Corona schränkt Ausstellung ein

Mammut-Reise geht weiter: Nächste Station Sauerland! Doch wer kann es betrachten?

Das Skelette wurde lange in Ahlen ausgestellt.
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Das Skelette des Mammuts wiegt fast 500 Kilogramm.

Von Ahlen über Arnsberg zurück nach Münster: Das am vollständgiste erhaltene Mammut-Skelett Deutshlands ist bis Mai im Sauerland ausgestellt. Die Sauerländer können es wegen Corona allerdings erst mal nicht betrachten.

Münster/Ahlen/Arnsberg – Die Rückkehr des „Ahlener Mammuts“ ins Heimatmuseum war vor zwei Jahren das Ausstellungsereignis in Ahlen schlechthin. Das Geomuseum der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, in deren Sammlung der wuchtige Zeitzeuge ein Zuhause gefunden hatte, hat den Besuch in seiner alten Heimat Ahlen möglich gemacht. Das Interesse war groß, denn das Skelett des prominenten Wollhaar-Mammuts war zu diesem Zeitpunkt bereits für einige Jahre im Magazin verschwunden und der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich.

Mammut muss in Münster auf Ausstellung warten

Dabei gab es bereits in den Jahren 2007/08 erste Ideen, dem Mammut-Skelett in Münster einen prominenteren Dauer-Stellplatz zu schaffen, als das Geologische Museum, in dem das Mammut stand, und das Mineralogische Museum zusammengelegt wurden. Ein solcher Platz wurde 2015 mit dem Einbau des „Mammutfensters“ geschaffen, aus dem der Ur-Ahlener demnächst Richtung Fürstenberghaus und Marktplatz blicken soll.

Im Zuge der Zusammenlegung der Museen war das Gebäude für Umbauarbeiten geschlossen worden. Seither harrt es seiner Wiedereröffnung. Finanzielle und bauliche Herausforderungen sowie konzeptionelle Veränderungen hatten immer wieder für Verzögerungen gesorgt.

Doch nun scheint Bewegung in die Sache zu kommen, ein neues Gestalterbüro wurde verpflichtet, das die Umsetzung der Pläne begleiten soll, und man zeigt sich in Münster verhalten optimistisch, dass der Betrieb womöglich 2022 aufgenommen werden könnte.

Mammut in Ahlen wissenschaftlich aufbereitet

Kerstin Brünenberg, Referentin für Bildung und Vermittlung im Geomuseum, hat das Mammut vor zwei Jahren nach Ahlen begleitet und in Abstimmung mit der Ahlener Kulturamtsmitarbeiterin Gaby Moser-Olthoff Wissenswertes pädagogisch aufbereitet. Über die große Resonanz freut sie sich noch heute. Mit mehr als 5000 Besuchern zählt die Ausstellung zu den erfolgreichsten, die das Ahlener Heimatmuseum je hatte.

„Es ist jetzt nicht so, dass wir mit unseren Exponaten ständig auf Tour gehen. Dabei können sie immer Schaden nehmen, und daher überlegen wir einen solchen Schritt gut. Aber die Ahlener Ausstellung war für uns eine willkommene Möglichkeit, das Mammut nach einigen restauratorischen Arbeiten in Gänze zu erleben und zu sehen, wie es wirkt“, erläutert Brünenberg, wie es zu dem Besuch in Ahlen kam.

Mit dieser Grafik wird für die Mammut-Ausstellung geworben.

Basierend auf den guten Beziehungen zwischen dem Geomuseum und den Städten Ahlen und Arnsberg, gibt es nun eine zweite Ausnahme: Das Mammut hat einen Ausflug ins Sauerland unternommen und residiert bis Mai im modernen wie beschaulichen Sauerland-Museum: Eine neue Sonderausstellung beschäftigt sich dort bis zum 9. Mai mit der letzten Eiszeit, die vor ungefähr 400.000 Jahren begann und vor 11.500 Jahren endete. „Absolutes Highlight der Ausstellung ist das etwa 43 000 Jahre alte Skelett eines Mammutbullen, das 1910 bei Grabungen in einer Tongrube in Ahlen gefunden wurde“, werben die Veranstalter der Schau „Eiszeit – Leben im Extrem“.

Knochengerüst des Mammuts wiegt 500 Kilogramm

Das aus etwa 220 Knochen bestehende Knochengerüst wiegt um die 500 Kilogramm. Es besitzt eine Länge von 5,50 Metern und eine Höhe von 3,25 Metern. Von den in Deutschland gefundenen sieben Mammut-Skeletten ist es das am vollständigsten erhaltene. „Ich finde es großartig, dieses wunderbare Stück Ahlener Geschichte wieder einmal sehen zu können“, freut sich Gaby Moser-Olthoff.

Es wird vermutlich die letzte Gelegenheit sein, das Mammut vor der Eröffnung des Münsterschen Geomuseums noch einmal zu sehen. Der Aufwand für weitere Ausflüge wäre einfach zu groß: Für Auf- und Abbau reist stets der staatlich anerkannte paläontologische Präparator Oliver Kunze aus Stuttgart an, denn Vertreter seiner Profession sind selten. Er kennt den Ahlener Patienten gut, hat bereits die eine oder andere Haltungskorrektur an ihm vorgenommen.

Unter welchen Bedingungen man das Mammut nun in Arnsberg wird besuchen können, hängt von den künftigen Corona-Auflagen ab. Aktuell ist ein Besuch der Schau nicht möglich.

Was erwartet die Besucher in Arnsberg? Die Schau vermittelt ein Stück Heimatgeschichte: Im Sauerland reichte das Eis während der glazialen Zeit bis zum Haarstrang und wurde erst am nördlichen Rand des Sauerlandes aufgehalten. Die markante Landschaftsgrenze zwischen dem Arnsberger Wald und der Soester Börde ist eine weithin sichtbare Spur, die die Eiszeit hinterlassen hat. Ihr Klima begünstigte vor allem das Überleben großer Säugetiere, da größere Körper Wärme besser speichern als kleine.

Zum Mammut gesellen sich in der Ausstellung weitere Tierchen

In der Ausstellung warten Riesenhirsche, Steppenbisons, Wollnashörner und wollhaarige Mammuts auf kleine und große Gäste. Verblüffend echt modellierte Neandertalerfiguren verdeutlichen die Lebensgewohnheiten der frühen Menschen.
Wenn die Schau endet, wird das Ahlener Mammut wieder in seinen Dornröschenschlaf zurückversetzt. „Es hat viele Verzögerungen gegeben, aber wir hoffen, bald einen konkreteren Zeitplan kommunizieren zu können – und sind davon überzeugt, dass das Geomuseum eine tolle, besucherfreundliche und viel besuchte Einrichtung sein wird, deren Besuch zudem noch eintrittsfrei ist“, sagt die Bildungs-Referentin Kerstin Brünenberg.

Einen Vorgeschmack auf das, was kommt, liefert die Internetseite des Museums: Dort schaut das Mammut bereits durch die Fensterscheibe des Münsteraner Geomuseums. Möglich macht das eine geschickt erstellte Grafik.

Wer sich nicht gedulden mag, bis das Museum den Platzhalter durch das Original ersetzt, unternimmt in den kommenden Wochen einen Ausflug ins Sauerland. Einen späteren Besuch des Geomuseums, das unter anderem mit dem Slogan „Ein Mammuterlebnis für Münster und die Region“ wirbt, ersetzt das nicht: „Wir haben im Geomuseum nämlich noch einiges mehr zu bieten“, verspricht Brünenberg.

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