Großeinsatz

Kohlenmonoxid-Unfall: Ein Toter, viele Verletzte - Polizei nennt neue Details

Großeinsatz in Beckum: Ein Toter nach Kohlenmonoxid-Vergiftung.
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Großeinsatz in Beckum: Ein Toter nach Kohlenmonoxid-Vergiftung.

Schlimmer Vorfall in einer Unterkunft für Arbeiter in der Fleischindustrie: Ein Mann ist tot, viele weitere Personen, darunter Kinder, wurden verletzt. Die Ursache: Kohlenmonoxid. Die Polizei hat jetzt, rund drei Wochen später, weitere Details bekannt gegeben,

Update vom 26. Februar, 11.37 Uhr: Nach dem Tod eines 36-Jährigen in Beckum hat die Polizei jetzt ihre Ermittlungen zu dem mutmaßlichen Gasunfall abgeschlossen. Bei diesen Ermittlungen standen sowohl eine Gasflasche mit angebrachtem Heizstrahler sowie ein sogenannter Samowar - dabei handelt es sich um einen speziellen Heißwasserbereiter - im Fokus.

„Da die Gasflasche nach Angaben von Einsatzkräften kalt gewesen sei, dürfte dieses Heizgerät zur Unglückszeit nicht betrieben worden sein. Bei dem Samowar, der mit Holz- oder Holzkohle beheizt wurde, konnte noch Restwärme festgestellt werden. Daher ist anzunehmen, dass dieses Gerät betrieben wurde und die hohe Kohlenmonoxidkonzentration verursacht hat“, so die Polizei.

Kohlenmonoxid-Unfall in Beckum - Polizei äußert sich zur Ursache

Es sei nach den Ermittlungen unklar, wer die Geräte aufgestellt und angestellt hat. „Da für das Haus die Gaszufuhr abgestellt war, ist anzunehmen, dass seitens der Bewohner diese Geräte aufgrund der sehr kalten Temperaturen einvernehmlich genutzt wurden“, heißt es im Polizeibericht

Beide Geräte seien jedoch für das Heizen eines Gebäudes oder einzelner Räume ungeeignet und verursachen einen Kohlenmonoxidaustritt, erklärt die Polizei weiter. Daher gehen die Ermittler davon aus, dass es sich um einen tragischen Unglücksfall handelt, bei dem der 36-Jährige ums Leben kam.

Neuigkeiten gibt es auch zu den Personen, die verletzt wurden: Alle in Krankenhäuser gebrachte Personen konnten diese sofort oder am Folgetag verlassen. Die Polizei hat die Verfahrensakten inzwischen der Staatsanwaltschaft Münster zur abschließenden Prüfung und Bewertung übersandt.

Kohlenmonoxid: Großeinsatz in Beckum - eine Person tot

[Update] Beckum - Großalarm für Feuerwehr und Rettungsdienst in der Nacht zu Samstag: Zunächst war um 0.53 Uhr ein Notruf wegen einer bewusstlosen Person in einem Mehrfamilienhaus an der Kalkstraße eingegangen. Eine Streife, die sich in der Nähe befand, eilte zu der Adresse. Dort fanden die Beamten eine leblose Person und begannen sofort mit der Reanimation. Als die Rettungskräfte kurz darauf eintrafen, lösten die Warnmelder für Kohlenstoffmonoxid aus.

Sofort wurde die Feuerwehr hinzugezogen, von der Kreisleitstelle in Warendorf weitere Rettungswagen und Notärzte in das Stadtzentrum entsandt. Sechs Feuerwehrleute hatten sich mit Atemschutzgräten ausgerüstet, um sich nicht selber in Gefahr zu begeben. Sie führten sieben weitere Bewohner, darunter Kinder, fünf Monate und eineinhalb Jahre alt, ins Freie.

Kohlenmonoxid: Großte Anzahl an Betroffenen

Wegen der großen Anzahl der Betroffenen wurde ein Massenanfall von bis zu zehn Verletzten ausgelöst, sodass neben weiteren Rettungs- und Krankenwagen der Hilfsorganisationen auch der Leitende Notarzt sowie der Organisationsleiter Rettungsdienst zur Kalkstraße eilten.

Ein mit Propangas betriebener Heizstrahler scheint in den Räumen genutzt worden zu sein.

Bei dem Gebäude soll es sich um eine Unterkunft von ausländischen Arbeitnehmern aus der Fleischindustrie handeln, die zumindest teilweise in Rheda-Wiedenbrück tätig sein sollen. In dem Gebäude fanden Feuerwehrleute Gasflaschen, die möglicherweise zur Beheizung des Gebäudes benutzt worden waren.

Kohlenmonoxid: Patient in Spezialklinik mit Druckkammer verlegt

Der 36-jährige Mann, der zuerst bewusstlos geworden ware, konnte nicht mehr reanimiert werden. Die übrigen Bewohner wurden in umliegende Krankenhäuser transportiert. Ein Patient musste noch in der Nacht nach einer ersten Versorgung im Krankenhaus Beckum in eine Spezialklinik mit Druckkammer nach Gelsenkirchen-Buer verlegt werden.

Die beiden Polizeibeamten, die als erste am Ort waren, wurden vorsorglich aufgrund von entsprechenden Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert. Sie konnten es bis zum Mittag aber bereits wieder verlassen, teilte die Pressestelle der Polizei Warendorf mit.

Kohlenmonoxid: 80 Einsatzkräfte vor Ort

Vor Ort machten sich auch Kreisbrandmeister Heinz-Jürgen Gottmann (Rinkerode) und Bürgermeister Michael Gerdhenrich ein Bild des Geschehens. Der Verwaltungschef lobte das schnelle und massive Eingreifen der Feuerwehrleute sowie der Rettungsdienstkräfte in der Nacht.

Insgesamt waren nach Angaben von Brandoberinspektor Stefan Sander rund 80 Einsatzkräfte vor Ort. Der Beckumer Löschzugführer Ralf Spiekermann übernahm die Einsatzleitung. Sander führte im Gespräch aus, dass Kohlenstoffmonoxid ein geruchs- und farbloses Gas ist, dass sich durch unvollständige Verbrennung bildet. Weder gemauerte Wände noch Betonwände stellen ein Hindernis dar, sodass sich das Gas ungehindert verbreiten kann. Die Feuerwehrleute lüfteten das Gebäude intensiv. Nach gut drei Stunden konnten die letzten Kräfte wieder einrücken.

Der Grad der Verletzungen der Betroffenen, deren Identitäten und die Unglücksursache sind nun Gegenstand umfangreicher kriminalpolizeilicher Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft Münster wurde informiert und wird darüber zu entscheiden haben, ob Personen strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen sind, teilt die Polizei mit. Mit Ergebnissen sei frühestens in der nächsten Woche zu rechnen, weil ggfs. Sachverständigengutachten eingeholt werden müssten. Die genaue Todesursache des 36-Jährigen wird gerichtsmedizinisch untersucht.

Das Wohnhaus wurde von der Polizei ans Ordnungsamt übergeben. Der diensthabende Bereitschaftsbeamte ließ das Gebäude, das zunächst unbewohnbar ist, mit einem Bauzaun absichern.

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