Maskenpflicht in NRW

Sind Atemmasken für Kinder gefährlich? Experte klärt auf und äußert Kritik

Die bundesweite Maskenpflicht zur Eindämmung des Coronavirus ist beschlossen. Ist ein Mundschutz für Kinder gefährlich? Ein Experte klärt auf - und äußert Kritik.

  • Die Maskenpflicht in NRW zur Eindämmung des Coronavirus gilt ab Montag ebenso wie in allen anderen Bundesländern in Deutschland.
  • In sozialen Medien und via WhatsApp macht die Behauptung die Runde, Masken seien für Kinder gefährlich.
  • Experten klären auf und sind zum Teil unterschiedlicher Auffassung.

Hamm - Die Maskenpflicht in NRW ist beschlossene Sache - und sie sorgt für Diskussionen und sogar Ängste. Viele Eltern stellen sich die Frage, ob Atemmasken für Kinder gefährlich sind. In sozialen Medien sowie über Kettenbriefe via WhatsApp macht eine entsprechende Behauptung die Runde.

In der Warnung heißt es, dass sich unter den Masken zu viel CO2 stauen könnte, das Kinder wiederum einatmen würden. Daher seien Atemmasken für Kinder unter 12 Jahren ungeeignet und für solche unter 6 Jahren sogar gefährlich.

Alles quatsch. Über die im Netz entbrannte Diskussion "kann ich nur den Kopf schütteln. Diese Angstmache ist völlig überzogen", sagt Kinder- und Jugendarzt Michael Achenbach im Gespräch mit dem WA. Erwachsene stellen zwar fest, dass sich mit einer Maske schwerer atmen lasse, aber: "Das ist in keiner Form bedenklich, solange die Luft an den Seiten raus und rein kann. Und so lange wir von einem normalen Mund- und Nasenschutz reden, ist das bei Kindern völlig unkritisch."

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Maskenpflicht für Kinder gefährlich? Experte gibt Entwarnung

Daher kann Achenbach in dieser Hinsicht komplett Entwarnung geben. "Gerade die selbstgenähten Masken sind so konzipiert, dass der Stoff vor Nase und Mund sitzt und davor schützen soll, dass beim Husten oder Niesen die Tröpfchen beziehungsweise das Aerosol nach außen dringen oder auch andersherum nicht in die Atemwege gelangen. Die Atemluft gelangt dagegen über die Seiten der Maske nach innen."

Man dürfte solche Atemmasken nicht mit Staubschutzmasken aus dem Baumarkt vergleichen. "Die sitzen nämlich tatsächlich atemdicht, das ist anstrengend", erklärt der Experte: "Wir sprechen hier aber von einem normalen Mundschutz, der an den Seiten offen ist." Besorgte Eltern sollten daher darauf achten, dass von dort genügend Luft zum Atmen reinkommt."

Maskenpflicht für Kinder gefährlich? Risiko nein, Kritik ja

Auch bezüglich vermeintlich gefährlicher Keime, die sich durch die Feuchtigkeit in der Maske in der Lunge vermehren könnten, sprach Achenbach Entwarnung aus. Denn hinter der Maske seien zuallererst unsere eigenen Keime: "Es ist unsere eigene Feuchtigkeit. Davon geht keine Gefahr für uns selbst aus." Als weiteres Beispiel nennt er eine Gesichtsmarke beim Skifahren, die man wie selbstverständlich und ohne Atemprobleme trägt: "Vor knochentrockener Luft beispielsweise im Winter schützen wir uns doch auch mit einem Schal, den wir vor dem Gesicht tragen."

Kinderarzt Michael Achenbach klärt auf: Atemmasken sind für Kinder nicht gefährlch.

Gefährlich sind Masken für Kinder also nicht. Einer allgemeinen Maskenpflicht für Kinder steht er allerdings kritisch gegenüber. "Ich halte es für schwierig, Kleinkinder zu verpflichten", sagt Achenbach: "Sie müssen es lernen, aber man braucht keine Angst davor haben. Man muss es ihnen nur beibringen."

Dabei gebe es einen ganz einfachen Trick, wie der Kinder- und Jugendarzt aus Plettenberg meint: "Erziehung ist in diesem Bereich zwecklos, Kinder machen sowieso alles nach. Man muss es ihnen also nur richtig vormachen, wie es mit den Masken funktioniert."

Maskenpflicht für Kinder gefährlich? In der Onkologie funktioniert es auch

Dass Kinder und Masken nicht grundsätzlich ein "No Go" ist, beweise die Onkologie. Achenbach: "Dieser Bereich ist ein gutes Beispiel dafür, dass Kinder mit Masken umgehen können."

Auch Kinder- und Jugendarztpräsident Thomas Fischbach hatte bereits vor einer Maskenpflicht für Kindergarten-Kinder gewarnt. "Es mag auch jüngere Kinder geben, die einen Mund-Nasen-Schutz akzeptieren, doch die allermeisten werden das eher als Spielzeug betrachten, daran herumhantieren und damit die Infektionsgefahr eher noch verstärken", sagte Fischbach den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Es ist deswegen unklug, sollten einige Bundesländer das Maskentragen in öffentlichen Bereichen sogar für Kleinkinder vorschreiben."

Hier finden Sie fünf Tipps für Ihren Mund- und Nasenschutz.

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