Termin steht

Kraftwerk Westfalen: So schnell macht RWE das Milliardengrab in Hamm dicht

Das Kraftwerk Westfalen in Hamm geht am 31. Dezember 2020 vom Netz. Der Energiekonzern RWE hatte sich an der ersten Auktion zur Stilllegung von Kohlekraftwerken der Bundesnetzagentur beteiligt – mit Erfolg.

Hamm – Am Dienstag gab es den Zuschlag. Ab dem 1. Januar darf in dem Kraftwerk Westfalen kein Strom mehr erzeugt werden. Rund 100 Millionen Euro bekommt RWE für den Ausstieg in Hamm. In Hamm sind 166 Mitarbeiter von dem Aus betroffen. Damit ist das Kraftwerk Westfalen eines der ersten Steinkohlekraftwerke, das bundesweit im Rahmen der Kohleausstiegsstrategie abgeschaltet wird.

UnternehmenRWE
CEO Rolf Martin Schmitz
HauptsitzEssen
Umsatz 13,12 Milliarden Euro

Kraftwerk Westfalen in Hamm: Drei Milliarden Euro verschwendet

Mehrere Milliarden Euro sind im RWE-Kraftwerk Westfalen in den Sand gesetzt worden. Alleine rund drei Milliarden Euro sind für die Blöcke D und E bezahlt worden. Strom aus Steinkohle produziert derzeit in der gigantische Anlage im Osten der Stadt Hamm nur noch der Block E mit einer maximalen Leistung von 800 Megawatt. Strom für rund 1,5 Millionen Haushalte fließt hier ins Netz. Damit ist in vier Wochen Schluss.

Kohle ist der Brennstoff mit der schlechtesten Klimabilanz. Daher trat im August 2020 das Kohleausstiegsgesetz in Kraft. „Ziel des Gesetzes ist es, die Kohleverstromung in Deutschland planbar und wirtschaftlich vernünftig zu beenden und den Umbau der Energieversorgung auf nachhaltige Energie voranzutreiben“, heißt es vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Welche Kraftwerke wann abgeschaltet werden, wird durch ein Bieterverfahren geregelt. Danach konnten sich die Kraftwerksbetreiber um die Stilllegung ihrer Anlagen bewerben. Dabei sollten sie ihre Wunsch-Entschädigungssumme mitteilen. Wer am wenigsten haben möchte, kann danach als erstes vom Netz gehen. Insgesamt 317 Millionen Euro zahlt die Bundesregierung an die elf Betreiber – 100 Millionen alleine für den Standort Hamm.

Das Kraftwerk Westfalen in Hamm wird am 31. Dezember 2020 vom Netz genommen. RWE hat diesen Termin bestätigt.

Kraftwerk Westfalen in Hamm: Ein Block ist nie ans Netz gegangen

Die Bundesnetzagentur in Bonn gab am Dienstag bekannt, welche Standorte dazu zählen. „Die Ausschreibungen stoßen bei den Betreibern auf positive Resonanz. Die Runde war deutlich überzeichnet,“ äußerte sich Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, in der Mitteilung. „Der durchschnittliche Zuschlagswert liegt deutlich unter dem gesetzlichen Höchstpreis.“
Am 29. August 2008 wurde der Grundstein für das Kraftwerk Westfalen gelegt.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel war gekommen und sprach von einem „wunderbaren Projekt“. Danach begann eine Serie voller Pleiten, Pech und Pannen, berichtet wa.de*. Der Block D ist nach einem Salzsäureunfall nie ans Netz gegangen. Er soll nach wie vor in andere Länder verkauft werden. Einen konkreten Käufer gibt es nach RWE-Auskunft bislang noch nicht. Nun steht auch Block E vor dem Aus – sechs Jahre, nachdem er ans Netz gegangen ist. Eigentlich sollte er mehrere Jahrzehnte lang Strom liefern.

Kraftwerk Westfalen in Hamm: Bittere Nachricht für Mitarbeiter

„Für die Mitarbeiter ist das kurzfristige Aus ihres Kraftwerks eine bittere Nachricht“, betont Roger Miesen, Vorstandsvorsitzender der RWE Generation. „Durch den Ende August abgeschlossenen Tarifvertrag ist jedoch sichergestellt, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen gibt und die Stilllegungen sozialverträglich gestaltet werden“, so Miesen. RWE beschäftigt im Kraftwerk Westfalen 166 Mitarbeiter. RWE wird den Stilllegungsprozess und die damit verbundenen Personalmaßnahmen nun gemeinsam mit der betrieblichen Mitbestimmung vorbereiten, heißt es von RWE. *wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Hans Blossey

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