Brief am Schulministerium

Schülerinnen fordern Durchschnittsabitur - "Wir sorgen uns um unsere Familie"

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Die jungen Frauen fordern ein Durchschnittsabitur. Ihre Stimme sei nicht gehört worden.

Mehrere Schülerinnen des Märkischen Berufskollegs in Unna wehren sich gegen die Entscheidung der NRW-Landesregierung. Die jungen Frauen fordern ein Durchschnittsabitur - sie haben Angst und können Zuhause kaum lernen.

Bönen/Kreis Unna – Noch keine Nachkriegsgeneration musste unter so widrigen Umständen ihre Abiturprüfungen antreten wie die Abiturienten 2020. Wegen des Coronavirus’ blieben die Schulen wochenlang geschlossen. Jetzt können die Abschlussklassen zurückkehren und sollen in wenigen Tagen zur Prüfung antreten. Inzwischen regt sich bei etlichen Schülern Widerspruch. Sie fühlen sich ungenügend vorbereitet und fürchten schlechtere Abitur- und Abschlussnoten, mit denen sie künftig leben und sich bewerben müssen. Auch die Bönenerin Celine Stolzki und drei ihrer Mitschülerinnen am Märkischen Berufskolleg in Unna sorgen sich. Deshalb haben sie einen Brief an das Schulministerium geschrieben mit der Bitte das Durchschnittsabitur zuzulassen.

Zusammen mit Chiara aus Bönen, Joleen aus Unna und Claire aus Soest hat sie jetzt einen Brief an das Schulministerium des Landes NRW geschrieben, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. „Wir hatten es zuvor auf Twitter und Instagram versucht“, sagt Celine Stolzki. Jetzt wollen sich die Schülerinnen an Ministerin Yvonne Gebauer wenden, die am Donnerstag in einer Pressekonferenz erklärt hatte, dass beispielsweise in Hessen bereits die Prüfungen stattgefunden hätten. Sie sei überzeugt, auch die Schüler in NRW würden das gut meistern.

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Das sehen die Schülerinnen des Märkischen Berufskollegs Unna, die vor ihrem Fachabitur stehen, anders. „Die derzeitigen Regelungen der Politik zum Umgang mit den Abschlussprüfungen lassen unseres Erachtens eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Perspektive außer Acht, die der Schüler selbst“, zitiert Celine Stolzki aus ihrem Brief.

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„Wie alle Menschen sind auch wir Schüler zurzeit mit Sorgen und Ängsten konfrontiert und wissen teilweise nicht, wie es in den Familien weitergeht“, sagt die Bönenerin. „Wir wissen nicht, wie es wirtschaftlich weiter geht, ob wir unsere Ausbildungen antreten können und sorgen uns um Familienmitglieder, die zur Risikogruppe gehören.“ Viele Mitschüler müssten sich um kleinere Geschwister kümmern, die ebenfalls zu Hause sind, und hätten kaum Möglichkeiten zum intensiven Lernen. „Außerdem war es schwierig mit der Vorbereitung, weil der Schulserver oft zusammenbrach. Schularbeiten, die wir per Mail an die Lehrer geschickt haben, haben wir teilweise bis heute nicht zurück. Und manchmal braucht man eben einfach eine zusätzliche Erklärung von den Lehrern – das ist in einem Chat schwierig“, argumentiert sie.

Deshalb sorgen sich die Bönenerin und ihre Mitstreiterinnen, die den Brief mit unterzeichnet haben, wie unter diesen besonderen Prüfungsbedingungen die Noten ausfallen werden. „Wir fürchten, wir werden viel schlechter abschneiden als unter normalen Bedingungen“, so Celine Stolzki. „Das Abiturzeugnis wird uns ja ein Leben lang begleiten und bei Bewerbungen entscheidend sein.“

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Deshalb fordern die Schülerinnen, die sich von vielen anderen Schülern unterstützt wissen, das Durchschnittsabitur, wie es in anderen europäischen Ländern schon beschlossen wurde. „Das ist aus unserer Sicht die einzig sinnvolle Maßnahme in dieser überaus belastenden Situation.“

Dabei würden für die Abiturnoten die Durchschnittsnoten aus vier Quartalen herangezogen und verrechnet, erläutert Celine Stolzki. „Wer sich verbessern möchte oder zwischen zwei Noten steht, könnte in einer mündlichen Prüfung antreten.“ Kürzere mündliche Prüfungen, die einzeln nach Termin vergeben werden, wären die Alternative zu den langen Abiklausuren, so ihr Vorschlag. „So könnte man auch die Ansteckungsgefahr bei den Klausurterminen verringern, ist sie überzeugt.

Was werden sie tun, wenn ihre Bitten und Vorschläge kein Gehör finden? „Dann werden wir zur Abiturprüfung antreten müssen, aber mit einem schlechten Gefühl dabei.“

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