Über 400 Beamte deutschlandweit dabei

Mit Großeinsatz in Hamm und anderen NRW-Städten Schleuserbande gesprengt

Auch in Hamm lief der Einsatz gegen eine Schleuserbande.
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Auch in Hamm lief der Einsatz gegen eine Schleuserbande. (Symbolbild)

Mit einem Großeinsatz ist eine internationale Schleuserbande gesprengt worden. Mehrere Haftbefehle wurden vollstreckt; Einsatzorte sind unter anderem Hamm, Duisburg und Wuppertal. Die Verdächtigen sollen Schleusungen über die „Balkanroute organisiert“ und durchführt haben.

München/Kempten/Hamm - Seit dem frühen Dienstagmorgen vollstreckt die Bundespolizei im Auftrag der Staatsanwaltschaft Kempten in NRW, Berlin, Niedersachsen und Hessen Durchsuchungsbeschlüsse und Haftbefehle gegen international agierende Schlepper. Dabei seien in Berlin, Hamm, Duisburg, Wuppertal, Salzgitter, Twistringen bei Bremen, Osnabrück und Marburg insgesamt mehr als 400 Beamte im Einsatz, teilten Staatsanwaltschaft und Bundespolizei am Morgen gemeinsam mit.

StadtHamm
BundeslandNordrhein-Westfalen
Einwohner 179.397 (2016)

Schleuserbande in NRW gesprengt: Großeinsatz auch in Hamm

Im Hintergrund stehen demnach aufwendige Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Kempten in Zusammenarbeit mit der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung München, nach denen die Bande seit mindestens April 2019 Schleusungen über die sogenannte Balkanroute organisierte und durchführte.

Zurzeit werden den 19 Beschuldigten, bei denen es sich um syrische, libanesische und libysche Staatsangehörige im Alter zwischen 21 und 44 Jahren handelt, mindestens 23 Fälle des gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern vorgeworfen.

Schleuserbande in Hamm und ganz NRW gesprengt: Genaue Einsatzorte bleiben geheim

Anhand der Ergebnisse der umfangreichen Ermittlungen erließ das Amtsgericht Kempten nun gegen die weiteren Bandenmitglieder unter anderem elf Durchsuchungsbeschlüsse und sieben Haftbefehle. Bei dem akribisch geplanten Großeinsatz gelang bisher die Vollstreckung von fünf Untersuchungshaftbefehlen sowie die Sicherstellung von umfangreichem Beweismaterial, darunter insbesondere der bei der Tatausführung genutzten Smartphones. Über das Beweismaterial berichtet auch ruhr24.de.*

Die Ermittlungen dauern an, aufgrund der laufenden polizeilichen Maßnahmen können derzeit keine weiteren Angaben gemacht werden. Auf Nachfrage bestätigte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Kempten, Sebastian Murer, zwar den nächtlichen Durchsuchungs-Einsatz in Hamm und die Umsetzung eines Haftbefehls. Informationen über den Einsatzort, die Einsatzstärke oder Informationen zu den Beschuldigten wollte er jedoch mit Blick auf die „Persönlichkeitsrechte“ der Betroffenen nicht preisgeben.

Schleuserbande in NRW gesprengt: Das wird der Bande konkret vorgeworfen

Gegen Bezahlung hoher Geldbeträge sollen dabei mutmaßlich 140 Personen überwiegend syrischer Herkunft mittels Kleintransportern und Pkw geschleust worden sein. Die Täter gingen überaus planvoll und sehr professionell vor: Tatorte wurden umfangreich aufgeklärt, es kam zum Einsatz von sogenannten „Scouts“, also vorausfahrenden Fahrzeugen zur Meldung von Polizeikontrollen, und den eigentlichen Grenzübertritten oftmals zu Fuß in geschütztem Gelände. Der Bandenchef koordinierte die Schleuser dabei regelmäßig minutiös via Smartphone, jedoch aus sicherer Entfernung.

Auf die Schliche kam die Bundespolizei den Schleppern im August 2019 nach der Festnahme eines Schleuserfahrers der Bande auf frischer Tat auf der BAB 7 bei Füssen. Die Spezialabteilung der Staatsanwaltschaft Kempten zur Bekämpfung der internationalen Schleuserkriminalität („Traunsteiner Modell“, weitere Infos siehe unten) führte die Ermittlungen in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Ermittlungsbehörden in Österreich, Ungarn, Tschechien, der Slowakei, den Niederlanden sowie in Belgien. Zudem wurden die Ermittlungen durch Europol unterstützt. Dadurch konnte der Kopf der Schleuserbande bereits im Dezember in Österreich festgenommen werden, dessen Auslieferung aus Österreich angestrebt wird.

Das ist das „Traunsteiner Modell“:

Das so genannte „Traunsteiner Modell“ zur Bekämpfung der grenzüberschreitenden organisierten Kriminalität wurde bei der Staatsanwaltschaft Kempten zum 1. November 2019 eingeführt. Die sechsköpfige Spezialabteilung arbeitet bei der Verfolgung von international agierenden Schleuserbanden, Drogen- und Waffenhändlern nicht nur eng mit den ausländischen Polizei- und Justizbehörden zusammen, sondern auch mit Eurojust und Europol. - WA/han *ruhr24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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