Behörden zeigen Gesprächsbereitschaft

Mahnungen, Rechnungen, Tickets: Ärger pur nach Post-Skandal in Bergkamen

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Overberge – 64 Kisten mit nie zugestellter Post hat ein Nachbar in Bergkamen gefunden. Polizei und Deutsche Post ermitteln nun, ein junger Mann gesteht. Der Skandal hat weitreichende Folgen.

Der Skandal um die nicht zugestellte Post in Overberge hat weitreichende Folgen: Wer dadurch beispielsweise Mahngebühren zu zahlen hatte, fragt sich, was nun zu tun ist. Immerhin: Die hiesigen Behörden, etwa der Kreis Unna und das Jobcenter, sind sensibilisiert, dass ihre Schreiben die vermeintlich säumigen Adressaten möglicherweise gar nicht erreicht haben. 

Was die Deutsche Post noch zu tun gedenkt, bleibt abzuwarten. Sie will sich zu den Konsequenzen aus dem offensichtlich trotz Beschwerden seit Monaten ignorierten Problem erst äußern, wenn die interne Prüfung abgeschlossen ist. 

Keine Post - Ärger pur

„Das war Ärger pur“, sagt Frank Lückmann. Der Anwohner des Veilchenwegs beschreibt sich selbst als guten und zuverlässigen Zahler, wenn es um Rechnungen geht. „Plötzlich flatterten aber Mahnungen ins Haus, auch zweite Mahnungen“, schildert er. Seine Nachforschungen seien aber im Sande verlaufen. 

Wut nach dem Post-Skandal

„Das Schlimme ist ja, dass Briefe als zugestellt gelten, obwohl ich sie nicht bekommen habe“, ärgert er sich über die geltende Rechtslage. Mahnung für Knöllchen, das nie angekommen ist

Besonders deutlich bekam er das zu spüren, als er geblitzt worden war. „Ich bekam plötzlich einen Mahnbescheid über 35 Euro, obwohl die eigentliche Strafe nur zehn Euro betragen hätte“, erklärt er. 

"Ich hätte ja die Möglichkeit, vor Gericht zu gehen"

Er rief beim Kreis an und erklärte, dass er die ersten Briefe nicht bekommen habe. „Da sagte man mir, das könne ja jeder behaupten. Und ich hätte ja die Möglichkeit, vor Gericht zu gehen.“ So einen Aufwand wegen 35 Euro wollte der Overberger aber nicht betreiben und zahlte zähneknirschend 25 Euro mehr als nötig gewesen wäre. 

Ausmaß größer als gedacht

Eine Anwohnerin der Landwehrstraße bemerkte Mitte November, das Post fehlte, als via Internet bei einer Agentur bestellte Eintrittskarten als Weihnachtsgeschenk nicht eintrafen. 

„Außerdem bin ich privatversichert und musste plötzlich Mahngebühren bezahlen, weil Rechnungen, die ich nie gesehen hatte, offen blieben.“ Die Frau hatte Glück im Unglück: „Es stand ja dann in der Zeitung, man hat mir geglaubt und die Dinge erstattet. Gott sei Dank. Aber erstmal war das Ärger.“ 

Zumal die Post versprochen habe, die Dinge klären zu wollen, aber nichts passiert sei. „Dass zuletzt an einige Haushalte Briefmarken als Entschädigung verteilt wurden, ist die Höhe“, ärgert sich diese Kundin über den Konzern. Frank Lückmann glaubt nicht, dass er sein Geld wiedersehen wird. 

Beweispflicht liegt beim Einzelnen

Doch Constanze Rauert, Sprecherin des Kreises Unna, rät allen Betroffenen, das Gespräch zu suchen. „Natürlich liegt die Beweispflicht beim Einzelnen.“ Doch wenn die verlorenen Briefe gefunden und mit einem Begleitschreiben der Deutschen Post erneut versendet würden, könne alles plausibel erklärt werden. „Dann kann man alles in aller Ruhe klären“, so Rauert.

 Inwieweit das Jobcenter rechtlich gegen den Zusteller oder die Post vorgehen wird, ist noch nicht klar. „Wir sind uns des Ausmaßes noch nicht bewusst, wir wissen nicht, wie viele Kunden betroffen sind“, sagt Sprecherin Antonia Mega. Ihre Kollegen seien aber informiert und sensibilisiert, betroffene Kunden sollten vorsprechen. „Für uns ist es wichtig, dass es für die nicht zu Nachteilen kommt oder Probleme entstehen.“

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