„Click and Collect“

Lockdown in NRW: So nutzt der Einzelhandel die Schlupflöcher in der Corona-Verordnung

Deutschland ist im Corona-Lockdown, der Geschäfte haben geschlossen. Wirklich? Viele Einzelhändler nutzen die Schlupflöcher in der Verordnung. Doch das geht nicht überall.

Hamm - Deutschland ist im Lockdown. Der Einzelhandel ist zu, niemand trifft sich mehr bis mindestens 10. Januar - so zumindest wünscht sich das die Politik im Bund und in NRW. Die Realität sieht jedoch anders aus. Viele Geschäfte weichen die scharfen Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie auf. Der Zauberbegriff lautet „Click and Collect“. (News zum Coronavirus).

BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)
Einwohnerca. 17,9 Millionen
HauptstadtDüsseldorf

Lockdown in NRW: Baumärkte und Einzelhandel weichen Corona-Regeln auf und nutzen Schlupflöcher

Baumärkte oder Buchläden, Warenhäuser oder Elektronikmärkte: Viele Einzelhandelsgeschäfte versuchen, Schlupflöcher in den Lockdown-Regeln zu finden, um wenigstens noch ein wenig vom lukrativen Geschäft vor Weihnachten zu profitieren. Sie nutzen, wo es die Corona-Verordnungen zulassen, ihre eigentlich geschlossenen Läden als Abholstellen für online oder per Telefon bestellte Waren.

In den Corona-Verordnungen der Länder lassen sich viele Unterschiede finden - etwa für den Einzelhandel. So dürfen Kunden in einigen Ländern bestellte Ware auch im Geschäft abholen, in anderen nicht. Unterschiede gibt es auch bei der Frage, welche Geschäfte den täglichen Bedarf decken und somit offen bleiben dürfen.

Lockdown in NRW: Online bestellen und abholen - „Click and Collect“

In Nordrhein-Westfalen etwa ist der Versandhandel und die Auslieferung bestellter Waren zulässig. Die Abholung durch Kunden ist aber nur dann erlaubt, wenn sie unter Beachtung von Schutzmaßnahmen vor Infektionen kontaktfrei erfolgen kann. Für die Geschäfte ist das nach Monaten mit Corona-Vorschriften wie Maskenpflicht und Abstandsregeln jedoch ein Leichtes.

Beispiel Baumarkt: Branchenriesen wie Obi, Bauhaus, Hornbach oder toom bieten den Kundinnen und Kunden im Lockdown die Möglichkeit, Materialien und Produkte online zu reservieren und dann in oder vor den Filialen abzuholen - das Prinzip nennt sich „Click and Collect“. Auch in den Gängen der Baumärkte ist es nicht ausgestorben. Gewerbetreibende dürfen sich weiterhin selbst Zubehör aus den Regalen ziehen. Die Corona-Schutzverordnung lässt das in vielen Bundesländern - unter ihnen NRW - zu.

Und es machen viele Filialen davon Gebrauch. „Wir haben dafür [das Abholen] eine separate Stelle. Und wir achten natürlich wie auch schon vorher auf die Abstände und halten alle Vorgaben ein“, sagt Kubatoglu Lockman, Teamleiter eines toom-Baumarkts im Hamm. „Die Kunden sind begeistert, dass wir offen haben.“

Lockdown in NRW: Baumärkte nutzen Schlupflöcher in der Corona-Verordnung

Nicht nur Baumärkte nutzen diese Schlupflöcher in der Corona-Verordnung in NRW und setzen auf „Click and Collect“. Die Elektronikketten Media Markt und Saturn nutzen ihre Filialen derzeit als Pick-Up-Stationen. Ein ähnliches Angebot habe es schon im ersten Lockdown im Frühjahr gegeben. Beide Händler bieten ihren Kunden an, noch kurzfristig Ware online zu reservieren und dann kontaktlos an den Abholstationen in den Filialen entgegenzunehmen.

„Onlineshop für dich geöffnet“ steht auf einem Plakat an einer Ikea-Filiale. Während des Lockdown ermöglichen viele Händler ihren Kunden „Click&Collect“.

Viele Buchhändler - vom Branchenriesen Thalia bis zum Buchladen von nebenan - versuchen ebenfalls, mit Abholangeboten den wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns ein Schnippchen schlagen. Auch Galeria Karstadt Kaufhof verspricht „Weihnachtsgeschenke bis zum Schluss“.

Lockdown: Unterschiedliche Regelungen für Einzelhandel in den Bundesländern

Für die Händler ist „Click and Collect“ der nachvollziehbare Versuch, den wirtschaftlichen Schaden durch den Lockdown zu verringern. Doch einen Haken hat die Sache: Das Abholen ist zwar in den meisten, aber längst nicht in allen Bundesländern erlaubt. Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen verbieten das Abholen in ihren Corona-Verordnungen grundsätzlich. In Thüringen ist es demnach nur für Buchhandlungen erlaubt. In NRW und anderen Bundesländern gilt in diesem Punkt dagegen ein eher lockerer Lockdown.

Die Kritik an diesem Flickenteppich an Corona-Regelungen wächst. Der Zentralverband Gartenbau sowie der Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten sowie Zulieferer fordern einheitliche Richtlinien für den Lockdown. Die aktuellen Maßnahmen würden lokal unterschiedlich ausgelegt, was „für erhebliche Unklarheit und Verunsicherung von Handel und Verbrauchern“ sorge, heißt es in einem gemeinsamen Statement. Verbraucher könnten etwa die Vielzahl an Verkaufsgenehmigungen und gesperrten Sortimenten nicht mehr nachvollziehen.

Rubriklistenbild: © Paul Zinken/dpa

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