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„Große Verantwortung“: Moor nach Landtagswahl überwältigt - und heute schon in Düsseldorf

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Von: Frank Lahme, Constanze Juckenack

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Jubel und Blumen: Justus Moor (SPD) ist der Wahlgewinner in Hamm.
Jubel und Blumen: Justus Moor (SPD) ist der Wahlgewinner in Hamm. © Szkudlarek

Justus Moor hat das Direktmandat im Wahlkreis 118 (Hamm I) souverän geholt. In allen Hammer Stadtbezirken errang der 35-jährige Sozialdemokrat am Sonntag die Mehrheit. Ein Überblick.

Hamm - 45,1 Prozent der Erststimmen waren das. Nur in Herringen konnten die Wähler nicht für ihn abstimmen. Der Ortsteil zählt zum Wahlbezirk 117 (Unna-Hamm). Moor holte mehr Stimmen, als Marc Herter bei seiner Kandidatur 2017 erreichte. „Es ist für mich eine sehr, sehr große Ehre, dass die Hammer mich in den Landtag gewählt haben, aber ich weiß auch, dass es eine große Verantwortung ist“, sagte Moor am Sonntagabend im Kurhaus (hier den Ticker zur Wahl zum Nachlesen!).

Moor im Landtag vermutlich auf der Oppositionsbank

Er werde sich in Düsseldorf für alle Hammer einsetzen. Er wird damit alle Hände voll zu tun haben – er ist der einzige Landtagsabgeordnete aus der Stadt. Und wird sehr wahrscheinlich auf der Oppositionsbank sitzen, weil eine Koalition aus Schwarz-Grün aktuell als am wahrscheinlichsten angesehen wird.

Die SPD ist die Siegerin in Hamm, trotz Verlusten. Das Zweitstimmenergebnis fällt knapp aus. Die SPD liegt gerade einmal bei 35 Prozent der Stimmen und damit um 0,8 Punkte vor der CDU. Das SPD-Ergebnis hat sich damit um 3,8 Punkte verschlechtert gegenüber 2017 und sogar um 21,9 Punkte gegenüber 2012. Dennoch: Ein Absturz wie im Land wurde in Hamm wie schon bei der Kommunalwahl 2020 von der Hammer SPD abgewendet.

Justus Moor will sich im Landtag vor allem für die Entwicklung des Hammer Rangierbahnhofs und Klimaneutralität einsetzen, wie er sagte. Zu seinem ersten Termin in Düsseldorf am Montag fährt er dann auch mit der Bahn.

CDU-Kandidat Müller: War der deutlich Unbekanntere

Angesichts des Landesergebnisses zeigte sich die Hammer CDU zufrieden. Mit Applaus wurde ihr Kandidat Frederik Müller bedacht, als er am Sonntagabend auf die Kurhaus-Bühne trat. „Ich freue mich, dass wir auf Landesebene die stärkste Partei sind und den Regierungsauftrag haben.“ Mit seinem persönlichen Ergebnis könne er nicht zufrieden sein. „Wenn man antritt, möchte man gewinnen.“

Das ist Müller nicht gelungen. Er erhielt 30,2 Prozent der Erststimmen, 3,2 Punkte weniger als Arnd Hilwig 2017. Sein Ergebnis erklärte sich Müller damit, dass er als der deutlich unbekanntere Kandidat in den Wahlkampf gestartet sei. Trotzdem sah er das Ergebnis am Ende mit einem lachenden Auge, wie er meinte. „Wegen des Abschneidens auf Landesebene.“

Weymann macht „einen Sekt auf“, Grüne feiern

Beste Laune herrschte auch im Lager der Grünen. „Wenn wir in Hamm zweistellig werden, mache ich einen Sekt auf“, hatte deren Ratsherr Karsten Weymann angekündigt, als noch keiner der Hammer Stimmbezirke ausgezählt war. Am Ende waren es 12,2 Prozent der Zweitstimmen, die die Grünen einfuhren – historisch viel bei einer Landtagswahl. Auch Nelli Foumba Soumaoro erhielt mit 10,1 Prozent ein zweistelliges Ergebnis.

Der 31-jährige Direktkandidat zeigte sich damit zufrieden: 6,7 Prozentpunkte mehr als eben Karsten Weymann 2017 erhielt: Das konnte sich sehen lassen. In den Landtag zieht er nicht ein. Er stand auf Platz 70 der Grünen-Landesliste, das reichte nicht. Wie es für ihn politisch weitergeht? Er wolle sich weiter engagieren. „Bei uns gibt es so viel zu tun, es gibt so viele spannende Themen: Ich mache, was möglich ist“, sagte er.

FDP-Mann Reuter muss Ergebnis erst einmal verdauen

Großer Verlierer der NRW-Wahl war die FDP, und das auch in Hamm. 4,5 Prozent der Zweitstimmen erhielten die Liberalen, weniger als die Hälfte als noch 2017. Für deren Kandidaten Ulrich Reuter endet nun zum 31. Mai seine Zeit im Düsseldorfer Landtag. Nach fünf Jahren ist für ihn Schluss. Der 57-Jährige Verlagskaufmann hat eine Rückkehroption in seinen alten Job. „Aber das ist heute nicht das Thema. Ich muss jetzt erst einmal das Ergebnis verdauen“, so Reuter.

Stimmen verloren hat in Hamm auch die AfD – wenngleich weniger als in Gesamt-NRW. Mit 7,1 Prozent der Zweitstimmen lag die Gruppierung um 1,2 hinter dem Resultat aus dem Jahr 2017. Ihr Hammer Kandidat Pierre Jung zog nicht in den Landtag ein. 23 Listenplätze hatte die AfD im Vorfeld der Wahl namentlich vergeben, Jung war darauf nicht zu finden.

Auch die Linken konnten in Hamm nicht punkten und halbierten mit 2,1 Prozent ihr 2017er Ergebnis.

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