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Wüst ist nur Wahlsieger, wenn er auch an die Regierung kommt - Kommentar

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Von: Martin Krigar

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Die CDU hat die NRW-Wahl klar gewonnen - aber zu feiern gibt es noch nicht. Erst dann, wenn die Unionspartei weiterhin den Ministerpräsidenten stellt. Kommentar.

Hamm - Hendrik Wüst feiert einen Wahlsieg bei der Landtagswahl NRW – und kann doch sein Amt als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen nach wenigen Monaten wieder verlieren. So brutal ist Politik. Echte Wahlsieger müssen auch an die Regierung kommen.

CDU gewinnt Landtagswahl NRW - aber eine Belohnung für die schwarz-gelbe Regierung ist das nicht

Die CDU bejubelt ein überraschend gutes Wahlergebnis – Respekt für den Wahlkampf! Sie kann bei ehrlicher, nüchterner Betrachtung aber nicht übersehen, dass die von ihr geführte (und von Armin Laschet lange geprägte) Landesregierung klar abgewählt worden ist.

Riesengroß ist der Unions-Zuwachs nämlich nicht, während der liberale Partner dramatisch schrumpft. Eine Belohnung für vier Jahre gemeinsame Regierungsarbeit sieht anders aus. Für die SPD ist das nur ein bitterer Trost. Schlechter war’s für sie noch nie, ausgerechnet in der Heimat von Johannes Rau.

Echte Wahlsieger sind zunächst einmal nur die Grünen. Ihnen ist wirklich eine Stimmenexplosion gelungen, auch dank des populären Auftretens der eigenen Bundespolitiker. Allein die Grünen dürften entscheiden, wie die neue Landesregierung aussieht.

NRW steht vor einer Hängepartie. Die Grünen vermeiden jede frühe Festlegung. Sie wollen ihre neue Macht zu Positionsgewinnen auf allen Seiten nutzen.

Landtagswahl NRW: Niemand spricht über eine Große Koalition

Schwarz-Grün wäre ja alles andere als ein Selbstgänger – auch wenn die CDU inhaltlich und persönlich immer näher an die einstigen grünen Intimfeinde rückt, um ihren Ministerpräsidenten zu behalten. Die grüne Basis, eher weniger pragmatisch als ihre Funktionäre, tut sich damit zumindest schwer.

Die SPD wiederum ist in ihrer derzeitigen traurigen Verfassung sicher kein Traumpartner, die FDP schon gar nicht. Es gibt für die Grünen aber nach wie vor gute Gründe, die Berliner Ampel auch auf NRW-Ebene zu stützen. Das könnte für Ruhe in der Parteienlandschaft sorgen.

Erstaunlich: Über eine Große Koalition spricht in Düsseldorf keiner, obwohl sie die klarste aller möglichen Mehrheiten hätte. Schwarz-Rot ist inzwischen so offenkundig eine gestrig anmutende Vorstellung, dass sie allenfalls als Notfallplan bereitsteht – falls die Grünen übermütig werden sollten.

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