Erfahrungen im Kreis Warendorf

Luca-App: Kreis in NRW testet Kontaktnachverfolgung - Entscheidung steht an

Die Bundesländer wollen sich vermutlich einheitlich für eine App zur Corona-Kontaktnachverfolgung entscheiden. Wird es die Luca-App? Der Kreis Warendorf ist Modellregion.

NRW - Eine Smartphone-App zur Kontaktnachverfolgung soll dabei helfen, aus dem Corona-Lockdown herauszukommen. Diese App soll bundeseinheitlich ausgewählt werden, eine Entscheidung steht aber noch aus. Die Bundesländer wollen sich vermutlich am Montag, 8 März, einigen. In der engeren Wahl ist die App „Luca“, hinter der unter anderem der Musiker Smudo von den Fantastischen Vier steht. Der Kreis Warendorf testet die Luca-App bereits als Modellregion in NRW. Landrat Olaf Gericke hat sich dazu sehr positiv positioniert. (News zum Coronavirus)

KreisWarendorf
Fläche 1317 km²
Bevölkerung277.744 (2016)
LandratDr. Olaf Gericke

Luca-App zur Kontaktnachverfolgung im Kampf gegen Corona: Kreis Warendorf in NRW ist Modellregion

Die Idee hinter der App: Statt beispielsweise in jedem Restaurant seinen Namen und seine Adresse auf einen Zettel zu schreiben, den der Wirt dann für eine mögliche Kontaktnachverfolgung aufheben und im Infektionsfall an das Gesundheitsamt übergeben muss, können die Nutzer der App mit wenigen Klicks ihren Besuch im Restaurant dokumentieren. Dazu scannen die Gäste am Eingang einen QR-Code ein. Wenn sie das Restaurant wieder verlassen, checken sie aktiv oder - über die Ortungsfunktion ihres Handys - automatisch wieder aus.

„Das Ganze wird mit den Gesundheitsämtern verbunden, sodass wir bundeseinheitlich eine elektronische Kontaktnachverfolgung in der Länderkompetenz durchsetzen können“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits in der vergangenen Woche nach den Beschlüssen beim Corona-Gipfel. Auch private Treffen in Zeiten von Corona können mit der Luca-App dokumentiert werden. Dazu können in der App QR-Codes generiert und mit denen von Freunden und Familie verknüpft werden. Unter anderem NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte kürzlich für den Einsatz der Luca-App geworben.

Luca-App zur Kontaktnachverfolgung: Kreis Warendorf berichtet von positiven Rückmeldungen

Entwickelt wurde die App von den drei Berlinern Philipp Berger, Marcus Trojan und Patrick Hennig. Ihre Firma Nexenio ist eine Ausgründung des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam, unterstützt werden sie von Kulturschaffenden wie Smudo von den Fantastischen Vier. Nach Angaben der Macher soll die Luca-App die Corona-Warn-App des Bundes nicht ersetzen, sondern ergänzen, indem sie die Kontaktnachverfolgung durch die Gesundheitsämter vereinfacht.

Die Luca-App ist eine App zu Kontaktnachverfolgung - sie könnte bundeseinheitlich ausgewählt werden. Die Corona-Warn-App soll durch sie aber nicht ersetzt werden.

Der Kreis Warendorf hat als NRW-Modellregion bereits Erfahrungen mit der Luca-App gesammelt. Dazu äußerte sich Landrat Olaf Gericke am Montag im WDR 5 Morgenecho. Dass digitale Helfer nötig sind, um die Corona-Pandemie zu besiegen, davon zeigte er sich überzeugt - und stellte zunächst einen Vergleich an.

Schon im vergangenen Jahr habe man, wie auch der Nachbarkreis Gütersloh, die Lange nach dem massenhaften Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies in Rheda-Wiedenbrück nur mit Hilfe der Software „Sormas“ in den Griff bekommen können. Dieses digitale Erfassungsprogramm nutzen viele Gesundheitsämter in Deutschland bereits. Wie aus der Webseite des Kreises Warendorf hervorgeht, sollen sich die Daten aus der Luca-App problemlos in „Sormas“ einpflegen lassen.

Luca-App zur Kontaktnachverfolgung: Landrat im Kreis Warendorf wirbt für „staatlichen Segen“

In Bezug auf die Luca-App und die ausstehende bundeseinheitliche Entscheidung für ein System sagte der Olaf Gericke: „Hier ist etwas Gutes auf dem Markt. Das braucht jetzt den staatlichen Segen, damit wir möglichst alle es verwenden - oder viele.“

Zu den bisherigen Erfahrungen mit der Luca-App nahm der Landrat im Kreis Warendorf ebenfalls Stellung. Er könne nach den Rückmeldungen der vergangenen Woche sagen, dass das Interesse der Menschen groß sei, und dass diese nach seinem Empfinden Vertrauen in die Datensicherheit der Luca-App hätten. Große Unternehmen, Bäckereien, Kinos, Bürgermeister, Hoteliers - sie alle hätten sich gemeldet mit der Aussage, die Luca-App bei sich einsetzen zu wollen. Es sei natürlich auch die Frage, wie viele Bürger letztlich mitmachen. „Denn davon hängt am Ende der Erfolg ab“, sagte Olaf Gericke.

Luca-App zur Kontaktnachverfolgung: Smudo erklärt das Corona-Kontakttagebuch

Gleichzeitig schwebt über allem die Frage, ob die Systeme so viel Datenverkehr verkraften würde, wenn die Luca-App flächendeckend eingesetzt würde. Landrat Olaf Gericke berichtet, man sei im Kreis Warendorf bislang nicht an Grenzen gestoßen. Man habe gute Leitungen, weswegen er sich auch bei einem Anstieg der Nutzung keine Sorgen mache.

Im WDR 5 Morgenecho kam auch Smudo zu Wort, der die App bereits breit vorgestellt und beworben hatte. Er erklärte, dass im Mobiltelefon des Nutzers durch das Ein- und Auschecken ein Kontakttagebuch entsteht. „Der ganze Zauber von Luca ist ja, dass er direkt ans Gesundheitsamt angebunden ist“, so Smudo.

Wenn das Gesundheitsamt dann Kenntnis von einer Infektion bekomme, werde es die infizierte Person bitten, sein Kontakttagebuch in der Luca-App freizuschalten. Der Nutzer generiere eine TAN-Nummer auf seinem Telefon und schicke die Daten darüber ans Gesundheitsamt. Das Gesundheitsamt kann demnach dann herausfinden, mit wem der Infizierte etwa am gleichen Tisch saß. Auch derjenige wiederum soll dann eine Benachrichtigung bekommen.

Luca-App zur Kontaktnachverfolgung: Kreis Warendorf will auch Schlüsselanhänger mit QR-Code

Der Kreis Warendorf hat nach eigenen Angaben auch Bürger im Blick, die kein Smartphone nutzen oder die App nicht nutzen wollen. Sie sollen mit Schlüsselanhängern mit integriertem QR-Code ausgestattet werden. Dieser werde dann vom Gastgeber (etwa in Restaurants) eingescannt. „Damit wären auch Bürgerinnen und Bürger ohne Smartphone bei gemeinsamen Restaurantbesuchen oder Busfahrten – natürlich digital verschlüsselt – im Falle einer Corona-Infektion als Kontaktperson identifizierbar. Auch darum möchte sich der Kreis in den kommenden Wochen bemühen“, heißt es.

Die Start-up-Initative „Wir für Digitalisierung“ hat sich übrigens gegen eine exklusive Einführung der Luca-App zur bundesweiten Kontaktverfolgung in der Corona-Pandemie ausgesprochen. „Eine einheitliche Lösung kann, auch mit Blick auf die Erfahrung mit der Corona-Warn-App, nur zum Scheitern verurteilt sein“, erklärte am Freitag Jan Kus, Geschäftsführer der Railslove GmbH, die mit der Recover-App eine konkurrierende Lösung zur Luca-App anbietet. Die Initiative strebe eine „kollaborative, offene und gemeinsame Schnittstelle“ an, an die sich alle Kontaktdatenerfassungssysteme anbinden könnten, darunter auch Luca. Die Kontaktdaten aus den verschiedenen Erfassungslösungen könnten dann über eine einheitliche Schnittstelle zur Nachverfolgung an Systeme der Gesundheitsämter übermittelt werden.

Digitale Lösungen sind auch beim Konzept „Click and Meet“ zur Öffnung des Einzelhandels nötig. Und ab Montag, 8. März gibt es Neuerungen bei den Corona-Maßnahmen - der Überblick über die Corona-Regeln in NRW. - Mit Material von afp und dpa

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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