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Leichtsinn am Bahnhof in Hamm: Mann (19) durch Stromschlag schwerst verletzt

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Von: Markus Hanneken, Frank Osiewacz

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Von der Oberleitung geht eine tödliche Gefahr aus.
Absolute Tabuzone: Von der Oberleitung geht eine tödliche Gefahr aus. Auf einen Masten dieser Art an der Östingstraße kletterte das Opfer. © Andreas Rother

Ein dramatischer Vorfall hat sich in Hamm im Bereich des Bahnhofs ereignet: Vermutlich wegen einer Leichtsinnsaktion wäre ein junger Mann fast gestorben. Er ist schwerst verletzt.

Hamm - Ein 19-Jähriger hat am Mittwoch um kurz vor 17 Uhr im Hammer Bahnhofsbereich einen Erdungsmast der Oberleitung bestiegen. Dabei erlitt er laut einer Mitteilung der Bundespolizei einen Stromschlag und verletzte sich schwer. Angaben, ob Lebensgefahr bestand oder besteht, lagen nicht vor.

Gleichwohl, so Polizeisprecher Tobias Bußkamp, habe er noch Glück im Unglück gehabt: „Denn überwiegend verlaufen derartige Unfälle unmittelbar tödlich.“ Der aus Düsseldorf stammende junge Mann konnte den Rettungskräften zufolge sogar noch selbstständig um Hilfe rufen.

Passant setzt Rettungskette in Gang

Der Unfall ereignete sich in Höhe der Östingstraße 7. Dort befindet sich kurz hinter den Hellweg-Baumarkt unter dieser Hausnummer ein Reifenhandel. Offenbar hatte ein Passant die Hilferufe des jungen Mannes gehört und die Rettungskette in Gang gesetzt.

Nach Polizeiangaben wurde der 19-Jährige aufgrund seiner Verbrennungen dritten Grades noch vor Ort in ein künstliches Koma versetzt. Vor Ort für die Erstversorgung waren die Feuerwehr, ein Notarzt und ein Rettungswagen. Gegen 18 Uhr flog ihn ein Rettungshubschrauber in die Unfallklinik „Bergmannsheil“ in Bochum. Sie gilt als erste Adresse für Akutfälle dieser Art.

Motiv für die Kletterei noch unklar

Was den Mann dazu bewegte, den Masten, der die Oberleitung sowohl trägt als auch erdet, zu besteigen, sei noch nicht geklärt. Eine Aussage habe der 19-Jährige vor Ort nicht mehr machen können, so der Polizeisprecher. Ebenso unbeantwortet sei die Frage, warum sich der Düsseldorfer überhaupt hier aufgehalte hatte.

Auffällige Gegenstände habe er nicht mitgeführt, sagte der Polizeisprecher. Aufgefunden worden seien lediglich persönliche Dokumente. Der junge Mann habe einen festen Wohnsitz. Ob Drogen oder Alkohol eine Rolle gespielt haben, sei ebenso noch nicht geklärt.

Keine Beeinträchtigungen für den Bahnverkehr

Beeinträchtigungen für den Bahnverkehr habe es durch den Unfall und folgenden Rettungseinsatz nicht gegeben, so der Sprecher. Im Bereich der Bundespolizeiinspektion Münster, deren Aktionsradius neben Hamm auch Bielefeld, Minden und Paderborn gehören, sei es der erste Unfall dieser Art im laufenden Jahr gewesen.

Bundespolizei warnt vor Gefahren auf Bahnanlagen

Die Bundespolizei warnt in diesem Zusammenhang eindringlich vor dem Betreten von Bahnanlagen und Gleisen: Die Gefahren würden oft unterschätzt. Insbesondere Oberleitungen bergen die Gefahr eines Stromschlages.

Dazu bedürfe es keiner Berührung der Oberleitung. Es könne auch ein Abstand von ein bis zwei Metern reichen, um einen tödlichen Stromschlag durch einen Spannungsüberschlag zu erleiden. Oberleitungen führen eine Spannung von 15.000 Volt.

Helium-Ballons in Bahnhöfen verboten

Feuchte Witterung wie am Mittwoch erhöhe das Risiko. Nicht nur in diesem Fall geht die Bundespolizei von Unwissenheit und Leichtsinn als Unfallursache aus. Was viele nicht wissen: Wegen der Gefahr eines Stromschlags sind beispielsweise auch Helium-Ballons in Bahnhöfen und auf Bahnsteigen verboten.

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