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Justus Moor (SPD) vermisst in NRW die klare Ausrichtung mit Blick in die Zukunft

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Von: Cedric Sporkert

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Aus der heimischen Lego-Sammlung: Den Hammer Glaselefanten hat Justus Moor im Miniaturformat auch auf der Kommode stehen.
Aus der heimischen Lego-Sammlung: Den Hammer Glaselefanten hat Justus Moor im Miniaturformat auch auf der Kommode stehen. © © Andreas Rother

Sechs Kandidaten bewerben sich um das Landtagsmandat für Hamm. Wir haben sie zuhause besucht und mit ihnen darüber gesprochen, was sie politisch antreibt und was sie für Hamm erreichen wollen. Heute: Justus Moor (SPD).

Hamm - Seit 1995 hat die SPD mit einer Ausnahme alle NRW-Landtagswahlen in Hamm für sich entschieden. Nur 2005 lag sie hinter der CDU – mit weniger als 500 Stimmen. Dass aktuell im Düsseldorfer Landtag kein Hammer Genosse aus dem Wahlkreis 118 Hamm sitzt, ist nur dem Umstand geschuldet, dass Marc Herter 2020 als OB ins Rathaus wechselte. Könnte sich SPD-Kandidat Justus Moor bei dieser Ausgangslage da nicht entspannt zurücklehnen?

Moor: Wahlkreis in Hamm für SPD „keine sichere Bank“

„Nein, genau das wäre ein riesiger Fehler“, sagt der 35-Jährige. Er sitzt dabei an seinem Küchentisch mit Blick auf die Pauluskirche. „Im Ruhrgebiet gibt es zwei Wahlkreise, die die SPD schonmal nicht gewonnen hat: einen in Hagen und den anderen in Hamm. Das ist also keine sichere Bank“, betont Moor, der im Hauptberuf seit 2021 nicht mehr schulpflichtigen Jugendlichen in Dortmund dabei hilft, einen Schulabschluss zu machen. Aktuell verbringe er daneben praktisch jede freie Minute mit Wahlkampf.

Damit hat er trotz seiner 35 Jahre – 18 davon in der SPD –inzwischen eine gewisse Routine. Moor bewarb sich bislang zwar nie selbst um das Landtagsmandat, fungierte 2010, 2012 und 2017 aber als Wahlkampfleiter seiner Partei in Hamm. Auch den Kommunalwahlkampf 2020 organisierte der studierte Erziehungs- und Politikwissenschaftler entscheidend mit.

Ukraine-Krieg und Corona überschatten Wahlkampf

Der Wahlkampf sei in diesem Jahr komplett überschattet vom Ukraine-Krieg und den Nachwirkungen der Corona-Pandemie. „Im Landtag wird aber nicht über Krieg und Frieden entschieden. Und das ist auch gut so“, sagt Moor. Es seien daher auch die ganz persönlichen Alltagsprobleme der Menschen, die zur Sprache kämen, wenn er auf Hausbesuch sei. Da gehe es um den Kita-Platz oder das Schulwegticket der Kinder.

Justus Moor tritt für die SPD bei der Landtagswahl an.
Justus Moor tritt für die SPD bei der Landtagswahl an. © Grafik: WA / Foto: SPD

Bildungspolitik ist Moor besonders wichtig. Die Schulen seien schon durch die Aufarbeitung der Corona-Rückstände am Limit. Nun komme die Eingliederung geflüchteter Kinder hinzu. „Es braucht jetzt die Sicherheit vom Land, dass die Schulen mit all den Problemen nicht auch noch allein gelassen werden“, meint der 35-Jährige.

Moor will irrsinnige Hemmnisse und Regelungen abbauen

Auch abseits von Corona sei die Politik in den vergangenen Jahren hektisch von Problemherd zu Problemherd gesprungen. „Mir fehlt die klare Ausrichtung darauf, wo wir in fünf oder zehn Jahren stehen wollen. Wir müssen die Menschen mehr beteiligen. Ich nehme wahr, dass wir als Politik besser hinhören könnten“, so Moor.

Er wolle im Land dafür eintreten, viele Dinge einfacher zu machen. Ein Beispiel seien für ihn irrsinnige Hemmnisse am Energiemarkt. Als Besitzer einer Photovoltaik-Anlage dürfe man noch nicht einmal den selbst produzierten Strom an Familienangehörige abgeben, die in einer Wohnung im selben Haus wohnen, ohne gleich ein Unternehmen gründen zu müssen. „Das ist doch totaler Schwachsinn“, findet Moor.

Er selbst sei davon getrieben, die Welt jeden Tag ein bisschen besser zu machen. „Auch, wenn das vielleicht abgedroschen klingt, dafür engagiere ich mich. Und am besten tut man das dort, wo wirklich etwas entschieden wird.“

Nicht viel Zeit für Freunde, Freundin, Familie und die Lego-Sammlung

Sollte er in den Landtag gewählt werden, will Moor Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtrat bleiben. „Jetzt habe ich ja auch einen Job, und das klappt beides“, beteuert er. „So bleibe ich auch in Hamm gut vernetzt.“

Wie viel Zeit bei den politischen Verpflichtungen noch für Freizeit bleibt? Die heimische Lego-Sammlung verstaube jedenfalls eher als dass an den Bauwerken gewerkelt werde. Neben dem Empire State Building und einem Star-Wars-Kopf steht auch ein nachgebauter Glaselefant im Miniaturformat auf der Kommode. „Nur leuchten kann der hier nicht“, sagt Moor.

Die Freunde und seine Freundin müssten immer mal wieder zurückstecken. Das Fußballspielen und -pfeifen habe er inzwischen genauso drangegeben wie das Trompete spielen. „Das fehlt mir manchmal. Der ganze Einsatz ist es aber wert“, ist der politische Workaholic überzeugt. Nur, wenn er mit seinen Eltern zu Spielen des BVB ins Westfalenstadion gehe, schalte er das Handy dann ausnahmsweise mal aus.

Die insgesamt sechs Direktkandidaten zur Landtagswahl haben auf Einladung des Westfälischen Anzeigers und der Lippewelle eine Bus-Tour durch Hamm absolviert und an fünf Standorten zu wichtigen Themen diskutiert. Alle Inhalte und Aussagen sind hier als Podcast abrufbar.

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