„Mikrozensus 2011“ als moderne Volkszählung

DÜSSELDORF - Diese Woche beginnt die bundesweite Volkszählung „Mikrozensus 2011“. Mit dieser statistischen Erhebung wird ermittelt, wie viele Menschen in Deutschland leben, wie sie wohnen und arbeiten. Das ist eine wesentliche Grundlage für Zukunftsplanungen, zum Beispiel wo neue Schulen gebraucht werden oder neue Wohnungen.

Von Detlef Burrichter

Viele Entscheidungen in Bund, Ländern und Gemeinden beruhen auf den Bevölkerungs- und Wohnungszahlen. Um verlässliche Basiszahlen für Planungen zu haben, ist von Zeit zu Zeit eine Art Inventur notwendig. Die letzten Volkszählungen in Deutschland liegen immerhin schon mehr als 20 Jahre zurück.

Wer wird befragt?

Der Zensus 2011 unterscheidet sich von früheren Volkszählungen, bei denen alle Haushalte befragt wurden. In erster Linie werden bei dieser modernen Erhebung Daten aus den Verwaltungsregistern genutzt, sodass nur etwa zehn Prozent der Bevölkerung bei der Haushaltsbefragung Auskunft geben müssen.

Wer wird in NRW gefragt?

In NRW werden vom 9. Mai bis etwa Mitte Juli 1,5 Millionen Einwohner in etwa 740 000 Haushalten nach dem Zufallsverfahren ausgewählt; das sind etwa 8,5 Prozent der Bevölkerung. Sie werden zu Hause von Interviewern aufgesucht. Auch alle Heime und Gemeinschaftsunterkünfte werden lückenlos erfasst. Außerdem wurden bereits seit dem Herbst 2010 alle 17,5 Millionen Gebäude- und Wohnungseigentümer angeschrieben.

Was wird beim Zensus gefragt?

Bei der Haushaltsbefragung werden Alter, Geschlecht und Familienstand aller unter der Adresse gemeldeten Personen erfasst.

Außerdem wird nach Staatsangehörigkeit, Migrationshintergrund, Wohnsituation, Bildungsstand und Berufstätigkeit gefragt. Freiwillig ist lediglich die Auskunft nach der Religionszugehörigkeit. Auf Wunsch wird der Fragebogen ausgehändigt, sodass die Befragten ihn selbstständig ausfüllen und zurückschicken können.

Bei der Gebäude- und Wohnungszählung sind Baujahr, Größe und Ausstattung, aber auch die Nutzungsart (Eigennutzung oder Vermietung) von Interesse.

In den Wohnheimen und Gemeinschaftseinrichtungen werden vor allem die genauen Einwohnerzahlen ermittelt.

Befragte sind verpflichtet, Namen und Anschrift anzugeben. Nur so können Doppelzählungen vermieden werden.

Was passiert mit meinen persönlichen Daten?

Sämtliche Informationen fließen beim Zensus nur in eine Richtung: aus den Verwaltungsregistern oder aus den Befragungen hin zur amtlichen Statistik. Ergebnisse dürfen an keine Behörde zurückgespielt werden – weder ans Einwohnermeldeamt noch ans Finanzamt noch an die Polizei. Die persönlichen

Angaben werden streng geheim gehalten. Ausschließlich anonymisierte Daten dürfen später an Dritte weitergegeben werden. Das hat das Bundesverfassungsgericht in einem Volkszählungsurteil 1983 so festgelegt. Alle am Zensus beteiligten Personen werden auf das Statistikgeheimnis und den Datenschutz besonders verpflichtet. Es gilt absolute Vertraulichkeit im Umgang mit allen Angaben. Sämtliche Daten werden nach der Auswertung des Zensus vernichtet.

Kann ich die Auskunft verweigern?

Es besteht eine Auskunftspflicht. Wer nicht antwortet, muss mit damit rechnen, dass die Auskunft mit Zwangsgeld durchgesetzt wird. Das „Knöllchen“ wird zwischen 300 und 500 Euro kosten. Die Praxis hat in der Vergangenheit gezeigt, dass es so weit so gut wie niemals kommt.

Was mache ich, wenn ich kein Vertrauen zu dem Interviewer habe?

Niemand ist verpflichtet, den Interviewer in die Wohnung zu lassen und den Fragebogen gemeinsam auszufüllen. Wer Zweifel hat, kann sich den Fragebogen aushändigen lassen, ihn selbstständig ausfüllen und einschicken. Wer trotz des Ausweises Zweifel an der Person des Interviewers hat, kann sich jederzeit an die örtliche Erhebungsstelle wenden.

Wer macht den Zensus?

Grundlage ist das Zensusgesetz 2011. Die Verantwortung für die Durchführung liegt bei den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder. Beteiligt sind darüber hinaus Interviewer sowie die Erhebungsstellen vor Ort. Allein in Nordrhein-Westfalen sind vom 9. Mai an 20 000 Interviewer im Einsatz.

Geht Deutschland einen Sonderweg?

Die Volkszählung Zensus findet in allen EU-Staaten statt. Grundlage ist die europäische Verordnung über Volks- und Wohnungszählungen. Künftig soll es alle zehn Jahre eine Zensusrunde geben. Der Mikrozensus in Deutschland kostet die Steuerzahler etwa 710 Millionen Euro.

Wo kann ich mehr erfahren?

Im Internet steht unter der Adresse http://www.zensus2011.de ein umfassendes Informationsangebot zur Verfügung. Telefonische Auskünfte werden unter der Rufnummer 0611/75-2011 erteilt.

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