankenhaus wurde er weiter behandelt.

Das einstige Fahndungsbild des mutmaßlichen Frauenmörders Spiridon K.

In den vergangenen Wochen habe sich der Gesundheitszustand des Flüchtigen jedoch weiter verschlechtert. Spiridon K. wurde daraufhin in ein Athener Krankenhaus gebracht, wo er in den vergangenen Tagen verstorben sein soll.

Die griechische Staatsanwaltschaft konnte die Todesmeldung weder bestätigen noch dementieren. Frühestens am Donnerstag könnten weitere Auskünfte folgen, hieß es.

Ein TV-Beitrag zu dem Mord in Plettenberg (NRW) wurde in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" ausgestrahlt. Die Familie des Opfers litt lange unter den Geschehnissen in Plettenberg*. "Es ist bis heute unbegreiflich“, sagt Grigorios Alexiou, der Bruder der Getöteten.

Mordfall von 1989 in Plettenberg: Das sagt der Staatsanwalt

Auch der Hagener Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli wusste bis zum Anruf unserer Redaktion nichts von den Todesmeldungen aus Griechenland. Falls die Berichte stimmten, könne es noch länger dauern, bis in Hagen eine offizielle Bestätigung des Todesfalls eingehe, sagte Dr. Pauli.

Unweit des Dorfes Dingeringhausen in Plettenberg geschah 1989 der Mord.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Hoffnung auf eine Verhandlung im Pettenberger Mordfall von 1989 ohnehin schon fast aufgeben. Der kritische Gesundheitszustand erschwerte schon seit längerem die Auslieferung nach Deutschland. Erst habe es geheißen, Spiridon K. könne nur mit medizinischem Personal nach Deutschland gebracht werden. Als Dr. Pauli dann aber die Nachricht erreichte, dass der 69-Jährige künstlich beatmet werden muss, sei klar gewesen, dass er „in absehbarer Zeit nicht verhandlungsfähig sein würde, so der Oberstaatsanwalt.

Mordfall in Plettenberg: Das ist 1989 geschehen

Spiridon K. war ein Freund des Ehemannes von Garifalia Z., seinem späteren Opfer gewesen. Er soll sich in sie verliebt und sie bedrängt haben, ihren Mann und ihre beiden Kinder für ihn zu verlassen. Garifalia Z. hatte die Werbungsversuche aber stets abgelehnt und stimmte nur einem abschließenden, klärenden Gespräch mit Spiridon K. zu.

Gemeinsam mit einer Freundin fuhr die 25-Jährige am 6. April 1989 in einen Wald in Plettenberg-Dingeringhausen. Die Freundin entfernte sich einige Meter, damit Spiridon K. und Garifalia Z. in Ruhe sprechen konnten. Dann plötzlich Schüsse: Mit acht Kugeln richtete der Verschmähte die junge Mutter und Ehefrau mutmaßlich hin. Direkt nach der Tat floh Spiridon K. in einem roten Mercedes über Österreich und Italien nach Griechenland.

Diese Karte zeigt die Flucht des Mörders nach Bari, den Ort der Festnahme in Agrinio und die Stadt Filiates, in der sein Mordopfer bestattet wurde – nur gut zwei Autostunden von Amphilochia entfernt, wo sich der Mann jahrzehntelang versteckt hielt.

Hier ließ er sich in dem kleinen Ort Amphilochia nieder. Seiner Umgebung erklärte der damals 37-Jährige, er sei lange Jahre in Australien gewesen. Er habe relativ unauffällig gelebt, wurde von Nachbarn als „höflicher, älterer Mann“ beschrieben. - Come-On.de* ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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