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Messer-Mord im OLG-Park: Diese Haftstrafe fordert die Anklage

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Von: Martin von Braunschweig

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Der Angeklagte verbarg auch am Dienstag zwischen seinen Verteidigern sitzend sein Gesicht.
Der Angeklagte verbirgt zwischen seinen Verteidigern sitzend sein Gesicht. (Archiv) © Martin von Braunschweig

Am vorletzten Tag im Prozess um den Mord an einer 25-jährigen Frau im Park neben dem OLG in Hamm hat die Verteidigung erstmals eingeräumt, dass der Angeklagte die Tat begangen hat. Bei der Bewertung seines Handelns wurden in den Plädoyers jedoch gravierende Unterschiede offensichtlich.

Hamm - Dortmund/ Hamm – Traditionell hatte Staatsanwalt Felix Giesenregen als erster das Wort. Ausführlich blickt er dabei noch einmal auf den Abend des 18. September 2021 zurück. Die 25-Jährige hatte sich zunächst mit ihrer Freundin zu Hause getroffen und war schließlich gegen 23 Uhr zur Disco „Cheyenne“ auf der Meile aufgebrochen. (Hier klicken für weitere Berichte zum Thema.)

„Sie haben getanzt und gelacht“, sagte der Staatsanwalt. Als die Freundin gegen 4 Uhr nach Hause aufbrechen, die 25-Jährige aber noch bleiben wollte, habe man verabredet, später auf dem Heimweg zu telefonieren. Tatsächlich verschickte die junge Frau später noch Fotos und Sprachnachrichten. Doch als sie auf den Angeklagten traf, war sie ganz allein.

Für Giesenregen steht fest, dass der Mann die junge Frau noch auf der Straße attackierte und schließlich in den Park neben dem Oberlandesgericht (OLG) bugsierte. Dort erstach er sie mit einem schwarzen Klappmesser und ließ die Leiche am Teich liegen.

Messer-Mord im OLG-Park in Hamm: Hinterbliebene nicht einverstanden

Die Staatsanwaltschaft hat den Fall von Anfang an als Mord gewertet und rückte auch jetzt nicht von dieser Einschätzung ab. Heimtückisch habe der Täter gehandelt und „zur Befriedigung des Geschlechtstriebs“. Eine lebenslange Haftstrafe sei nur deshalb ausgeschlossen, weil der Mann zur Tatzeit nur vermindert schuldfähig war, so Giesenregen. Sein Antrag: 14 Jahre Haft plus Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik.

Während die Hinterbliebenen mit dieser Bewertung alles andere als einverstanden sind, weil aus ihrer Sicht doch lebenslange Haft und die anschließende Unterbringung des Täters in der Sicherungsverwahrung verhängt werden sollten, gehen die Verteidiger Dennis Kocker und Benedict Heiermann „nur“ von einem Totschlag aus.

Messer-Mord im OLG-Park in Hamm: „Wissen nicht, was genau passiert ist“

„Wir wissen nicht, was genau passiert ist, weil der heute 28-jährige Angeklagte dazu keine Angaben macht“, so Kocker. Daher könnten weder die Heimtücke noch die sexuellen Motive des Angeklagten sicher festgestellt werden. Einen konkreten Strafantrag wollte Kocker nicht stellen. Auch er hält die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik zur Behandlung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung für richtig und wichtig.

Dass die Angehörigen bis heute nicht wissen, wie genau und warum die 25-Jährige sterben musste, hätte der Angeklagte anschließend mit einigen, wenigen Sätzen ändern können. Statt den Hinterbliebenen endlich Gewissheit zu geben, sagte er nur: „Ich habe keine Worte, ich habe nichts zu sagen.“

Das Urteil wird am Mittwochnachmittag gesprochen.

„Hamm“ wurde auch in den Monaten nach der Bluttat im OLG-Park desöfteren mit Schreckens-Nachrichten zitiert: An der Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL) veranstaltete ein Student mit Messern ein Blutbad, in Sandbochum wurde die Leiche einer jungen Frau abgelegt und verbrannt, und im Nordringpark entdeckte ein Radfahrer die Leiche eines jungen Mannes aus Werne im Teichwasser.

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