Laschet, Spahn, Merz, Röttgen

Koan Söder: Warum NRW keinen Kanzlerkandidaten aus Bayern braucht

Die drei namhaften Kandidaten für den CDU-Vorsitz kommen allesamt aus Nordrhein-Westfalen, aber aktueller Umfragekönig und damit Favorit fürs Kanzleramt ist der bayerische Ministerpräsident

Eine Analyse von Alexander Schäfer

Durch die NRW-Brille betrachtet ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Deshalb: Es reicht mit dem Hype um CSU-Chef Markus Söder.

Zugegeben, für Armin Laschet ist es in dieser Woche dumm gelaufen. Mal wieder. Zwar trug der NRW-Ministerpräsident diesmal selbst keine Schuld am weiteren Umfrageabwärtstrend – er hatte keinen unbedachten Satz gesagt oder einen diffusen Fernsehauftritt hingelegt. Doch das Ergebnis war trotzdem bitter. Bitterer als sonst. Laschet wurde nämlich nicht kritisiert, er wurde gar nicht mehr beachtet. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei Söder in Bayern, das war in der öffentlichen Wahrnehmung wichtiger als Laschet bei Emmanuel Macron.

Nun ist der französische Präsident nicht unwichtig, doch Laschet besuchte diesen in Paris als „Bevollmächtigter der Bundesrepublik Deutschland für kulturelle Angelegenheiten im Rahmen des Vertrags über die deutsch-französische Zusammenarbeit“. Puh! Das soll vielleicht Eindruck schinden, doch so viele Buchstaben sind für eine Schlagzeile denkbar ungeeignet. Da war Söder mit seinem Titel klar im Vorteil – „Kronprinz“. Das ist kurz und eindeutig. Und weil Angela Merkel im Schloss Herrenchiemsee mitspielte, hieß es am Ende des Tages bei vielen Kommentatoren: Söder kann Kanzler. Dabei hatte das Treffen zwischen ihm und Merkel vor einer märchenhaften Kulisse in Wirklichkeit nur eins bewiesen: Söder kann PR in eigener Sache.

CSU-Vorsitzender Markus Söder verweist stolz auf seine Herkunft und repräsentiert diese bei jeder Gelegenheit. (Archivbild)

Ja, die Macht der Bilder ist stark. Söder mit Merkel in der Kutsche, Söder mit Merkel vor dem Alpenpanorama, Söder mit Merkel im Spiegelsaal. Ein Traum für alle, die sich insgeheim die Monarchie und einen starken Mann zurückwünschen. Oder bloß gerne Sissi geschaut haben. Aber schauen wir uns die Fakten an. In Bayern gibt es mehr Corona-Infektionen und mehr Tote pro 100 000 Einwohner als in NRW. Dennoch steht Söder in der öffentlichen Wahrnehmung als Krisenmanager besser da als Laschet. Dank guter PR und weniger unbedachter Sätze.

Das ändert nichts daran, dass Nordrhein-Westfalen die Krise gut gemeistert hat. Während Bayern genug mit sich selbst zu tun hatte, nahm NRW Corona-Patienten aus Frankreich auf. Als Dankeschön war Laschet bei Macron eingeladen. Chapeau! Außerdem: Selbst Friedrich Merz nannte die Kritik an Laschets Politik zwischen Lockdown und Lockerung unfair. Der Sauerländer Merz ist übrigens der NRW-Kandidat für alle, die sich insgeheim einen starken Mann zurückwünschen. Zur Erfüllung solcher Sehnsüchte benötigt die CDU wahrlich keinen Söder. Und wem es ums Äußere und feine Sätze geht? Da ist noch Norbert Röttgen.

Jens Spahn und Armin Laschet im Doppelpack, dazu Friedrich Merz: Wer wird Vorsitzender der CDU und wer kann Kanzler?

Egal ob linker oder rechter Flügel, in der NRW-CDU hält sich die Begeisterung für Söder, den Überflieger aus der Schwesterpartei CSU, in Grenzen. Der Tenor lautet: „Wir haben drei eigene Kandidaten.“ Eigentlich sind es ja sogar vier, zählt man Jens Spahn dazu. Als Bundesgesundheitsminister macht der 40-Jährige auch ohne Kutsche und Berge eine gute Figur. Um des lieben Parteifriedens willen verzichtete er auf eine eigene Bewerbung und bildet nun mit Laschet ein Team. Bei Macron waren sie übrigens auch gemeinsam. Wer nun meint, Laschet habe nicht das Zeug für die ganz große Bühne in Berlin, kann ja darauf hinwirken, dass er und Spahn die Plätze tauschen. Zeit genug ist noch.

Ansonsten hat Laschet weiterhin gute Karten. Er macht Fehler, ist aber authentisch. Und er kommt aus Aachen. Der Blick in die Geschichte lehrt uns: Ein Kanzler aus dem Rheinland, konkret Konrad Adenauer, stieß am Anfang auf Skepsis, doch hinterher wurde er ein ganz Großer. Für CSU-Kanzlerkandidaten endete die Geschichte dagegen weniger schön, nämlich bereits vor dem Zaun des Kanzleramtes.

„Mein Platz ist in Bayern“, betont Söder gegenüber den Medien wieder und wieder. Ja Herrschaftszeiten noch einmal: Dann hört endlich auf mit dem Kokettieren und Hofieren.

Rubriklistenbild: © dpa / Federico Gambarini

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