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Bus-Tour durch Hamm: Landtagskandidaten diskutieren kurz vor der Wahl - Podcast online

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Von: Cedric Sporkert

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Die sechs Landtagskandidaten stellten sich den Fragen der Lippewelle und des Westfälischen Anzeigers.
Die sechs Landtagskandidaten stellten sich den Fragen der Lippewelle und des Westfälischen Anzeigers. © Rother

Alle einsteigen, bitte! In gut einer Woche wird in NRW ein neuer Landtag gewählt. Der Westfälische Anzeiger und Radio Lippewelle Hamm haben deshalb die sechs Kandidaten für das Direktmandat im Wahlkreis Hamm I zu einer gemeinsamen Bus-Tour durch Hamm eingeladen.

Hamm – An fünf Haltestellen geht es ohne große Vorbereitung in die Diskussion um wichtige Themen, die sehr wahrscheinlich mitentscheidend sind für den Ausgang der Wahl: Wirtschaft, Gesundheit, Bildung, Umwelt/Klima und Sicherheit.

Moor und Reuter „im Vierer“, Müller und Soumaoro dahinter

Alle Kandidaten steigen hinten ein – ein Ticket muss ausnahmsweise keiner ziehen. Im „Vierer“ nehmen Justus Moor (SPD) und Ulrich Reuter (FDP) Platz. Dahinter sitzen Frederik Müller (CDU) und Nelli Foumba Soumaoro (Grüne). Sven Kleinemeier (Linke) wählt einen Einzelsitz gegenüber. Ein paar Reihen weiter sitzt Pierre Jung (AfD). Diese Platzwahl will natürlich keiner der Kandidaten als Statement für mögliche Koalitionen nach der Wahl verstanden wissen, betonen sie.

Privat zuletzt Bus gefahren sind die meisten der sechs Männer vor längerer Zeit. „Die Coolen sitzen immer hinten“, scherzt Justus Moor. Im Gelenkbus der Stadtwerke bleibt die letzte Reihe diesmal allerdings leer. Locker wird zwischen den einzelnen Stationen darüber gerätselt, wo es als nächstes hingeht.

„Wahrscheinlich nach Herringen“, sagt Ulrich Reuter. „Da hat zumindest Justus ja schon Flyer verteilt.“ In Herringen steht keiner der Kandidaten zur Wahl, weil der Stadtteil als einziger zu einem anderen Wahlkreis gehört. Durch einen Fehler der Post haben aber viele Herringer Haushalte Wahlwerbung von Justus Moor erhalten.

Wahlkampf eher zahm - Moor mit „Fake News“-Vorwurf an Müller

In den vergangenen Wochen standen die Politiker in verschiedenen Konstellationen auf Podien und Wahlkampfbühnen und kennen daher die gegenseitigen Positionen ziemlich genau. Bis auf Pierre Jung duzen sich alle. Auch mit Blick auf den Krieg in der Ukraine ist der Wahlkampf 2022 eher zahm – auch während der Bus-Tour.

Den größten Knatsch gibt es bei Abstandsflächen von Windrädern zu Wohngebäuden (1 000 Meter). Grüne und SPD wollen diese starre Grenze abschaffen. CDU und FDP sind dagegen. Schließlich würden ja auch so schon viele neue Anlagen gebaut. Moor bezeichnet das Loblied Müllers auf 10.000 neue Lehrerstellen als „Fake-News“, weil tatsächlich nur etwas mehr als die Hälfte auch besetzt worden sei. Als Jung sich gegen die doppelte Staatsbürgerschaft ausspricht, fragt Moor nach einer Kotztüte.

Alle wollen Bürokratieabbau und mehr Schwung für die Wirtschaft

An den fünf Standorten – Chattanoogaplatz, Hafen, Galilei Gymnasium, St.-Josef-Krankenhaus und HSHL – wird deutlich, dass sich viele Positionen decken – vor allem, wenn es darum geht, Hamm nach vorne zu bringen. Für das Wachstum der lokalen Wirtschaft sei der weitere Bürokratieabbau entscheidend. Planungsverfahren müssten beschleunigt werden. Alle Kandidaten hoffen auf einen Schub durch das Innovationszentrum und bereits angeschobene Projekte zu grünem Wasserstoff oder der Reaktivierung des Rangierbahnhofs.

Die Landtagswahl in Hamm in Zahlen

Der 18. Landtag des Landes Nordrhein-Westfalen wird am Sonntag, 15. Mai, gewählt. Stimmberechtigt sind dann rund 124.000 Menschen aus Hamm, 111.650 im Wahlkreis 118, Hamm I, der bis auf Herringen die ganze Stadt umfasst. Viele Wähler werden ihr Kreuz schon früher machen oder haben sich bereits entschieden: Über 25.000 Hammer haben bislang Unterlagen für die Briefwahl beantragt. Das bedeutet einen neuen Rekordwert bei einer Landtagswahl in Hamm. Als Direktkandidaten treten Justus Moor (SPD), Frederik Müller (CDU), Ulrich Reuter (FDP), Pierre Jung (AfD), Nelli Foumba Soumaoro (Grüne) und Sven Kleinemeier (Linke) an. Seit 2010 gewann den Wahlkreis immer Marc Herter (SPD), der sein Landtagsmandat im Zuge der Wahl zum Oberbürgermeister 2020 niederlegte.

Beim Thema Bildung geht es ihnen um die bessere Ausstattung von Schulen und die Digitalisierung. Auch der Lehrplan gehöre entstaubt und modernisiert. Alle Kandidaten kritisieren die Verlegung der Notfallpraxis der KVWL aus der Innenstadt nach Heessen.

Die kompletten Inhalte, Diskussionen und Aussagen der Landtagskandidaten während der knapp dreistündigen Bus-Tour sind nach Themen geordnet als Podcast zum Nachhören abrufbar (lippewelle.de).

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