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Geld für bessere Noten? Korruptionsverdacht an Universität in NRW

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Von: Daniel Schinzig

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Universität Duisburg-Essen
An der Universität Duisburg-Essen verbesserte eine Mitarbeiterin gegen Geld die Noten von Studenten. © Roland Weihrauch / dpa

An der Universität Duisburg-Essen soll eine Mitarbeiterin die Noten von Studierenden aufgebessert haben. Erste Ermittlungen lassen ein perfides Geschäftsmodell erahnen.

Essen - Prüfungsstress und Leistungsdruck gehören für die meisten Studenten zum Uni-Alltag. Wenn dann auch noch das Ergebnis einer Klausur nicht wie erwartet ausfällt, kann das deprimieren. Eine Verwaltungsmitarbeiterin der Universität Duisburg-Essen in NRW witterte in diesem Zusammenhang die Chance auf das große Geld. Sie bot Studierenden an, schlechte Noten zu verbessern. Natürlich gegen Bezahlung. Die Universität hat nun Strafanzeige gestellt. Nach und nach wird deutlich, welche Ausmaße der Fall von Korruption haben könnte.

UniversitätDuisburg-Essen
Gründung1972
Studierende41.740

Korruption an Universität: Mitarbeiterin verbessert Noten in Essen

800 Euro - Soviel hat es Studierende an der Fakultät Wirtschaftswissenschaft der Universität Duisburg-Essen laut Informationen der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) gekostet, um aus einer mangelhaften Klausur eine ausreichende werden zu lassen. Ein Angebot, das wohl so einige Studenten nicht ablehnen konnten: Die Ermittlungen der Kriminalpolizei Essen richten sich gegen rund 50 Studenten, die von einem Feintuning der eigenen Noten wohl nicht abgeneigt waren. Ihnen droht jetzt die Aberkennung ihrer Abschlüsse. Die beschuldigte Mitarbeiterin ist von der Universität entlassen worden.

Nach Recherchen der WAZ soll die Mitarbeiterin der Hochschulverwaltung der Universität Duisburg-Essen seit März 2017 ihren fragwürdigen Service angeboten haben. Offenbar hat sie dabei ein straff durchorganisiertes Geschäftsmodell verfolgt: Gaben die Studierenden ihr 800 Euro, wurde aus einer 5 eine 4. Aber für mehr Geld konnten die Studenten auch weitere Verbesserungen der Note erreichen: Eine Steigerung um je 0,3 Punkte ließ sich die beschuldigte Frau aus Essen je 50 Euro kosten.

Betrug an Universität: Viele Studenten betroffen

Durch diese Vorgehensweise könnten sich einige Studierende der Universität Duisburg-Essen nicht nur vereinzelte Noten verbessert, sondern sogar ihre Abschlüsse erreicht haben. Der Korruption-Fall hat nun Auswirkungen: Der WAZ ist beispielsweise eine junge Frau bekannt, die durch den fragwürdigen Service der Verwaltungsmitarbeiterin ihr Staatsexamen bestanden hat und so ein Referendariat aufnehmen konnte. Die Weg zur Lehrerin endet jetzt vermutlich erst einmal für die Frau. Ob ihr alle an der Universität erbrachten Leistungen aberkannt werden oder nur die nachweislich gefälschten, ist noch unklar.

Dass die Manipulation der Noten an der Universität Duisburg-Essen überhaupt möglich war, hat mit der Art zu tun, mit der die Noten erfasst werden. So tragen die Prüfer die Ergebnisse auf Papier ein. Erst in der Verwaltung werden die Noten dann elektronisch übertragen. Dieses Verfahren soll sich aber in Zukunft ändern. Laut Hochschulsprecher Thomas Wittek sollen schon bald die Prüfer selbst die Ergebnisse in den Computer eintragen.

Korruption an Uni Duisburg-Essen: Anonymer Hinweis führt auf Spur

Da die beschuldigte Mitarbeiterin bereits seit 2009 an der Hochschule tätig ist, werden die Ermittlungen der Kriminalpolizei Essen ausgedehnt. Bisher sind nur Korruption-Fälle seit dem Jahr 2017 bekannt - es werden nun noch länger zurückliegende Arbeiten überprüft. Dass der großangelegte Betrug an der Universität Duisburg-Essen auffiel, ist einem anonymen Hinweis zu verdanken, der Anfang des Jahres bei der Hochschule einging. Der Verdacht wurde daraufhin intern überprüft.

Auch die Betrugsfälle im Zusammenhang mit der Corona-Impfung häufen sich. Immer wieder werden gefälschte Impfausweise vorgezeigt. In NRW drohen nun heftige Strafen auf dieses Vergehen.

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