Fälle in Düsseldorf und Hamm

Mobbing gegen Lehrer - Schüler-Chats alarmieren

Messenger-Dienste wie WhatsApp erleichtern Mobbing jeder Art.
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Messenger-Dienste wie WhatsApp erleichtern Mobbing jeder Art.

In Chats von Schulklassen gibt es Mobbing und Cybergewalt, werden Persönlichkeits- und Bildrechte von Lehrern und Mitschülern massiv verletzt. „Das Problem ist längst alltäglich in Nordrhein-Westfalen“, sagt der Verband Bildung und Erziehung (VBE).

Düsseldorf/Hamm – Vor einem Monat sagte ein Gymnasium in Düsseldorf zwei Klassenfahrten ab, weil sich Lehrer von Schülern in sozialen Netzwerken gemobbt fühlten. Mehrere Lehrer seien heimlich im Unterricht fotografiert und dann in Fotomontagen verunglimpft worden. Ein Lehrer erstattete Strafanzeige. Ähnliche Vorfälle sorgten jetzt an einer Schule in Hamm für Gesprächsstoff.

„Das ging durch alle Klassen“, sagte der Schulleiter bei einem Elternabend. Allerdings verzichteten die Lehrer trotz strafrechtlicher Relevanz auf eine Anzeige. „Wir lösen das Problem nur gemeinsam – Schüler, Eltern und Lehrer“, setzt der Schulleiter auf Dialog und Aufklärung.

Neben so genannten Stickern mit Lehrerfotos kursieren in WhatsApp-Gruppen von Schulklassen aber auch verfassungswidrige Symbole. Das ist dann ein Fall für den Staatsschutz. „Ja, das passiert“, bestätigte Stefan Behlau, Landesvorsitzender des VBE in NRW, entsprechende Hinweise von Lehrern. „Es sind uns Fälle bekannt, in denen kurze Clips von Anschlägen als Mutprobe verbreitet werden. Jugendliche testen dann, ob sie hart genug sind, den Clip auszuhalten.“

Keine Anzeigen von Lehrkräften

Bei der Polizei in Dortmund ist das Problem bekannt, eine auffällige Anzahl von Fällen sei jedoch, so eine Sprecherin, nicht zu verzeichnen. Sie berichtet von einem Fall im Monat Februar, bei dem eine Schülerin ein Foto von drei Lehrern auf einer Social-Media-Plattform hochgeladen haben soll – ergänzt um eine beleidigende Äußerung. Hier laufen die Ermittlungen aktuell noch.

Laut Bezirksregierung Arnsberg kommt es „immer wieder in Einzelfällen zu Rechtsverletzungen“. Diese seien aber nicht „meldepflichtig“. So liegen dem Schulministerium in Düsseldorf keine Zahlen vor. Anzeigen von Lehrkräften in Bezug auf urheberrechtliche Verletzungen sind dort und in Arnsberg nicht bekannt.

Personalmangel erschwert Vorbeugung

Klartext spricht dagegen die Lehrergewerkschaft. „Das Recht am eigenen Bild wird verletzt, es kommt zu heftigen Beleidigungen oder auch falschen Tatsachenbehauptungen“, sagt VBE-Chef Behlau. Sein Verband fordere seit Jahren, die Medienkompetenz zu stärken und auch die Wertevermittlung zu ermöglichen. Der Personalmangel an Schulen erschwere beides.

Extremisten nutzten ganz gezielt moderne Medien, um Kinder für ihre brandgefährlichen Ideen zu begeistern. Viele Fälle werden, so Behlau, nicht angezeigt. Zahlen kenne er nicht, aber: „Unsere Juristen müssen sich leider wöchentlich mit Fällen von Cybergewalt beschäftigen.“ Auch Behlau favorisiert die Kommunikation zwischen Schülerschaft, Schulleitung und Eltern. Je nach Schwere der Tat müsse es aber zur Anzeige kommen. „Es ist auf jeden Fall wichtig, klare Grenzen aufzuzeigen.“

Ein Blick in die Lehrer-Rechte:

Das NRW-Schulministerium gibt in Bezug auf die Beachtung von urheberrechtlichen Vorgaben bei der Nutzung von WhatsApp keine eigenständigen Empfehlungen an Schulen und Lehrer. „Natürlich gilt auch für Lehrkräfte das Recht auf informationelle Selbstbestimmung“, hieß es. In Paragraf 22 Kunsturhebergesetz sei geklärt, dass Bilder nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden dürfen. Sonst droht eine Anzeige.

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